Review: 1992 – Die Zukunft ist noch nicht geschrieben (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "1992" (© Polyband)

Das Blu-ray-Cover von „1992“ (© Polyband)

Inhalt: Im Mailand des Jahres 1992 wird Mario Chiesa (Valerio Binasco), der ein Altenheim leitet, wegen Korruption verhaftet. Die Sonderabteilung „Mani pulite“ („Saubere Hände“) von Staatsanwalt Antonio di Pietro (Antonio Gerardi) vermutet mehr hinter den Praktiken Chiesas und als sie ein wenig Druck ausüben, packt er aus. Er offenbart ein detailliert organisiertes System von Bestechungen und Vetternwirtschaft, das sich quer durch die politischen und wirtschaftlichen Spitzenpositionen in ganz Italien zieht.

Unter dem Namen „Tangentopoli“ („Stadt des Schmiergeldes“) zieht der Skandal seine Kreise und soll für einen Machtwechsel im ganzen Land sorgen. Auch wenn sie nur in Ansätzen etwas damit zu tun haben, werden auch die Leben von den Ermittlern Luca Pastore (Daniele Domenico) und Rocco Venturi (Alessandro Roja), dem smarten Marketing-Experten Leonardo Notte (Stefano Accorsi), des grobschlächtigen Irak-Veterans Pietro Bosco (Guido Caprino), der ambitionierten, aber nicht erfolgreichen Moderatorin Veronica Castello (Miriam Leone) und der Industriellen-Tochter Bibi Mainaghi (Tea Falco) nachhaltig verändert.

 

Kritik: Die Affäre von Mario Chiesa schlug zu ihrer Zeit in Italien gewaltige Wellen. Sie dürfte auch mit entscheidend gewesen sein, Medienmodul Silvio Berlusconi zum starken Mann in der italienischen Politik zu formen. Diese Ereignisse bilden die Rahmenhandlung für die Serie von Alessandro Fabbri, Ludovica Rampoldi und Stefano Sardo. Es wird die Geschichte einiger fiktionaler Charaktere erzählt, die im Italien dieser Zeit mit den Auswirkungen des Skandals auf die eine oder andere Weise zu kämpfen haben. Dabei gelingt es gut, Fakten mit erdachten Elementen zu verweben und auch die einzelnen Storylines immer wieder zusammenlaufen zu lassen. Da die Figuren so unterschiedlich sind und größtenteils auch noch aus komplett verschiedenen Lebensbereichen stammen, wird „1992“ äußerst kurzweilig. Da die Charaktere allesamt recht gut und nachvollziehbar geschrieben sind, wird es noch einmal leichter, in die Welt dieser Zeit einzutauchen und die Auswirkungen anhand von Alltagsfiguren nachzuvollziehen.

Leonardo weiß, was die Leute wollen (© Polyband)

Leonardo weiß, was die Leute wollen (© Polyband)

Obwohl die Erzählung ausgesprochen dicht, spannend und clever ist, können die Macher leider nicht auf das eine oder andere Klischee verzichten. So trüben unnötige romantische Verwicklungen und verwendete stereotype Charakterzüge (der harte Kerl mit dem weichen Kern; der spät berufene Vater etc.) den ansonsten wirklich hervorragenden Eindruck. Schauspielerisch gibt es einige tolle Entdeckungen zu machen. Stefano Accorsi präsentiert sich als Don Draper Italiens. Charismatisch, intelligent, clever und mit einem guten Schlag bei Frauen könnte er ein entspanntes Leben führen, wenn er nicht ein dunkles Geheimnis hätte, das an ihm nagt. Accorsi kombiniert all diese Facetten zu einer wirklich interessanten Figur.

Ähnlich faszinierend agiert Miriam Leone als verführerische Veronica Castello, die Männerbekanntschaften für eine Karriere im Showbusiness nutzen möchte. Mit Zielbewusstsein aber auch Verletzlichkeit gibt sie der Figur Leben. Daniele Domenico als wie besessen arbeitender Luca Pastore, Alessandro Roja als sein nicht ganz so geradliniger Kollege Rocco Venturi, Tea Falco als reiches Töchterchen Bibi Mainaghi, das auf einmal Verantwortung übernehmen und ihre Prinzipien in Frage stellen muss, sowie Guido Caprino als traumatisierter Kriegsveteran, der eine überraschende Chance für einen Neuanfang in der Politik bekommt, liefern ebenfalls komplett überzeugende Leistungen.

So kann „1992 – Die Zukunft ist noch nicht geschrieben“ mit einem interessanten historischen Hintergrund, sympathischen und abwechslungsreichen Charakteren, sowie einem durchweg hohen Unterhaltungswert unumwunden als gutes Fernsehen bezeichnet werden. Es sind Kleinigkeiten, die verhindern, dass aus der Serie in diesem ersten Jahr ein ganz großer Wurf wird. Dennoch darf schon mit Spannung auf die gerüchteweise geplante Fortsetzung „1993“ gewartet werden, die einen noch größeren Einblick in die Folgen dieses realen Falls liefert.

Pietro macht überraschend politische Karriere (© Polyband)

Pietro macht überraschend politische Karriere (© Polyband)

Die Box ist ab dem 27.05.2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Optisch sieht die Serie überraschend gut aus. Schärfe und Detaildarstellung sind bei Nahaufnahmen exzellent und erreichen allgemein immer mindestens ordentliche Werte. Die Farben sind sauber und kräftig. Auch die Einstellung von Kontrasten und Schwarzwert sind zwar nicht perfekt, können aber ebenfalls überzeugen. Da die Aufnahmen (bis auf ein paar wenige Bilder) dazu ruhig und rauscharm sind, ergibt sich das positive Gesamtergebnis.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD 5.1-Ton konzentrieren sich natürlich hauptsächlich auf die Dialogwiedergabe, die gut priorisiert und sauber aus dem Center erfolgt. Die meiste räumliche Aktivität gibt es durch den wuchtigen Soundtrack, der außerdem ein paar nette Bässe beinhaltet. Ansonsten gibt es hier und da etwas räumlich Aktivität, wenn sich beispielsweise Szenen im Restaurant oder im Parlament abspielen. Insgesamt wird eine nie herausragende, aber absolut saubere Ton-Präsentation geboten.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Die Featurettes „Special“ (27 Minuten), „Die Charaktere“ (16 Minuten), „Der Soundtrack“ (8 Minuten), „Die Locations“ (2 Minuten) und „Die Kostüme“ (2 Minuten) sind gut gemacht und bieten interessante Einblicke hinter die Kulissen der Serie.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: Polyband, Leinwandreporter TV, YouTube

1992 - Die Zukunft ist noch nicht geschrieben

Originaltitel:1992 - Il Futuro Non è Ancora Stato Scritto
Showrunner:Nicola Lusuardi
Darsteller:1992 - Il Futuro Non è Ancora Stato Scritto
Genre:Mini-Serie, Thriller
Produktionsland/-jahr:Italien, 2015
Verleih:Polyband
Länge:10 x 52 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 31.05.2016
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