Review: State of Play – Mord auf Seite eins (DVD)

Das DVD-Cover von "State of Play - Mord auf Seite eins" (© Polyband)

Das DVD-Cover von “State of Play – Mord auf Seite eins” (© Polyband)

Inhalt: Die junge Sonia (Shauna Macdonald, „Howl“) stirbt auf den Schienen der Londoner U-Bahn. Sie hatte mit dem ambitionierten, verheirateten Politiker Stephen Collins (David Morrissey, „The Missing“) eine Affäre, für den eine Welt zusammenbricht. Cal McCaffrey (John Simm, „Doctor Who“), Vollblut-Journalist und enger Freund von Collins, ist sich – im Gegensatz zur Polizei – sicher, dass die Frau keinen Selbstmord begangenen hat. Gemeinsam mit seinen Kollegen Della (Kelly Macdonald, „T2 – Trainspotting“), Cameron (Bill Nighy, „The Limehouse Golem“) und Dan (James McAvoy, „Drecksau“) beginnt er, zu recherchieren. Schnell stößt die Truppe auf eine äußerst gefährliche Verschwörung, die ihre Kreis durch Politik und Wirtschaft zieht.

Kritik: Im Jahr 2009 veröffentlichte der Oscar-Gewinner Kevin Macdonald den Politthriller „State of Play – Stand der Dinge“, der mit einem All-Star-Cast um Russell Crowe, Ben Affleck und Helen Mirren auftrumpfen konnte. Dabei weiß aber längst nicht jeder, dass der Film ein Remake der britischen Mini-Serie „State of Play – Mord auf Seite eins“ ist, die schon sechs Jahre zuvor ein Liebling auf europäischen Preisverleihungen war. Geschrieben von Paul Abbott, der in den letzten Jahren mit der Hit-Serie „Shameless“ große Erfolge feiern konnte, und inszeniert von David Yates, der vor allem wegen seiner „Harry Potter“-Filme inzwischen internationale Bekanntheit genießt, entstand dieser Sechsteiler. Schon in der ersten Szene, in der der Zuschauer Zeuge eines Mordes an einem Teenager wird, bekommt der Zuschauer einen guten Vorgeschmack auf die folgenden 300 Minuten.

Abbott und Yates gelingt es hier in Perfektion, inhaltlichen und erzählerischen Anspruch mit hohem Tempo und einem Gespür für Unterhaltungswert zu liefern. „Mord auf Seite eins“ erreicht eine atmosphärische Dichte, an die die Spielfilm-Variante trotz vorhandener Klasse nie herankommt. Schritt für Schritt wird das rätselnde Publikum mit den Journalisten näher an die Lösung gebracht. Die konstante Hochspannung, die ein ständiger Begleiter ist, dürfte die Serie in heutiger Zeit wohl zu einem sicheren Binge-Watch-Kandidaten machen. Der kluge und relevante Politthriller funktioniert aber auch so makellos, weil er zeitgleich ein großartiges Charakterstück ist. Hier zeigt sich wieder, wie viele Qualitätsschauspieler im britischen Fernsehen zu sehen sind.

Das Verhältnis von Stephen und Cal wird merklich komplizierter (© BBC/Polyband)

Das Verhältnis von Stephen und Cal wird merklich komplizierter (© BBC/Polyband)

John Simm hat diesen Heimathafen bis heute nicht verlassen, sich aber dennoch einen beachtlichen Ruf erarbeitet – nicht zuletzt als „Master“ in „Doctor Who“. Hier spielt er den etwas selbstverliebten, aber geradlinigen und kompromisslosen Cal und hält dabei die komplexen Fäden der Geschichte zusammen, was ihm gar nicht hoch genug angerechnet werden kann. David Morrissey gelingt es beeindruckend gut, dem untreuen, nicht immer vertrauenswürdigen Politiker Stephen aufrichtige Menschlichkeit und Aufrichtigkeit zu verleihen.

Die im Vergleich zur Film-Adaption ohnehin weit interessanter angelegte Della, die hier eine clevere, selbstständige und durchsetzungsfähige Journalistin ist, fordert eine Kelly Macdonald in Höchstform – was diese scheinbar mühelos abruft. Bill Nighy ist als sarkastisch-charmanter Chefredakteur Cameron, der zwischen politischen Entscheidungen und seinem Gewissen abwägen muss, könnte nicht besser sein. Ein blutjunger James McAvoy deutet als einfallsreicher, aber unberechenbarer Dan das Potenzial für die folgende Karriere an. Auch Polly Walker („Kampf der Titanen“), die als Noch-Ehefrau von Collins zwischen den Stühlen sitzt, fügt sich nahtlos in den herausragenden Cast ein. Dazu kommen noch – durchweg ebenfalls starke – Nebendarsteller wie Benedict Wong („Marco Polo“), Marc Warren und Tom Burke („Krieg und Frieden“).

„State of Play – Mord auf Seite eins“ ist britisches Fernsehen, wie es nicht besser sein könnte. Klug strukturiert, spannend, durchdacht, tragisch, zeitgemäß, mit einer Prise Humor und brillanten Darstellern, muss dieser 16 Jahre alte Thriller heute schon als TV-Klassiker bezeichnet werden.

Cameron muss zwischen Karriere und Gewissen entscheiden (© BBC/Polyband)

Cameron muss zwischen Karriere und Gewissen entscheiden (© BBC/Polyband)

Die Box ist ab dem 22.02.2019 auf DVD erhältlich.

5 von 5 Punkten

 

Bild: Wenn die Aufnahmen gut beleuchtet sind, sind Schärfe und Detaildarstellung komplett im Soll. Bei (Halb-)Totalen – speziell im Dunklen – wird das Bild extrem verrauscht und die Details wirken ebenso vermatscht wie die Farben. Hier bleibt die Serie sprunghaft und streut zwischen (zumeist) soliden Bildern einige wirklich schwache Aufnahmen ein.

3 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische Dolby Digital 2.0- Ton sind auch eher für Minimalisten gemacht worden. Dabei ist die meist recht satt klingende Synchronfassung tatsächlich der stellenweise fast blechern klingenden Originalversion vorzuziehen. So sind Dialoge und Hintergrundgeräusche in der deutschen Variante gut abgemischt – bei der englischen Fassung reicht der Klang zumindest aus, um immer verständlich zu bleiben.

2,5 von 5 Punkten

Extras: Bonusmaterial liegt nicht bei.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: BBC America, Polyband, YouTube

State of Play - Mord auf Seite eins

Originaltitel:State of Play
Showrunner:Paul Abbott
Darsteller:John Simm, David Morrissey, Bill Nighy, Kelly Macdonald, James McAvoy
Genre:Mini-Serie, Thriller
Produktionsland/-jahr:UK, 2003
Verleih:Polyband
Länge:6 x 50 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Polyband

 

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 20.02.2019
Review: State of Play – Mord auf Seite eins (DVD)

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