Review: 1993 – Jede Revolution hat ihren Preis (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "1993 - Jede Revolution hat ihren Preis" (© Polyband)

Das Blu-ray-Cover von “1993 – Jede Revolution hat ihren Preis” (© Polyband)

Inhalt: In den Anfängen des Jahres 1993 steht das politische Italien im Zuge der Korruptionsaffäre vor einem großen Umbruch. PR-Experte Leonardo Notte (Stefano Accorsi) sieht trotz seiner Verbrechen nicht ein, sich zurückzuziehen und möchte an diesen politischen Entwicklungen Teil haben: Er arbeitet sich immer weiter in den Vertrauenskreis von Medienmogul Silvio Berlusconi (Paolo Pierobon), in dem er den kommenden Staatschef sieht. Lega Nord-Politiker Pietro Bosco (Guido Caprino) hat immer noch unter dem Ende der Beziehung mit TV-Sternchen Veronica Castello (Miriam Leone) zu leiden, was auch auf seine Karriere herbe Auswirkungen hat. Währenddessen muss sich Veronica mit einem Problem auseinandersetzen, das ihrer aufkeimenden Prominenz massiv schaden könnte.

Ihre Schwester Giulia (Elena Radonicich) möchte währenddessen ihren Beruf als Politjournalistin nutzen, um ein Buch über den Skandal zu schreiben. Bibi Mainaghi (Tea Falco) sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus der Kooperation mit der Mafia. Luca Pastore (Daniele Domenico) weiß nicht, wie viel Zeit ihm noch bleibt, ehe ihm seine Krankheit das Leben nimmt. Als er Eva (Camilla Semino Favro) trifft, ändert sich seine ganze Perspektive.

Kritik: Seit vielen Jahren gibt es in Italien große Schwierigkeiten, eine stabile Regierung zu bilden. Der Ursprung dafür ist sicherlich in dem Korruptionsskandal zu suchen, der in den frühen 90ern das Land erschütterte und Silvio Berlusconi für lange Zeit – obwohl er immer umstritten war – zum politisch stärksten Mann Italiens machte. Im Jahr 2015 überraschten die Showrunner Alessandro Fabbri, Ludovica Rampoldi und Stefano Sardo mit „1992 – Die Zukunft ist noch nicht geschrieben“, in dem sie eine Reihe von fiktiven Charakteren in die Mitte der Geschehnisse rücken ließen. Die Mini-Serie entpuppte sich als intelligenter Politthriller, der verdientes Lob kassierte und natürlich Raum für eine Fortsetzung bot. Im Jahr 2017 wurde dann das Jahr 1993 unter die Lupe genommen, in dem ein politisches Vakuum Kandidaten für eine Regierung suchte.

Muss Leonardo den Preis für seine Taten zahlen? (© Polyband)

Muss Leonardo den Preis für seine Taten zahlen? (© Polyband)

Erneut gelingt es, historische Fakten auf spannende Art mit den starken Charakteren zu verknüpfen. Dank des gelegten Fundaments aus dem Vorgänger schaffen es die Macher, die acht Episoden noch intensiver und packender zu gestalten. Wichtige geschichtliche Punkte wie die Suche der Parteien nach neuer Bedeutsamkeit (vor allem am Beispiel der Lega Nord), der (politische) Aufstieg von Berlusconi und die weiteren strafrechtlichen Verfolgungen durch das Team von Staatsanwalt de Pietro (Antonio Gerardi) werden nachvollziehbar und äußerst unterhaltsam umgesetzt. Seine größten Stärken offenbart „1993 – Jede Revolution hat ihren Preis“ aber als Charakterstück. Dabei ist vor allem erstaunlich, wie gleichberechtigt die Hauptfiguren – und ihre Glanzpunkte – hier sind.

Stefano Accorsi schafft es als skrupellos-diabolischer Leonardo, dessen Hintergründe in der Staffel genauer ergründet werden, eine immer glaubwürdige, menschliche und interessante Performance zu liefern. Die ehemalige Miss Italy Miriam Leone beweist hier abermals, was sie alles abgesehen von ihrer Optik zu bieten hat. Mit einer packenden und smarten Darstellung holt sie sehr viel mehr aus einem Part, der auf dem Papier nicht einmal so vielschichtig erschien. Der Gewinner dieses zweiten Jahres ist aber Guido Caprino, um dessen grobschlächtigen Polit-Quereineinsteiger Pietro Bosco einige der besten Geschichten aufgebaut werden. Mit einem charismatischen und sehr unterhaltsamen Auftritt gelingt es Caprino, jederzeit zu gefallen. Auch die weiteren Hauptdarsteller Elena Radonicich, Daniele Domenico und Tea Falco zeigen sich in Topform. Dazu kommen Cast-Zugänge wie Camilla Semino Favro, die die Besetzung sehr gut ergänzen.

Spätestens zum spektakulären Staffel-Finale wird klar, dass Vergleiche mit „House of Cards“ dieser Serie nicht gerecht werden können. Mit einem ungewöhnlichen Konzept und erstklassigen Schauspielern entwickelt sich „1993 – Jede Revolution hat ihren Preis“ zum Politthriller auf Topniveau, der sogar den starken Vorgänger noch überbietet.

Pietro ist kein Mann für ruhige Töne (© Polyband)

Pietro ist kein Mann für ruhige Töne (© Polyband)

Die Box ist ab dem 29.06.2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4,5 von 5 Punkten

 

Bild: Wie im ersten Jahr wird ein konstant ziemlich scharfes und detailreiches Bild geboten. Die Farben wirken häufig etwas trist, sind aber immer sauber und natürlich. Kontraste und Schwarzwert hätten gelegentlich etwas satter ausfallen können, überzeugen aber insgesamt. Erwähnenswerte Unruhen oder Bildfehler waren nicht zu erkennen.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der italienische DTS-HD 5.1-Ton punkten wieder hauptsächlich durch eine gut priorisierte, problemlose Dialogwiedergabe. Hintergrundgeräusche (beispielsweise auf Partys) und der starke Soundtrack binden die äußeren Boxen solide mit ein. Selbst wenn die Abmischung nicht immer dynamisch und präzise wirkt, ist das gelieferte Ergebnis zweckdienlich.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Die Featurettes „Speciale“ (26 Minuten), „Das Porträt eines Jahrzehnts“ (6 Minuten) und „Der Soundtrack“ (5 Minuten) bieten einen ordentlichem Mehrwert zur Serie.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: Polyband, Leinwandreporter TV, YouTube

1993 - Jede Revolution hat ihren Preis

Originaltitel:1993
Showrunner:Nicola Lusuardi
Darsteller:Stefano Accorsi, Guido Caprino, Miriam Leone
Genre:Mini-Serie, Thriller
Produktionsland/-jahr:Italien, 2017
Verleih:Polyband
Länge:8 x 52 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Polyband

 

Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 28.06.2018
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