Review: The Eyes Of My Mother (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "The Eyes of My Mother" (© Bildstörung)

Das Blu-ray-Cover von “The Eyes of My Mother” (© Bildstörung)

Inhalt: Die kleine Francisca (Olivia Bond) lebt mit ihrer Mutter (Diana Agostini) und ihrem Vater (Paul Nezak) in einem abgelegenen Landhaus. Das Mädchen lernt von ihrer Mutter – einer langjährigen Chirurgin – schon früh den Umgang mit einem Skalpell. Als der Vater eines Tages auf der Arbeit ist, kommt Charlie (Will Brill) an dem Haus vorbei und bittet darum, kurz die Toilette benutzen zu dürfen. Doch schnell entpuppt sich das Vertrauen in den scheinbar harmlosen Mann als Fehler. Francisca muss mit ansehen, wie ihre Mutter brutal ermordet wird. Der Vater kommt zu spät nach Hause, schafft es aber, den Mörder niederzuschlagen und in der Scheune einzusperren. Über die Jahre entwickelt sich eine eigenartige Freundschaft zwischen Francisca und Charlie, der ihr gerne von der Schönheit des Tötens erzählt. Jahre später ist Francisca (nun: Kika Magalhaes) bereit, diese Erfahrung selbst zu machen.

Kritik: Wirklich besondere Beiträge aus dem Horrorgenre sind mittlerweile eine echte Seltenheit. Deswegen werden Werke wie „Get Out“ und „The Witch“ auch von der Kritik gefeiert, stoßen aber allgemein auf ein relativ gemischtes Echo. Polarisieren dürfte auch „The Eyes Of My Mother“ der im vergangenen Jahr zu den großen Entdeckungen des Sundance Film Festivals zeigt und auch in Deutschland bereits auf dem Fantasy Film Fest zu sehen war. Wirklich gewöhnlich ist bei dem Langfilm-Debüt von Regisseur Nicolas Pesce (Jahrgang 1990) nichts. In spektakulären Bildern, die das Schwarz-Weiß auskosten, springt der Film nach einer kryptischen Einleitungsszene (die später noch einmal aufgegriffen wird) ins Geschehen. Mit ruhiger Hand und erstaunlich gemäßigtem Erzähltempo entwickelt Pesce eine Geschichte, in der sich die Gewaltausbrüche nach und nach mehren.

Von ihrer Mutter lernt Francisca einige hilfreiche Tricks (© Bildstörung)

Von ihrer Mutter lernt Francisca einige hilfreiche Tricks (© Bildstörung)

Allerdings fordert der Film von seinem Zuschauer einiges an Frust-Resistenz, da stille, lange Szenen und scheinbar belanglose Dialoge das Geschehen speziell in der ersten Hälfte länger erscheinen lassen, als es tatsächlich ist. Wer sich hier mental nicht aus dem Geschehen verabschiedet, wird später davon Zeuge, wie sich das toll bebilderte, sonderbare Drama in wahrhaft verstörenden, albtraumhaften Horror verwandelt. Eine ganz eigene Rolle kommt dabei dem sparsam eingesetzten, aber äußerst enervierenden Score zu. Während die Figuren lange Zeit mehr als Dekoration in dem Kunstgebilde von Pesce reagieren, macht Kika Magalhaes als Erwachsene Francisca sich das Geschehen zu eigen. Als geistige Schwester von Norman Bates wirkt sie fast engelsgleich, ist aber zeitgleich auf eine wirklich fiese Art beunruhigend. Hinzu kommen ein paar der rabiatesten – aber unglaublich ästhetischen – Aufnahmen der letzten Zeit.

„The Eyes Of My Mother“ ist sicherlich kein Film für die breite Masse. Doch in Anbetracht dessen, dass es sich um die Fingerübung eines Branchenneulings handelt, dürfte jeder Nicolas Pesce Respekt zollen. So entwickelt sich ein schwer zugänglicher, aber visuell atemberaubender Film, der bei den meisten Zuschauern wohl nachhaltig für ein flaues Gefühl in der Magengegend sorgen dürfte.

Die erwachsene Francisca und ihr Vater (© Bildstörung)

Die erwachsene Francisca und ihr Vater (© Bildstörung)

Der Film ist ab dem 01.09.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

 

Bild: Der Film kommt in wahrlich betörenden Schwarz-Weiß-Bildern, die durch eine exzellente Schärfe und Detaildarstellung getragen werden. Die verschiedenen Grautöne wurden sehr gut abgestuft. Kontraste und Schwarzwert sind zwar nicht ganz makellos, funktionieren aber immer gut genug, um dem Bild nicht zu schaden. Dazu sind die Aufnahmen angenehm ruhig und rauscharm.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Die deutsche und die originale Fassung beschränken sich auf DTS 5.1-Ton, können aber komplett überzeugen. So sind die Dialoge jederzeit homogen abgemischt, gut priorisiert und problemlos verständlich. Ein großer Teil der Tonspur spielt sich im Frontbereich ab. Gelegentlich sorgen Aktivitäten abseits des Bildes dafür, dass es zu sanfter räumlicher Aktivität kommt. Zusätzlich wird der hypnotische Score zumindest stellenweise auf die äußeren Boxen verteilt.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Ein Audiokommentar und ein ausgesprochen umfangreiches Interview (59 Minuten) mit Regisseur Nicolas Pesce, ein Musikvideo (4 Minuten), eine Bildergalerie sowie ein paar Trailer ergänzen die Blu-ray. Außerdem ist ein schickes Booklet zum Film in der Hülle zu finden.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Bildstörung, YouTube

The Eyes Of My Mother

Originaltitel:The Eyes Of My Mother
Regie:Nicolas Pesce
Darsteller:Kika Magalhães, Clara Wong, Flora Diaz
Genre:Horror, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Bildstörung
Länge:76 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

 

Mehr Informationen gibt es auf der Seite von Bildstörung

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.09.2017
Review: The Eyes Of My Mother (Blu-ray)

1 comment on “Review: The Eyes Of My Mother (Blu-ray)”

  1. Martin Antworten

    Ein ganz großes cineastisches Meisterwerk des Horrors, aber bitte nicht “The Witch”. Dieser war zum Einschlafen schlecht! Ich würde lieber “True Love Ways”, “Ich seh Ich seh”, “Darling”, “Amer” und “Masks” empfehlen.

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