Review: Ein Fremder ohne Namen (2-Disc Limited Collector’s Edition)

Das Mediabook zu "Ein Fremder ohne Namen" (© Capelight Pictures)

Das Mediabook zu “Ein Fremder ohne Namen” (© Capelight Pictures)

Inhalt: Als ein wortkarger Mann (Clint Eastwood, „Sully“) in die Kleinstadt Lago kommt, sind die meisten Anwohner zunächst argwöhnisch. Dann erschießt er in einem handfesten Streit gleich drei gefürchtete Gangster. Die Einwohner fürchten sich aktuell, da der frisch aus der Haft entlassene und von Rachsucht gegen die Bevölkerung von Lago getriebene Bandenchef Stacy (Geoffrey Lewis) seine Rückkehr angekündigt hat. So bitten sie den Neuankömmling, sie für den Kampf gegen den Feind auszubilden und dabei zu helfen, diesen in die Flucht zu schlagen. Tatsächlich lässt sich der Neuankömmling überreden, seine Dienste der Stadt zur Verfügung zu stellen. Dafür verlangt er aber eine fürstliche Vergütung. Während die Furcht sinkt und der Frust über die hohen Ansprüche des Pistolenhelds steigt, stellt sich heraus, dass die Gesamtsituation nicht so gradlinig ist, wie es den Anschein hatte.

Kritik: Auch wenn über die eine oder andere politische Äußerung von Clint Eastwood sicherlich diskutiert werden kann, gehört er doch zweifelsohne zu den ganz großen Persönlichkeiten Hollywoods. Nachdem er 1964 mit „Für eine Handvoll Dollar“ bekannt wurde, war er für Jahre das Sinnbild des wortkargen Rächers in Italo-Western. Nach seinem erfolgreichen Regie-Debüt „Sadistico“ war „Ein Fremder ohne Namen“ 1973 der zweite Film, bei dem Eastwood sowohl vor, als auch hinter der Kamera aktiv war. Obwohl der Film es nicht schaffte, zum Klassiker zu werden, ist er doch als Frühwerk des Weltstars durchaus beachtlich. Vor allem die Gewalteskapaden (Vergewaltigung, Totschlag mit einer Peitsche) sorgten für einen durchaus kontroversen Ruf des Films. Rein filmisch ist die Einleitung der Geschichte großartig. Mit schicken Landschaftsaufnahmen, bohrenden Blicken der Dorfbewohner und einem tiefenentspannten Eastwood in der Mitte etabliert der Film schnell seine Atmosphäre.

Der Fremde übernimmt in Lago das Heft des Handelns (© Capelight Pictures)

Der Fremde übernimmt in Lago das Heft des Handelns (© Capelight Pictures)

In dieser Frühphase muss sich das Werk nicht einmal hinter einem Klassiker wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ verstecken. Nachdem der Protagonist erstmals Gebrauch von seinem Revolver gemacht hat, tritt „Ein Fremder ohne Namen“ leider etwas auf die qualitative Bremse. So wirken die Situationen, in denen der namenlose Held mit seinen Forderungen die Bevölkerung reizt, doch ein wenig albern. Auch die eher hölzernen Dialoge sind hier nicht wirklich hilfreich. Wer ein hohes Maß an politischer Korrektheit erwartet, wird mit der eher beiläufigen Behandlung einer Vergewaltigung und den Witzen auf Kosten des kleinwüchsigen Mordecai (Billy Curtis) wohl nicht warm. Wenn sich die Situation dann zuspitzt und die Fronten abgesteckt werden, entsteht hier aber wieder der stimmungsvolle Italo-Western, den die Anfangsphase versprochen hat. Gerade in der rabiaten Schlussphase erreicht der Film dann wieder Top-Niveau.

