Review: Battle Royale 2 (Mediabook)

Das Mediabook von "Battle Royale 2" (© Capelight Pictures)

Das Mediabook von „Battle Royale 2“ (© Capelight Pictures)

Inhalt: Drei Jahre sind vergangen, seitdem Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) und Noriko Nakagawa (Aki Maeda) eine der ersten Ausführungen des „Battle Royale“ überlebt haben. Gemeinsam mit anderen Überlebenden haben sie die „Wild Seven“ gegründet – eine Gruppe, die mit radikalen Mitteln gegen die Existenz des unmenschlichen Wettbewerbs vorgeht. Die verärgerte Regierung will mit dem neuen „BR II“ gegen die Gruppierung vorgehen. Deshalb wird eine Schulklasse um Shiori Kitano (Ai Maeda), die Tochter von Lehrer Kitano (Takeshi Kitano, „Ghost In The Shell“), mit explosiven Halsbändern gezwungen, Jagd auf die „Terroristen“ zu machen. Während es schnell die ersten Todesopfer gibt, versucht Shuya, die Angreifer für die richtige Seite einzunehmen.

 

Kritik: Im Jahr 2000 veröffentlichte die japanische Regie-Ikone Kinji Fukasaku die bitterböse, blutige Zukunftsvision „Battle Royale – Nur einer kann überleben“. Der ultrabrutale, verstörende, tragische Film zeichnete ein bitteres, teils ironisches Gesellschaftsbild und wurde zum Kultklassiker, der zahllose andere Werke (angefangen bei „Die Tribute von Panem“ inspirierte). Drei Jahre später legte der Regisseur dann gemeinsam mit seinem Sohn Kenta die Fortsetzung nach, die hier in der Kino-Version („Requiem“) und im Director’s Cut („Revenge“) zu sehen ist. Wie so oft bei Überraschungs-Hits entpuppt sich diese Fortsetzung als Enttäuschung auf fast ganzer Linie.

 

Shuya und seine "Wild Seven" wehren sich (© Capelight Pictures)

Shuya und seine „Wild Seven“ wehren sich (© Capelight Pictures)

Der Versuch, auf allen Ebenen quantitativ zuzulegen, sorgt dafür, dass emotionale Momente, Ansätze von Identifikationspotenzial und jegliche Art von Subtext und Cleverness auf dem Weg bleibt. Merkwürdige inhaltliche Entscheidungen und klaffende Logiklücken bewegen den Film an manchen Stellen in den Bereich unfreiwilliger Komik. Gewalt und Blut werden hier im Überfluss gezeigt, wodurch die Darstellung schnell abstumpft und zum reinen Selbstzweck wird. Die Actionsequenzen und Schießereien sind passabel inszeniert, werden aber in ihrer Masse ebenfalls bald redundant. Wenn es einmal etwas ruhiger zugeht, funktioniert der Film in keinster Weise besser. Tatsuya Fujiwara und Ai Maeda spielen die einzigen interessanten Figuren und liefern darstellerisch die deutlich ordentlichsten Leistungen.

Ansonsten gibt es albernes Overacting, das die pseudophilosophischen Dialoge gepaart mit der allgegenwärtigen Melodramatik und einer nicht enden wollenden Spielzeit von 133 Minuten (der Kinofassung) an die Grenze des Erträglichen bringt. Wer die Hoffnung hat, in der „Revenge“-Variante mehr Tiefe zu bekommen, wird auch hier enttäuscht. Die zusätzlichen 19 Minuten werden unter anderem dafür genutzt, bizarre Rückblenden einzustreuen, um Beziehungen zwischen den Figuren mehr Substanz zu verleihen. Das sorgt aber mangels Substanz nur für weiteres uninspiriertes Füllmaterial, was dem ohnehin chaotischen Film mehr schadet als nützt.

Egal, ob es jetzt der „Requiem“- oder der erstmals in deutscher Sprache veröffentlichte (noch weniger erfreuliche) „Revenge“-Cut ist: „Battle Royale 2“ ist das Musterbeispiel einer überflüssigen Fortsetzung. Die Macher scheinen nicht verstanden zu haben, was den ersten Film so stark gemacht hat. In ausufernder Spielzeit bekommen die Zuschauer eine selten sinnvolle Mischung von repetitiven Action- und Gewalteskapaden, um Tiefgang bemühtem Geschwätz und Melodramatik geliefert, bei der nur die zwei Hauptdarsteller einen konstant ordentlichen Eindruck hinterlassen.

Shiori und ihr Vater hatten ein sehr schwieriges Verhältnis (© Capelight Pictures)

Shiori und ihr Vater hatten ein sehr schwieriges Verhältnis (© Capelight Pictures)

Der Film ist ab dem 13.12.2019 im 3-Disc-Mediabook, als 2-Disc DVD und 3-Disc Blu-ray SteelBook erhältlich.

Wertung „Requiem“: 2 von 5 Punkten

Wertung „Revenge“: 1,5 von 5 Punkten

 

Bild: Optisch ist „Battle Royale 2“ in beiden Fassungen ein wenig schwankend. Eine leichte Körnung ist eigentlich immer vorhanden, was absolut zum Film passt. Diese wird an manchen Stellen aber schon zu kräftig. Schärfe und Detaildarstellung sind über große Phasen ordentlich, bauen aber in einigen weich gezeichneten Szenen und in Momenten mit schwacher Beleuchtung merklich ab. Die Farbgebung ist insgesamt problemlos. Kontrasteinstellungen und Schwarzwert sind nicht immer ideal, fallen aber nicht sonderlich störend ins Gewicht.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der japanische DTS-HD MA 5.1-Ton liefern gute Action-Kost. Selbst wenn die zahllosen Schießereien und Explosionen wohl etwas zusätzliche Präzision und Wucht vertragen hätten, gibt es hier reichlich räumliche Aktivität und ordentliche Bässe. Die Dialoge sind gut priorisiert und problemlos verständlich. Musik und Hintergrundgeräusche sorgen manchmal auch noch für räumliche Aktivität. Für einen 16 Jahre alten Film ein insgesamt schönes Ergebnis.

4 von 5 Punkten


Extras: Die gewohnt stabile Hülle wird von einem angemessen minimalistischen Cover geziert. Im 24-Seiten-Booklet befinden sich dieses Mal Texte von der Kuratorin und studierten Japanologin Robyn Kerkhof. Auf der Bonusdisc befindet sich ein fünfteiliges „Behind the Scenes of Battle Royale II“ (insgesamt 61 Minuten), eine bislang unveröffentlichte Dokumentation (82 Minuten), die Beiträge „In Gedenken an Kinji Fukasaku“ (4 Minuten), „Die Gala und das Orchester“ (18 Minuten), „Ansprache zu Kinji Fukasakus Geburtstag“ (15 Minuten) und „Die Premiere“ (13 Minuten) sowie einige TV-Spots und Trailer.

4,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: Capelight Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

BATTLE ROYALE II Requiem / Revenge

Originaltitel:Batoru rowaiaru II: Chinkonka
Regie:Kenta Fukasaku, Kinji Fukasaku
Darsteller:Tatsuya Fujiwara, Ai Maeda, Shûgo Oshinari
Genre:Action, Science Fiction
Produktionsland/-jahr:Japan, 2003
Verleih:Capelight Pictures
Länge:Requiem: 133 Minuten
Revenge: 152 Minuten
FSK:ab 18 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Capelight Pictures https://www.capelight.de/battle-royale-2

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 13.12.2019
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