Review: Dressed To Kill (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Dressed To Kill" (© FilmConfect)

Das Blu-ray-Cover von “Dressed To Kill” (© FilmConfect)

Inhalt: Kate (Angie Dickinson) ist eine Frau mittleren Alters, Mutter des intelligenten Teenagers Peter (Keith Gordon) und seit langem verheiratet. Glücklich ist sie aber schon seit einiger Zeit nicht mehr. Sie fantasiert von Affären mit anderen Männern, die auch durchaus gewalttätig werden können. Einzig ihr Psychiater Robert (Michael Caine, „Abgang mit Stil“) weiß von ihren dunklen Gelüsten. Eines Tages lässt sie sich impulsiv zu einem Verhältnis mit einem anderen Mann verleiten. Doch auf die Erfüllung ihrer Sehnsüchte folgt der schlimmste Albtraum: Sie wird überfallen und brutal ermordet. Die Edelprostituierte Liz (Nancy Allen) wird Zeugin des schrecklichen Verbrechens und wird fortan selbst vom Mörder gejagt. Sie dreht den Spieß um und versucht, gemeinsam mit Peter den Täter zu überführen. Dabei führt einen Spur zur Praxis von Robert.

Kritik: Mit Filmen wie „Carrie“, „Scarface“ und „Die Unbestechlichen“ hat sich Brian De Palma zu einem der ganz großen Namen in Hollywood entwickelt. Gerade in den 80er-Jahren hat der bekennende Hitchcock-Fan noch zahlreiche weitere Filme gedreht, die als besonderes Kino bezeichnet werden können. Der Erotik-Thriller „Dressed To Kill“, der bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1980 äußerst kontrovers aufgenommen worden ist, gehörte sicherlich in diese Kategorie. Der äußerst sexuelle und gewalttätige Film wurde zu seiner Zeit ein Opfer der Zensur und musste sich wegen seiner kompromisslosen Inhalte und einem daraus abgeleiteten Frauenbild schwere Kritik gefallen lassen. So wurde das Werk für die Darstellerleistungen von Michael Caine und Nancy Allen, sowie für die Regie von De Palma (der in seiner Kategorie damals unter anderem gegen Stanley Kubrick mit „Shining“ und William Friedkin mit „Cruising“ antrat) für den Schmähpreis „Goldene Himbeere“ nominiert.

Unverschuldet gerät die Edelprostituierte Liz ins Visier des Killers (© FilmConfect)

Unverschuldet gerät die Edelprostituierte Liz ins Visier des Killers (© FilmConfect)

Mit einem gewissen Abstand können solche Verrisse natürlich als gehobener Schwachsinn bezeichnet werden. Es wird wohl niemand bestreiten, dass der Film Grenzen ausgetestet hat. So sind die eröffnende Duschszene und der zentrale Mord Sequenzen, die man auf diese exzessive Art bislang noch nicht im Mainstream-Kino kannte. Auch die kritisierten Hitchcock-Anleihen sind selbstverständlich nicht von der Hand zu weisen (was De Palma auch nie getan hat). Diese wurden aber mit einer derartigen handwerklichen Exzellenz umgesetzt, dass der Erotik-Thriller auch nach 38 Jahren wenig von seinem Reiz verloren hat.

Es entwickelt sich eine wunderbar dreckige Räuberpistole, die gleichermaßen spannend, rabiat und sexy ist. Nach einem ersten Akt, der sich rund um die Fantasien einer einsamen Hausfrau dreht, wechselt der Film dann bald die Spur. Verfolgungsjagden, Ermittlungsarbeit und Machtspielchen sorgen dafür, dass 105 Minuten Film wie im Flug vergehen. Die Darstellung der Frauenfiguren, die damals für so viel Aufsehen sorgte, könnte wohl kaum konträrer gelaufen sein. So sind Kate und Liz starke und selbstbestimmte Charaktere, die recht offen mit ihrer Sexualität umgehen. Im Gegensatz zu Außenstehenden geht der Film mit seinen Figuren wegen ihres Lebensstils nicht ins Gericht.

Auch schauspielerisch kann hier keiner ernsthaft Kritik üben. So sind Angie Dickinson und Nancy Allen für diese Art von Film nahezu Idealbesetzungen und liefern äußerst charismatische Auftritte. Michael Caine bietet als stoischer Psychiater mit klarem Berufsethos ebenfalls keinen Grund, für irgendwelche Schmähpreise nominiert zu werden.

Am Ende ist „Dressed To Kill“ ein Erotik-Thriller, der mit Suspense, Sexappeal und Atmosphäre eine grundsätzlich simple Geschichte zu starkem Kino macht. Trotz – oder gerade wegen – fehlender Kompromissbereitschaft des Regisseurs bleibt so ein Film, der sich den Respekt der Zuschauer verdient.

Was hat Robert mit dem Fall zu tun?(© FilmConfect)

Was hat Robert mit dem Fall zu tun?(© FilmConfect)

Der Film ist in ungeschnittener Fassung ab dem 14.09.2018 auf Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Es ist gelungen, den Film deutlich zu säubern und zu modernisieren, ohne seine (schmutzige) Atmosphäre dabei zu beschädigen. Da die Bilder gerne ein bisschen diesig gehalten sind, schwanken Schärfe und Detaildarstellung zwischen gut und solide. Die Szenen, in denen De Palma mit der Schärfe spielt, funktionieren auf hohem Niveau. Die Farbpalette ist wirklich gut gelungen, knackig, aber immer noch zum Geschehen passend. Kontraste und Schwarzwert sind nicht immer makellos, wurden aber (der Film ist immer noch 38 Jahre alt) deutlich verbessert. Filmfehler, Dreck und andere Elemente wurden deutlich reduziert, ohne den Film zu glatt wirken zu lassen.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 2.0-Ton könnten auch von einem deutlich neueren Film stammen. Die Stimmen klingen satt und voll, Musik und Hintergrundgeräusche wurden dynamisch abgemischt. Knackgeräusche oder vergleichbare Tonfehler sucht man vergeblich. Räumliche Effekte werden hier nicht vermisst.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Ein ausführliches Making of (43 Minuten), der äußerst interessante Beitrag „Verstümmelung von Dressed To Kill“ (10 Minuten), ein Vergleich zwischen den drei Schnittversionen (5 Minuten) und eine Wertschätzung des Peter-Darstellers und heutigen TV-Regisseurs Keith Gordon für De Palmas Arbeit (6 Minuten) bieten einen echten Mehrwert zum Film.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: Movieclips Classic Trailers, YouTube

Dressed To Kill

Originaltitel:Dressed To Kill
Regie:Brian De Palma
Darsteller:Angie Dickinson, Nancy Allen, Michael Caine
Genre:Thriller, Erotik
Produktionsland/-jahr:USA, 1980
Verleih:FilmConfect
Länge:105 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von FilmConfect

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 25.09.2018
Review: Dressed To Kill (Blu-ray)

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