Wie aus den Genrefilmen der Zeit bekannt, gibt es eine Fülle an Charakterköpfen zu bewundern. Dabei ist es natürlich nicht weiter verwunderlich, dass Clint Eastwood in einer Paraderolle alles überragt. Aber auch Billy Curtis als drolliger Sidekick und Geoffrey Lewis als brutaler Fiesling sind als überzeugende Bestandteile des Films erwähnenswert.

Obwohl der Film eine qualitative Berg- und Talfahrt ist und nicht zu Eastwoods besten Arbeiten gehört, hat der Western auch nach 45 Jahren zahlreiche reizvolle Aspekte. So sorgen die kontroversen Elemente immer noch durchaus für Gesprächsstoff. Aber es liegt vor allem an der stark in Szene gesetzten Start- und Schlussphase, dass „Ein Fremder ohne Namen“ zu den häufig erwähnten Titeln aus der goldenen Zeit der Italo-Western gilt.

Einladend sieht anders aus (© Capelight Pictures)

Einladend sieht anders aus (© Capelight Pictures)

Der Film ist ab dem 19.01.2018 auf DVD und in der 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

 

Bild: Es ist durchaus beeindruckend, wie viel aus dem betagten Material eines Low Budget-Westerns herausgeholt werden kann. So wurde durch eine erkennbare, aber gelungene Filterung das Korn deutlich reduziert, ohne dabei den Kern des Erscheinungsbildes zu sehr zu verfremden. Schärfe und Detaildarstellung sind auf erstaunlich hohem Niveau. Die Farben sind knackig und größtenteils natürlich. Nur an ein paar Stellen wirkt die Palette schon ein wenig zu satt. Dafür sieht es fantastisch aus, wenn die Stadt zum Finale in ein knackiges Rot getaucht wird. Kontraste und Schwarzwert wurden ebenfalls überzeugend dargestellt. Auch wenn ein nötiges Maß an Körnung bestehen bleibt, ist das Endergebnis – vor allem in Anbetracht der Ausgangslage – sehr sauber und ruhig.

4,5 von 5 Punkten


Ton: Auf der Blu-ray liegt eine deutsche und eine englische DTS-HD MA 5.1-Tonspur, sowie eine deutsche PCM 2.0-Spur bei. Die DVD enthält eine deutsche und eine englische Dolby Digital 5.1-Vertonung, sowie eine deutsche Dolby Digital 2.0-Tonspur. Es ist deutlich, dass hier Arbeit in eine Modernisierung des (45 Jahre alten) Tones gesteckt wurde. Gerade bei den DTS-HD-Spuren wird eine wirklich schöne Abmischung gewährleistet. Die Dialoge sind immer klar verständlich, klingen sauber und wurden klar priorisiert. Auch wenn nur gelegentlich räumliche Aktivität gefragt ist, binden der Score, Pistolenschüsse und Peitschenhiebe die äußeren Boxen solide mit ein. Dabei sind außerdem ein paar nette Bässe zu hören. Die Explosionen hätten etwas kräftiger sein dürfen. Darüber hinaus spielen sich die meisten Hintergrundgeräusche im Frontbereich ab. Die Dolby Digital-Vertonung ist knapp hinter ihrem HD-Pendant einzuordnen.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Das Mediabook kommt in einem angemessen schwülen Italo-Western-Design und hat eine passende, raue Oberfläche. Ein 22-seitiges Booklet mit reichhaltigen Infos und Still-Aufnahmen aus dem Film ist innerhalb des Mediabooks zu finden. Auf den Discs selbst gibt es mit Ausnahme von ein paar Trailern kein Bonusmaterial.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Capelight Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Ein Fremder ohne Namen

Originaltitel:High Plains Drifter
Regie:Clint Eastwood
Darsteller:Clint Eastwood, Verna Bloom, Marianna Hill
Genre:Western
Produktionsland/-jahr:USA, 1973
Verleih:Capelight Pictures
Länge:105 Minuten
FSK:ab 18 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Capelight Pictures

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 18.01.2018
Review: Ein Fremder ohne Namen (2-Disc Limited Collector’s Edition)

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