Review: Macho Man (Kino)

Das Kino-Plakat von "Macho Man" (© Universum Film)

Das Kino-Plakat von “Macho Man” (© Universum Film)

Inhalt: Werbefachmann Daniel (Christian Ulmen) ist ein netter Kerl, aber ein Schluffi der ersten Ordnung. Durch seine Eltern hat er es nie gelernt, der wilde Verführer zu sein. Dennoch entwickelt im Türkei-Urlaub die hübsche Animateurin Aylin (Aylin Tezel) Interesse an ihm. Da sie wie Daniel eigentlich in Köln lebt, soll sich sogar mehr wie ein Urlaubs-Flirt ergeben. Doch während Aylin Gefallen an dem Softie Daniel findet, wollen ihr Bruder Cem (Dar Salim, „Hijacking: Todesangst – In der Gewalt von Piraten“) und ihr Vater (Vedat Erincin, „300 Worte Deutsch“) einen härteren Kerl in der Familie. Um sich Respekt zu verschaffen, möchte Daniel den Ansprüchen gerecht werden. Er nimmt Nachhilfe bei Cem in Sache Männlichkeit.

Kritik: Unter der Regie des erfahrenen Kameramanns Christof Wahl („Hänsel und Gretel – Hexenjäger“), entstand diese Kombination von Romantik- und Culture Clash-Komödie, die auf einem gleichnamigen Bestseller basiert. Schnell wird klar, dass der Film jedes Klischee erfüllt, das deutsche Genre-Werke bei vielen Zuschauern und Kritikern so in Verruf gebracht haben. Die Charaktere sind nicht viel mehr als eindimensionale Rollen-Stereotypen. Das wird sicher nicht durch die bemüht lustigen Dialoge, die sie vortragen müssen, verbessert. Dazu kommen Gags, die zu großen Teilen schon mehrmals wieder aufgewärmt worden sind und selbst in Originalzustand nicht besonders gezündet haben. Selbstmotivations-Ansprachen vor dem Spiegel und eine (krampfhaft herbeigeführte) Nazi-Streitigkeit mit einem Engländer sind schon frühe Tiefpunkte im Geschehen. Stellenweise kommen dann auch noch Comic-Soundeffekte (!!!) zum Einsatz, die den Film an die Schwelle zur Peinlichkeit bringen.

Aylin und Daniel im Schatten des Kölner Doms (©Universum Film)

Aylin und Daniel im Schatten des Kölner Doms (©Universum Film)

In Köln werden einige bekannte Locations als Motive gewählt, die zumindest für den ein oder anderen Schauwert sorgen. Beim Aufeinandertreffen mit den Eltern von Aylin werden hemmungslos alle bekannten Register aus Beziehungs- und Kulturkiste gezogen, die mit der zu herzlichen Begrüßung eines „falschen“ Vaters angemessen ideenlos eröffnet werden. Dabei bleibt der Humor immer brav und bieder, um scheinbar niemandem auf die Füße zu treten. In Daniels Werbeagentur wird die Situation ebenfalls nicht amüsanter, wenn andere wandelnde Klischees wie die Figuren von Axel Stein (der „Unter dem Pantoffel-Stehende“) und Samuel Finzi (der mit Anglizismen werfende Kotzbrocken) der Geschichte betreten. Darstellerisch ist natürlich nicht viel aus dem Geschehen herauszuholen. Christian Ulmen spielt grundsätzlich eine Paraderolle. Ihm werden hier aber so viele missglückte Zeilen und kaum erträgliche Momente zugemutet, dass es fast unmöglich ist, auch nur ansatzweise zu überzeugen. Vor allem die lachhaft unglaubwürdige Wandlung seiner Figur sei hier als besonders warnendes Beispiel genannt. Zumindest besteht zwischen ihm und Aylin Tezel stellenweise so etwas wie Chemie.

Tezel hat aber auch keine Gelegenheit, ihrer Holzschnitt-Figur einer emanzipierten Deutsch-Türkin wirklich viele Aspekte hinzuzufügen. Gleiches gilt auch für Dar Salim, der als Cem dem neuen Familienmitglied Nachhilfe in Sachen Männlichkeit gibt. Die einzigen Darsteller, die ein paar (halbwegs) gelungene Gags für sich verbuchen können, sind Gitta Schweighöfer und Peter Prager. Als (Möchtegern-)weltoffene Alt-68er gönnen sich die beiden ein paar nette Fettnäpfchen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Cameos (zB Lukas Podolski), die zwar recht sinnlos aber dennoch recht spaßig sind.

Am Ende des Tages lässt „Macho Man“ kaum eine Schwäche aus. Erschreckend öde Charaktere, bieder-altbackener Humor und gekünstelte Dialoge sind dabei schon auf den ersten Blick erkennbar. Ein Schweiger-kompatibler Retorten-Pop-Soundtrack, die erwähnten Soundeffekte und die greifbare aber vollends gescheiterte Bemühung, Charme ins Geschehen zu bringen, sind nur schwer erträglich. So bleibt ein fast auf allen Ebenen gescheiterter Film.

1,5 von 5 Punkten


Quelle: Universum Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Macho Man

Originaltitel:Macho Man
Regie:Christof Wahl
Schauspieler:Christian Ulmen, Aylin Tezel, Dar Salim, Axel Stein
Genre:Komödie, Liebesfilm
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2015
Kinostart:22.10.2015
Verleih:Universum Film
Länge:98 Minuten
FSK:ab 6 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.10.2015
Review: Macho Man (Kino)

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