Review: Schloss aus Glas (Kino)

Das Hauptplakat von "Schloss aus Glas" (© StudioCanal)

Das Hauptplakat von „Schloss aus Glas“ (© StudioCanal)

Inhalt: Die attraktive Journalistin Jeannette (Brie Larson, „Free Fire“) lebt gemeinsam mit ihrem Verlobten David (Max Greenfield), einem erfolgreichen Banker, in einer schicken Wohnung in New York. Niemand würde ahnen, dass die charmante Jeanette eine derart ungewöhnliche Kindheit hatte, wie sie tatsächlich erlebt hat: Ihre Eltern Rex (Woody Harrelson, „Planet der Affen – Survival“) und Mary (Naomi Watts, „Gypsy“) pflegten eine sehr alternativen Lebensstil und reisten häufig quer durchs Land, um sich ohne Geld durchzuschlagen. Gerade die faszinierenden Geschichten von Rex machten Jeannette und ihren Geschwistern immer Hoffnung auf ein besonderes Leben. Dabei wird alles Geld der Familie für den exzessiven Alkoholkonsum von Rex ausgegeben. So kommt es, dass sich die Kinder schon früh selbst verpflegen und teils tagelang ohne Nahrung auskommen müssen. Irgendwann lehnen sich die Kinder gegen ihre Eltern auf. Doch selbst nach so vielen Jahren hat Jeannette noch lange nicht vergessen, was damals vorgefallen ist.

 

Kritik: Im Jahr 2006 veröffentlichte Jeannette Walls die Memoiren über ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte und Jugend. Das Buch „Schloss aus Glas“ entwickelte sich zum internationalen Bestseller, der in 23 verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Nachdem thematisch ähnlich gelagerte Produktionen wie „Shameless“ oder „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ große Erfolge feierten, lag die Entscheidung nah, eine filmische Version des Romans umzusetzen. Für die Umsetzung wurde Autorenfilmer Destin Daniel Cretton verpflichtet, der 2013 mit dem Indie-Hit „Short Term 12“ auf sich aufmerksam machen konnte. So berührend, verträumt und tragisch die Geschichte der Familie Walls ist, kann der Film nur bedingt mit den bereits erwähnten, artverwandten Werken mithalten. Das hat nicht nur (aber auch) damit zu tun, dass man bis auf Kleinigkeiten auf einen humorvollen Ansatz an das Thema verzichtet. Auch die emotionale Bindung mit den Figuren funktioniert nur sehr bedingt, da die Erzählweise ziemlich sprunghaft, aber dabei dennoch etwas schematisch wirkt. Nur in seinen besten Momenten zeigt der Film, dass hier viel mehr Möglichkeiten da gewesen wären, außergewöhnliches Kino zu schaffen.

Familie Walls wagt wieder einmal einen Neuanfang (© StudioCanal)

Familie Walls wagt wieder einmal einen Neuanfang (© StudioCanal)

Es werden zu viele bekannte Klischees bemüht, um die merklich zu langen 127 Minuten durchgängig mit Leben zu füllen. Dabei werden schauspielerisch herausragende Leistungen geboten. Oscar-Gewinnerin Brie Larson, die bereits in „Short Term 12“ die Hauptrolle gespielt hatte, versucht alles, um Figur und Geschichte noch zugänglicher zu machen. Sie zeigt eine unglaublich vielschichtige Darbietung, die eigentlich ein noch besseres Skript verdient gehabt hätte. Auch Woody Harrelson beweist wieder einmal, warum er einer der beliebtesten Schauspieler Hollywoods ist. Als Familienpatriarch überzeugt er auf der gesamten Bandbreite, die vom liebenswerten Hallodri, über den selbstgerecht philosophierenden Sonderling, bis zum suchtzerfressenen Trinker geht. Naomi Watts war zuletzt nicht immer ganz glücklich in ihrer Rollenwahl. Im Part der vollkommen verantwortungslos agierenden Künstlerin Mary zeigt sie einen ihrer besten Auftritte seit längerer Zeit. Weitere prominente Schauspieler wie Max Greenfield und Sarah Snook („Jessabelle – Die Vorhersehung“) arbeiten dem Trio zu.

Eigentlich waren die Hoffnungen gegeben, hier schon einen großen Kandidaten für die kommende Preissaison zu sehen. Leider schöpft der Film sein Potenzial viel zu selten aus. Selbstverständlich hat „Schloss aus Glas“ eine erzählenswerte Geschichte und eine erstklassige Besetzung. Dennoch dürften viele Zuschauer ziemlich konstant das Gefühl haben, hier zu wenig neue, eigene Ideen zu sehen. Auf diese Art bleibt der Film eine konventionelle und stellenweise ziemlich zähe Veranstaltung, die zu selten thematisch wirklich in die Tiefe geht.

3 von 5 Punkten


Quelle: StudioCanal, Leinwandreporter TV, YouTube

Schloss aus Glas

Originaltitel:The Glass Castle
Regie:Destin Daniel Cretton
Darsteller:Brie Larson, Naomi Watts, Woody Harrelson
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:StudioCanal
Länge: 127 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart:21.09.2017
Homepage:Schloss aus Glas

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von StudioCanal

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 21.09.2017
Review: Schloss aus Glas (Kino)

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