Review: Oz – Hölle hinter Gittern – Staffel 6 (DVD)

Das Cover der sechsten Staffel von "Oz" (© Paramount Pictures Home Entertainment)

Das Cover der sechsten Staffel von “Oz” (© Paramount Pictures Home Entertainment)

Inhalt: In Emerald City herrscht der alltägliche Wahnsinn. Ryan (Dean Winters, „30 Rock“) versucht verzweifelt, mit Unterstützung von Schwester Peter Marie (Rita Moreno) und seiner Mutter Suzanne (Betty Buckley), Cyril das Leben zu retten. Tobias (Lee Tergesen) kämpft weiter an mehreren Fronten: Während er seiner Bewährung näher kommt, möchte er Chris (Christopher Meloni, „42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“) in seinem Mord-Prozess unterstützen, muss sich dabei aber weiterhin vor Schillinger (J.K. Simmons, „Der Dieb der Worte“) und seinen Leuten in Acht nehmen.

Einige gehen neue Wege. Tim (Terry Kinney) will den Häftlingen neue Möglichkeiten der Entspannung geben, Kareem (Eamon Walker) und Burr (Anthony Chisholm) suchen nach legalen Verdienst-Optionen für ihre Leute und Miguel (Kirk Acevedo, „Fringe – Grenzfälle des FBI“) hält sich weiter an den Weg des geringsten Widerstandes, um Chancen bei seiner Bewährung zu haben. Die beiden Gefängnis-Oldies Agamemnon (Tom Mardirosian) und Bob (George Morfogen) wollen der Liebe noch einmal eine Chance geben. Auch künstlerisch gibt es eine neue Herausforderung für einige Gefangene, da es bald eine Laien-Aufführung von Macbeth geben soll.

Kritik: Im Jahr 2003 ging die Gefängnis-Serie von Tom Fontana auf ihre Zielgerade. Nach einer eindrucksvollen Vorgänger-Staffel ging es darum, die Geschichten zu einem annehmbaren Ende zu führen. Es scheint, als ob die Macher gegen Ende noch einmal alles an Sozial-Kritik loswerden wollten, was ihnen auf dem Herzen liegt. Der gewohnt starke Erzähler (Harold Perrineau) bekommt einige Todes-Opfer von Oz zur Unterstützung, die über Sinn und Unsinn im amerikanischen Strafsystem debattieren und den ein oder anderen grotesken Winkelzug offenlegen. Wenig überraschend gehen Fontana und sein Team in diesen letzten Zügen wenig schonend mit ihren Charakteren um. Das führt in „Lebende Tote“ rund um die Perversitäten der Todesstrafe zu einer der besten Episoden der ganzen Serie, die auch einige Zeit später noch am Zuschauer arbeitet. Dafür wirkt das Ende einiger Geschichten ziemlich zynisch, da manche Figuren ohne jeglichen Mehrwert für die Serie geopfert werden.

Tobias träumt von der Heimat (© Paramount Pictures Home Entertainment)

Tobias träumt von der Heimat (© Paramount Pictures Home Entertainment)

Das Spiel mit Metaphorik war immer ein Teil von „Oz“ gewesen. Da passt es gut ins Bild, dass die Macher der oft shakespearisch angehauchten Serie einen Abschluss mit „Macbeth“ gönnen. Diese Vorgehensweise ist nicht zwingend subtil, aber sicherlich nett anzusehen. Wie schon in den Vorgänger-Jahren bekommen auch in dieser Abschluss-Staffel Darsteller mehr Spielzeit, die lange Zeit eher im Hintergrund gestanden haben. So gelingt es R.E. Rodgers, dessen James Robson bislang ein recht eindimensionaler Fiesling war, sich in diesen finalen Folgen sogar etwas Verständnis und Mitgefühl vom Publikum zu erspielen. Lauren Vélez („Dexter“) hat vor allem im Zusammenspiel mit Dean Winters einige starke Momente. Christopher Meloni darf in diesem letzten Jahr noch einmal all sein Charisma in den anziehend-gefährlichen Chris Keller stecken.

Im 105 Minuten langen Finale wird ein ordentlicher Ausstiegspunkt gefunden und im Prinzip fast alle offenen Fragen beantwortet. Dass einige dieser Antworten schon zu konsequent sind, hinterlässt einen leicht faden Beigeschmack. Dieser wird aber durch den aufklärerischen Wert und die Klarheit, mit der Tom Fontana auf die Missstände im amerikanischen Rechtssystem hinweist, mehr als aufgefangen. „Oz – Hölle hinter Gittern“ war eine der ersten großen Qualitäts-Serien, die HBO dem Publikum gezeigt hat. Auch wenn längst nicht immer alles perfekt war, ist diese provokante, teils beklemmende Produktion heute noch zeitgemäßer als 2003, weswegen diese verspätete Veröffentlichung hoffentlich bei einigen Zuschauer die entsprechende Wertschätzung erfährt.

Findet Vern noch den Weg der Erleuchtung? (© Paramount Pictures Home Entertainment)

Findet Vern noch den Weg der Erleuchtung? (© Paramount Pictures Home Entertainment)

Die Box ist ab dem 03.12.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Die Optik erscheint ein wenig sauberer als in Staffel 5. Immer noch sind Bildschärfe und Detaildarstellung für eine etwas ältere TV-Serie ziemlich ordentlich. Die Farben sind weiterhin angemessen blass und passen ins Gesamtkonzept. Natürlich gibt es auch hier ein paar Momente mit stärkerem Rauschen. Diese fallen aber nicht sonderlich störend auf.

3 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische Dolby Digital 2.0-Ton sind auf bekannt passabler Qualität. Die Dialoge sind sauber und zu jeder Zeit gut zu verstehen. Hintergrundgeräusche und Score sind – obwohl sie nur aus dem Frontbereich kommen – durchaus atmosphärisch abgemischt.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Auch in der Abschluss-Staffel gibt es kein Bonus-Material.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Canal de Mr. Negromante, YouTube

Oz - Hölle hinter Gittern - Staffel 6

Originaltitel:Oz - Season 6
Entwickler:Tom Fontana
Darsteller:Ernie Hudson, J.K. Simmons, Lee Tergesen, Harold Perrineau, Lauren Velez, Dean Winters, David Zayas
Genre:Drama-Serie
Produktionsland/-jahr:USA, 2002
Verleih:Paramount Pictures
Länge:8 Episoden zu je 55 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

 

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 18.12.2015
Review: Oz – Hölle hinter Gittern – Season 6 (DVD)

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