Review: Unter Beobachtung (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Unter Beobachtung" (Quelle: Universal Pictures)

Das Blu-ray-Cover von “Unter Beobachtung” (Quelle: Universal Pictures)

Inhalt: Auf einem Bauernmarkt mitten in London explodiert eine Autobombe, die 120 Menschen in den Tod reißt. Mit Farroukh Erdogan (Denis Moschitto, „Chiko“) wird schnell ein Verdächtiger gefunden, verhaftet und angeklagt. Erst ein halbes Jahr später bekommt der Anwalt Martin Rose (Eric Bana, „Lone Survivor“) diesen Fall übertragen, nachdem sich sein Vorgänger umgebracht hat. Neben dem öffentlichen Prozess, der recht pressewirksam vermarktet wird, findet noch ein zweiter Teil der Verhandlung hinter verschlossenen Türen statt.

Hier werden sensible Informationen rund um den Anschlag ausgetauscht, weswegen Martin und Erdogan von diesem Teil der Veranstaltung ausgeschlossen werden. Claudia Simmons-Howe (Rebecca Hall, „Yorkshire Killer 1974“) soll sich hier um die Belange des Angeklagten kümmern, darf aber weder mit Martin noch mit Erdogan über die Ereignisse sprechen. Da beiden Juristen langsam aufgeht, dass etwas mit dem Fall nicht stimmt, tauschen sie sich heimlich aus und stoßen auf neue Hintergründe, die sie schon bald in Gefahr bringen.

Kritik: Der begabte britische Regisseur John Crowley („Boy A“) hat diesen Polit-Thriller inszeniert, für den der aktuell auch als Filmemacher aktive Steven Knight („No Turning Back“) das Drehbuch geschrieben hat. Nach einem verspielten Beginn schlägt der Film zunächst ruhige Töne an und baut nach und nach erst die Spannung auf. Zu diesem Zeitpunkt werden geschickt kleine Puzzle-Teilchen offenbart, die ein immer größer werdendes Bild enthüllen. Die Paranoia, die vom allgegenwärtigen Gegenspieler ausgelöst wird, ist dabei wohl der größte Antrieb, den „Unter Beobachtung“ hat.

Mit dem Verlauf stellt sich aber immer mehr heraus, dass die Geschichte doch nicht so clever und intelligent ist, wie sie gerne sein möchte. Der Unterhaltungswert bleibt ungebrochen, aber die Story mit einer Vielzahl von halbgar eingeführten Charakteren gerät immer wieder ein wenig ins Stocken. Der Film bleibt ein ordentlicher Thriller, der mit einer Verschwörung rund um einen Terroranschlag natürlich auch über eine kraftvolle Thematik verfügt. Im Finale zerstören sich Knight und Crowley aber noch einmal viel vom bis dahin aufgebauten und machen es sich viel zu einfach. Wie viele Fragen hier unbeantwortet bleiben, dürfte wahrscheinlich jeden Zuschauer enttäuschen.

Bunter Cast in undurchsichtigem Treiben

Martin uns sein Kollege bei einer Vernehmung (Quelle: Universal Pictures)

Martin uns sein Kollege bei einer Vernehmung (Quelle: Universal Pictures)

Gerade da Steven Knight schon einmal als Drehbuchautor von „Dirty Pretty Things“ eine Oscar-Nominierung einstreichen konnte, waren wohl einige Schauspieler sehr wohlwollend gegenüber den Skript-Schwächen. Darstellerisch wie optisch überzeugt der Film auch auf fast kompletter Strecke. Eric Bana spielt als leicht zynischer Anwalt, der einen Blick hinter Kulissen wirft, die er nicht hätte sehen dürfen, einen ihm auf den Leib geschneiderten Part. Außerdem harmoniert er sehr gut mit der wie immer überzeugenden Rebecca Hall, die eine etwas unterkühlte, aber sympathische Rolle spielt. Allerdings überschlagen sich beide Figuren nicht unbedingt vor Vielschichtigkeit.

Der Kölner Schauspieler Denis Moschitto zeigt hier als stiller, drogenabhängiger Terror-Verdächtiger, dass er auch auf internationalem Parkett gut mithalten kann. Der aufstrebende Riz Ahmed, der aktuell mit „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ im Kino zu sehen ist, liefert sich als ehrgeiziger MI5-Agent mit Rebecca Hall ein paar nette Szenen. Mit Ciaran Hinds („Die Frau in Schwarz“) und vor allem Jim Broadbent („Drecksau“) sind darüber hinaus noch zwei echt Routiniers des britischen Kinos zu sehen. Julia Stiles („Dexter“) als investigative Journalistin bekommt zu wenig Raum, um ihre Qualitäten auszuspielen.

Am Ende ist „Unter Beobachtung“ ein Film, der die meisten Zuschauer etwas ratlos zurücklässt: Hier erzählen sicherlich gute Handwerker einen grundsoliden und spannenden Thriller, der zwar nicht allzu tiefschürfend ist, dieses aber auch nicht unbedingt benötigt hätte, um zu funktionieren. Den Schluss fahren die Macher komplett vor die Wand, da er in seiner Einfachheit die Zuschauer nicht nur mit offenen Fragen zurücklässt, sondern auch einfache Lösungsansätze vollkommen außer Acht lässt. Ein wenig mehr Zeit beim Schreiben des Drehbuchs hätte hier sicherlich Wunder bewirkt. So enttäuscht der Film am Ende trotz guter Ansätze.

Claudia weiß nicht mehr, wem sie trauen soll (Quelle: Universal Pictures)

Claudia weiß nicht mehr, wem sie trauen soll (Quelle: Universal Pictures)

Der Film ist ab dem 18.12.2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

2,5 von 5 Punkten

 

Bild: Die Thriller-Thematik ist in angemessen tristen, kühlen Farben gehalten. Vor allem die Hauttöne sind immer sehr natürlich. Die Aufnahmen sind durchgängig recht scharf. Die Darstellung der Details ist vor allem bei den Nahaufnahmen klasse. Bei den Panorama-Bildern überzeugt die Blu-ray auch meistens, zeigt aber vereinzelte Schwächen. Die Kontraste sind gut eingestellt und am Schwarzwert gibt es nichts zu bemängeln. Hier und da taucht ein merkwürdiges Bildrauschen auf, was nicht ganz zu erklären ist. Ansonsten gibt es aber keine auffälligen Bildfehler.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Die englische Tonspur liegt in einer verlustlosen DTS-HD MA 5.1-Fassung vor. Die Zuschauer der deutschen Synchronisation müssen sich mit einer etwas schwächeren DTS 5.1-Vertonung begnügen. Die Dialoge sind immer gut zu verstehen und sauber in die Tonmischung eingearbeitet. Der Klang ist immer sehr natürlich. Atmosphäre und Score verfügen über eine solide Dynamik und werden ganz gut auf die Boxen verteilt. Allerdings sind beide Fassungen etwas frontlastig. Große Effekte gibt es nicht zu bestaunen. Insgesamt eine fehlerlose, aber unspektakuläre Soundpräsentation.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Das Featurette „Geheimnisse hinter der Kamera“ (4 Minuten) ist das einzige Extra der Blu-ray.

1,5 von 5 Punkten

Gesamt: 2,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, YouTube

Unter Beobachtung

Originaltitel:Closed Circuit
Regie:John Crowley
Darsteller:Eric Bana, Rebecca Hall, Ciarán Hinds, Jim Broadbent
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:UK/USA, 2013
Verleih:Universal Pictures
Länge:92 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.12.2014
Unter Beobachtung (Blu-ray)

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