Review: Trash (Kino)

Das Plakat von "Trash" (Quelle: Universal Pictures)

Das Plakat von “Trash” (Quelle: Universal Pictures)

Inhalt: Die brasilianischen Kinder Raphael (Rickson Tevez), Gardo (Eduardo Luis) und „Ratte“ (Gabrielle Weinstein) gehören zu den Ärmsten der Armen und sichern sich ihr Überleben durch die Arbeit auf einer Müllkippe. Vater Juilliard (Martin Sheen, „Apocalypse Now“) und die Lehrerin Olivia (Rooney Mara, „Side Effects“) versuchen alles, um den Bewohnern der Siedlung um die Kippe ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen. Dann findet Raphael eines Tages bei der Arbeit ein Portemonnaie, in dem sich neben einigem Bargeld noch ein Schlüssel und eine Karte befindet. Als dann kurz darauf eine Polizei-Einheit um den Hauptermittler Frederico (Selton Mello) auftaucht und eine hohe Belohnung für den Geldbeutel aufruft, merkt das junge Trio, dass ihr Fund äußerst bedeutsam sein könnte.

Sie beginnen selbstständig zu ermitteln und bringen sich selbst in Lebensgefahr. Mit Hilfe von Olivia kommen sie den wahren Hintergründen ein Stück näher. Dabei werden sie immer gnadenloser von Frederico und seinen Männern verfolgt und müssen selbst stehlen und betrügen, um nicht erwischt zu werden. So stoßen die 14-Jährigen auf einen Fall, der sich quer durch Politik und Wirtschaft zieht.

Kritik: Während der bunten und schönen Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist fast in Vergessenheit geraten, wie groß die Probleme im Land mit Armut, Hunger und Korruption sind, weswegen es noch vor dem Turnier zahlreiche Demonstrationen gegen die teure Großveranstaltung gegeben hatte. Der britische Regisseur Stephen Daldry, der für seine bislang vier Filme drei Mal für den Regie-Oscar nominiert wurde („Billy Elliot“, „The Hours“, „Der Vorleser“) begibt sich für sein neues Werk in ein brasilianisches Armenviertel und erzählt von dort eine unterhaltsame und teilweise berührende Geschichte, die mit Sicherheit wieder ins Beuteschema zahlreicher (amerikanischer) Preisrichter fallen dürfte. Wer jetzt einen harten und authentischen Film wie den meisterhaften „City of God“ erwartet, dürfte eher enttäuscht werden. Trotz vieler guter Ansätze rund um dieses wichtige Thema bleibt „Trash“ inhaltlich etwas oberflächlich. Die Thriller-/Außenseiter-Geschichte, bei der sich die drei Straßenjungs gegen das System auflehnen, funktioniert dann etwas zu rund und problemlos und verrennt sich hier und da in die „Tränendrüse“-Region. Dennoch hat die Grundthematik genügend Wucht, um mit der recht unterhaltsamen Rahmenhandlung und den stark gefilmten Bildern ein recht ordentliches Konstrukt zu ergeben.

Überzeugende Jung-Darsteller sorgen für mehr Glaubwürdigkeit

Olivia (Rooney Mara) unterstützt die Jungen bei ihren Ermittlungen (Quelle: Universal Pictures)

Olivia (Rooney Mara) unterstützt die Jungen bei ihren Ermittlungen (Quelle: Universal Pictures)

Einer der Hauptgründe, weswegen „Trash“ neben den tollen Aufnahmen funktioniert, sind die drei jungen Protagonisten. Rickson Tevez, Eduardo Luis und Gabrielle Weinstein zeigen in ihrem Spielfilm-Debüt natürliche, menschliche glaubwürdige Darstellungen und funktionieren bestens als Sympathieträger.

Zu ihren Gunsten nehmen sich die Hollywood-Stars Rooney Mara und Martin Sheen angenehm zurück, zeigen aber auch gute Leistungen. Der Gegenspieler Frederico ist weder sehr emotional angelegt, noch das die Figur eine Hintergrundgeschichte bekäme. Aus diesen Gründen bleibt der brasilianische Star Selton Mello schon etwas blass. Das meiste an diesem Film ist noch so gut gemacht, dass man kleine Unzulänglichkeiten (und größere Unglaubwürdigkeiten) verzeihen möchte. Was sich Stephen Daldry dann aber als Wohlfühl-Finale einfallen lässt, ist doch arg blumig und dürfte denjenigen, die sich auf einen lebensnahen Film gefreut haben, doch schon negativ im Gedächtnis bleiben.

Insgesamt macht Stephen Daldry in seinem neuen Film rund um ein interessantes und dank der Weltmeisterschaft aktuelles Thema vieles richtig, aber auch einiges falsch. So ist „Trash“ ein politisch angehauchtes Feel Good-Movie, welches wegen Kamera-Arbeit und jungen Schauspielern auf jeden Fall positiv einzuordnen ist, einen großen Wurf wie „City of God“ aber deutlich verpasst.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Trash

Originaltitel:Trash
Regie:Stephen Daldry
Darsteller:Martin Sheen, Rooney Mara, Wagner Moura, Selton Mello, Rickson Tevez, Eduardo Luis, Gabriel Weinstein
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:UK, Brasilien, 2014
Verleih:Universal Pictures Germany
Länge:117 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:11.06.2015

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 18.06.2015
Review: Trash (Kino)

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