Review: Jessabelle – Die Vorhersehung (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Jessabelle" (© Koch Media)

Das Blu-ray-Cover von „Jessabelle“ (© Koch Media)

Inhalt: Bei einem schweren Autounfall kommt der Freund von Jessie (Sarah Snook) und ihr ungeborenes Kind ums Leben. Sie wird schwer verletzt und ist zunächst auf den Rollstuhl angewiesen. Aus diesem Grund zieht sie zunächst wieder bei ihrem entfremdeten Vater Leon (David Andrews) ein, den sie seit einigen Jahren nicht gesehen hatte. Schon am ersten Tag in ihrem Eltern-Haus entdeckt Jessie einige Videokassetten, die ihre kranke Mutter (Joelle Carter) kurz vor ihrem Tod aufgezeichnet hat. In diesen Aufnahmen sagt ihre Mutter ihr eine schreckliche Zukunft voraus. Kurz darauf mehren sich tatsächlich seltsame Ereignisse im Haus. Während sie immer panischer wird, versucht ihr Highschool-Freund Preston (Mark Webber), die traumatisierte Frau zu unterstützen. Als die Situation immer gefährlicher wird, stoßen die beiden auf Spuren, die ihre Wurzeln tief in der Vergangenheit haben.

 

Kritik: Im vergangenen Jahr wurde dieses Horrordrama aus der Schmiede von Genre-Massen-Produzent Jason Blum gedreht. Den Regie-Posten übernahm Kevin Greutert, der nach einigen Cutter-Jobs die letzten beiden (wenig erinnerungswürdigen) Teile des „Saw“-Franchises inszeniert hat. In diesem weit weniger blutigen Werk lässt er nach einer (wörtlich) knallenden Einführung nicht viel Positives erwarten. Trotz einer ordentlichen Atmosphäre und einer starken Location geht Greutert das Geschehen eher gemächlich an. Der Grusel baut auf Videos einer mental beeinträchtigten Dame, die Karten legt, auf. Bei einem solchen Szenario werden die Nerven nicht unbedingt gespannt. Die Ernsthaftigkeit der Bedeutung dieser Karten wird dafür auch schon früh deutlich überspannt. Dabei sind die gezeigten Jumpscares solide Hausmannskost, die in vergleichbarer Form schon in zahllosen Varianten zu sehen waren.

Jessabelle muss mit einem schrecklichen Verlust klar kommen (© Koch Media)

Jessabelle muss mit einem schrecklichen Verlust klar kommen (© Koch Media)

Nach einer halben Stunde schlägt der Film dann aber eine etwas andere Richtung ein. Die Südstaaten-kompatible Voodoo-Thematik ist deutlich reizvoller als das altbekannte Geister-Einerlei. Ansonsten mehren sich die dramatischen Elemente der Geschichte. So wird die Spannung bald deutlich anders gelagert. Wie viel Verlust kann eine einzige Person ertragen? Wann reißt in so einer Situation der dünne Faden zwischen Realität und Fantasie? Obwohl der Film durchgängig auf einige Klischees zurückgreift, ist das Mitteldrittel der wohl beste Part in „Jessabelle“.

Das liegt vor allem an Sarah Snook, die aktuell auch im großartigen „Steve Jobs“ im Kino zu sehen ist. Sie gibt der bemitleidenswerten Frau eine emotionale Glaubwürdigkeit, die über das ansonsten recht flache Geschehen hinausgeht. Mark Webber bekommt nicht die Möglichkeit, sich positiv zu zeigen, da seine Figur der hilfsbereite Sidekick ohne erkennbare Charakterzüge bleibt. Die „Justified“-Darsteller Joelle Carter und David Andrews haben als Eltern von Jessie keine wirklich erwähnenswerte Parts.

So entwickelt sich alles bis zu einem Finale, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Einige wirre Plot-Twists könnten schon vor dem letzten Akt dafür sorgen, dass nicht jeder Zuschauer den Faden behält. Am Ende bleibt ein Film, der wirklich in drei Akte unterteilt werden muss. Nach einem schön bebilderten, aber bis zur Albernheit konventionellen Start, stabilisiert sich der Film als atmosphärisches Drama, das von der starken Sarah Snook lebt, um dann in einem abwechslungsreichen, aber konfusen Schlussspurt wieder zu verlieren. Am Ende ist „Jessabelle – Die Vorhersehung“ einfach zu unausgewogen, um als Film zu überzeugen, bleibt aber mit seinen Schauwerten und der guten Hauptdarstellerin zumindest teilweise reizvoll.

Dafür findet sie im Haus einige "nette" neue Freunde (© Koch Media)

Dafür findet sie im Haus einige „nette“ neue Freunde (© Koch Media)

Der Film ist ab dem 26.11.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

2,5 von 5 Punkten

 

Bild: Auf den ersten Blick erscheint die Optik manchmal ein wenig flach, aber die Schärfe und Detaildarstellung sind auf wirklich hohem Niveau. Die Farben sind häufig in kühl-blaue und zeitweise auch in bräunliche Töne getaucht, sehen aber ebenfalls gut und natürlich aus. Gerade bei den vielen dunklen Szenen ist es auch sehr lobenswert, dass Kontraste und Schwarzwert nahezu optimal sind. Wirkliche Fehler gibt es bei dieser sehr sauberen und klaren Präsentation nicht.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton sind absolut verlustlos. Die Dialoge sind immer gut verständlich. Soundtrack und die atmosphärischen Hintergrundgeräusche werden recht dynamisch auf die Boxen verteilt. Wie von vergleichbaren Horror-Produktionen gewohnt, funktionieren viele Schreckszenen über die Tonspur. Das ist aber technisch stark und überzeugend umgesetzt.

4 von 5 Punkten

Extras: Ein Audio-Kommentar, ein Interview-Featurette (9 Minuten), einige entfernte Szenen (8 Minuten), ein Outtake-Video (3 Minuten), ein verlängertes Ende (1 Minute) und ein paar Trailer komplettieren die Blu-ray.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: Koch Media, Leinwandreporter TV, YouTube

Jessabelle - Die Vorhersehung

Originaltitel:Jessabelle
Regie:Kevin Greutert
Darsteller:Sarah Snook, Mark Webber, Joelle Carter
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Koch Media
Länge:90 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.11.2015
Review: Jessabelle – Die Vorhersehung (Blu-ray)

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