Kino

Review: Under the Silver Lake (Kino)

Das Plakat von “Under The Silver Lake” (© Weltkino)

Inhalt: Der arbeitslose Sam (Andrew Garfield, „Solange ich atme“) ist zwar schon in seinen Dreißigern, hat mit dem Leben als Erwachsener aber bislang wenig zu tun. Deswegen ist er kurz davor, aus seiner kleinen Wohnung in einem heruntergekommen Apartment-Komplex zu fliegen. Als er eines Tages die schöne Sarah (Riley Keough, „It Comes at Night“) am Pool der kleinen Siedlung entdeckt, ist es sofort um ihn geschehen. Tatsächlich traut er sich, die Frau anzusprechen und verbringt sogar einen schönen Abend mit ihr. Als er sie am nächsten Tag wieder sehen will, steht Sarahs Wohnung plötzlich leer. Vollkommen frustriert macht er sich auf die Suche nach seiner Zufallsbekanntschaft und entdeckt quer über Los Angeles verteilt Hinweise und Muster, die mit ihr in Verbindung zu stehen scheinen. Er ist sich sicher, dass er einer groß angelegten Verschwörung auf der Spur ist.

 

Kritik: Mit seinem zweiten Spielfilm „It Follows“ gelang dem Autor und Regisseur David Robert Mitchell im Jahr 2014 ein waschechter Überraschungserfolg. Die Geschichte um einen tödlichen Fluch, der beim Sex übertragen wird, entpuppte sich als stylisch-gruselig-unterhaltsame Abwechslung zum Genre-Einheitsbrei. Da der Film zusätzlich sein Budget vervielfachte, durfte sich Mitchell nun mit einem deutlich höheren Budget (laut imdb-Seite etwa 8,5 Millionen US-Dollar) austoben und seine eigene Mystery-Odyssee durch Los Angeles entwickeln. Wer hier auch nur ansatzweise auf ein kohärente Geschichte hofft, wird sehr schnell eines Besseren belehrt. „Under the Silver Lake“ ist ein Trip ins Surreale, der irgendwo zwischen David Lynchs „Mulholland Drive“ und Shane Blacks „The Nice Guys“ landen möchte. Der stylische Look und die gelungene Musik sorgen dafür, dass sich der Film beständig auf eine leicht eigenartige Neo-Noir-Atmosphäre verlassen kann.

Sam ist von Sarah begeistert (© Weltkino)

Inhaltlich funktioniert das Werk aber nur sehr bedingt. Mitchell hat merklich einige gute Ideen, die er in der Handlung unterbringt. So dürfte der Umgang von Sam mit ein paar kleinen Vandalen von einigen Zuschauern Szenenapplaus ernten. Immer wieder gelingt es, optisch anspruchsvolle oder originelle Einzelmomente zu zeigen, die das hohe Potenzial des Films andeuten. Leider fügt sich das nicht zu einer packenden, faszinierenden, oder interessanten Gesamtgeschichte zusammen. Immer wieder greift „Under the Silver Lake“ neue Handlungspunkte auf, versucht diese für eine Pointe – oder zumindest einen netten Moment – zu verwerten und lässt die Storyline dann wieder fallen. Bei dem ziemlich plätschernden Erzähltempo sorgt das dafür, dass die Zuschauer abseits des schicken Looks eher geduldig sein sollten. Auch wenn Mitchell vereinzelt an das Niveau der bekannten Kollegen heranreicht, macht „Under the Silver Lake“ häufig genug den Eindruck, einfach nur sonderbar zu sein, um sonderbar zu sein.

Sam sucht Hilfe (© Weltkino)

Hauptfigur Sam ist eigentlich ein schräger, mäßig sympathischer Loser. Dank der schauspielerischen Qualitäten von Andrew Garfield funktioniert die Figur noch einigermaßen. An seiner Seite gibt es kaum jemanden, der auf eine wirklich erwähnenswerte Leinwand-Zeit kommt. Riley Keough ist als sexy-charmante Sarah das Objekt der Begierde. Die gemeinsame Zeit von ihr mit Sam ist aber nicht speziell genug, um wirklich wie ein sinnvoller Startschuss zu einem solchen Trip zu wirken. Topher Grace („BlacKkKlansman“) darf im Hipster-Look hier und da als bester Kumpel des Protagonisten auftauchen. Jimmi Simpson („White House Down“) und Patrick Fischler („The Pact 2“) sollen als Sonderlinge die Hauptfigur auf den richtigen (?) Weg führen. Dazu sind Grace Van Patten („The Wilde Wedding“), Callie Hernandez („La La Land“) und einige weitere Darstellerinnen dazu bestimmt, den – ohnehin schon wirren – Kopf von Sam weiter zu verdrehen.

Es wäre nicht richtig, den ambitionierten dritten Film von David Robert Mitchell in seiner Gänze zu verdammen. Er zeigt hier erneut sein optisches und akustisches Stil-Bewusstsein und kann gleich mehrfach ein paar wirklich gelungene Sequenzen einstreuen. Dennoch bleibt das Gesamtwerk unbefriedigend. So driftet „Under the Silver Lake“ in vielen Phasen – noch zielloser als seine Hauptfigur – vor sich hin und steht stellenweise kurz davor, in den Leerlauf zu schalten. Am Ende bleibt ein handwerklich hübscher, aber etwas holpriger Trip, der nur teilweise seine hohen Erwartungen erfüllt.

3 von 5 Punkten


Quelle: Weltkino, LeinwandreporterTV, YouTube

Under The Silver Lake

Originaltitel:Under The Silver Lake
Regie:David Robert Mitchell
Darsteller:Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace
Genre:Thriller, Satire
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Weltkino
Länge:139 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:06.12.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Weltkino

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.12.2018
Review: Under the Silver Lake (Kino)

Thomas

"Alle bleiben cool! DU - bleib cool!" (Seth Gecko,"From dusk till dawn")

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