Review: Parallel (Film Festival Cologne)

Das Plakat von "Parallel" (© JPL Productions, 2026)

Das Plakat von “Parallel” (© JPL Productions, 2026)

Inhalt: Der junge Moshe (Shadi Eck) lebt alleine mit seiner Mutter (Jeanette Hain) in einer Hochhaus-Wohnung und träumt davon, Schauspieler zu werden. Seinen Job als Kellner verliert er, als er eine Bestellung gründlich versaut. Der eigentliche Kunde, der Neuköllner Clanchef Khalil (Kida Khodr Ramadan), hat deshalb ein derart schlechtes Gewissen, dass er Moshe unter seine Fittiche nimmt. Schon bald ist der Jugendliche begeistert von Loyalität und Respekt, die er als Teil der Gang erfährt. Während seine Freundin (Clara Vogt) und seine Mutter mit Entsetzen die Veränderungen in seinem Verhalten wahrnehmen, stürzt sich Moshe immer tiefer in die Berliner Unterwelt.

 

Kritik: Seit rund 20 Jahren ist Kida Khodr Ramadan ein bekanntes Gesicht in der deutschen TV- und Kinowelt. Spätestens mit seiner Rolle als charismatischer Gangsterboss Toni Hamady in der Hit-Serie „4 Blocks“ hat er sich ins oberste Regal der einheimischen Schauspielriege gespielt. Aber auch hinter der Kamera ist Ramadan seit einigen Jahren aktiv. In „Parallel“ hat der die autobiografische Geschichte um eine private Bekanntschaft mit einem jungen Schauspieler genommen und diese ins Gangsterumfeld verlegt. In gerade einmal 13 Drehtagen, die zum Teil aus Guerilla-Drehs bestanden, hat er eine Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Milieustudie gedreht, die vor allem durch ihre Authentizität besticht. Auch die Schnittbilder, die Ramadan laut eigener Aussage teils aus den Musikvideos befreundeter Rapper entnommen hat, tragen ihren Teil zu einem runden Bild bei. Ohne großen Anlauf springt „Parallel“ direkt in das Aufeinandertreffen zwischen Moshe und Khalil, deren Beziehung natürlich zum Herzstück der Geschichte wird.

 

Khalil wäscht Mosche den Kopf (© JPL Productions, 2026)

Khalil wäscht Mosche den Kopf (© JPL Productions, 2026)

Der vom Regisseur als Vorbild genannte Mathieu Kassovitz („Hass – La Haine“) wird hier tatsächlich an mehreren Stellen spürbar. Mit ruhiger Hand und gutem Blick fürs Wesentliche folgt der Film der Abwärtsspirale, auf die sich der zurückhaltend-freundliche Moshe begibt. Da hier dem Zuschauer auch zugetraut wird, sich die Charakterentwicklung anhand der Reaktionen aus dem familiären Umfeld teils selbst zu erschließen, trägt ihren Teil zu angenehm schlankem Storytelling bei. Glaubwürdige Dialoge und Figuren sind die wahrscheinlich größte Stärke von „Parallel“. Dabei verdient sich Shadi Eck ein Sonderlob, der die Facetten vom lieben Kerl bis zum einschüchternden Straßenjungen glaubwürdig verkörpert. Kida Khodr Ramadan darf als charismatischer Gangster, dessen Gnadenlosigkeit nur vereinzelt hervorblitzt, eine Paraderolle spielen. Aber auch die weitere Besetzung um Clara Vogt und Jeanette Hein überzeugt auf ganzer Linie.

Leider gibt „Parallel“ im Schlussdrittel seine Geradlinigkeit auf und schlägt einen fast surrealen Ton an. Das nimmt dem letzten Akt (trotz eines schönen „La Haine“-Zitats) einen ganzen Teil der vorher vorhandenen Wucht und wirkt fast ein bisschen ziellos. Dennoch bleibt „Parallel“ mit all seinen genannten Stärken ein Positivbeispiel, wie man Genre- und Arthaus-Kino gelungen mischen kann.

3,5 von 5 Punkten

Der Film feierte am 02.11.2026 Weltpremiere auf dem Film Festival Cologne.


Quelle: Film Festival Cologne, YouTube

Parallel

Originaltitel:Parallel
Regie:Kida Khodr Ramadan
Darsteller:Shadi Eck, Kida Khodr Ramadan, Jeanette Hain
Genre:Drama, Thriller
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2026
Produktion:JPJ Filmproductions
Länge:80 Minuten
FSK:tba

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Film Festival Cologne

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.11.2026
Review: Parallel (Film Festival Cologne)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir setzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“) ein. Google verwendet Cookies. Wir setzen Google Analytics nur mit aktivierter IP-Anonymisierung ein.  Mehr Informationen zur Verwendung von Google Analytics finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Diese pseudonymisiert erhobenen Daten helfen uns, ein besser auf das Leser-Interesse abgestimmtes Programm anzubieten. Hier klicken um dich auszutragen.