Review: Florence Foster Jenkins (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Florence Foster Jenkins" (© Constantin Film)

Das Blu-ray-Cover von “Florence Foster Jenkins” (© Constantin Film)

Inhalt: In der Kunstwelt New Yorks ist die exzentrische Millionärin Florence Foster Jenkins (Meryl Streep, „Suffragette – Taten statt Worte“) in den 40er-Jahren ein gern gehörter Name. Mit viel Engagement und noch mehr Geld sorgt sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler St. Clair Bayfield (Hugh Grant, „Codename U.N.C.L.E.“), dafür, dass die Musiker ihres Vertrauens immer Arbeit haben. Der begabte Pianist Cosmé McMoon (Simon Helberg) kann sein Glück kaum fassen, als er von Florence eingestellt wird, um ihre Gesangsstunden am Klavier zu begleiten. Als er dann aber seine Arbeit antritt, weicht die Vorfreude purem Entsetzen: Seine Chefin singt absolut furchtbar, ist aber von ihrem Talent überzeugt und wird auch noch von ihrem Ehemann – der nebenbei eine Affäre mit der deutlich jüngeren Kathleen (Rebecca Ferguson, „Life“) unterhält – bei ihren Karriereplänen bestärkt. Während sie immer wieder ihren Bekanntenkreis mit Auftritten belustigt, tut St. Clair alles dafür, negative Kritik von seiner Frau fernzuhalten. Als Florence dann aber in der Carnegie Hall auftreten möchte, ist guter Rat teuer.

Kritik: Die Biographie von Florence Foster Jenkins ist so eigenwillig, dass sie gar keine Fiktion sein kann. Der vielfach preisgekrönte britische Regisseur Stephen Frears hat die Geschichte der 1944 verstorbenen Sängerin jetzt verfilmt und konnte dafür zwei Oscar- und sechs Golden Globe-Nominierungen einstreichen. Tatsächlich zeigt sich die Tragikomödie als charmante, treffende und originelle Unterhaltung. Das ist vor allem erwähnenswert, da eine solche Geschichte extrem leicht in eine schmalzige oder auch in eine gehässige Richtung gehen könnte. So schafft es der Film gerade auf nicht verbaler Ebene extrem lustig zu sein. Wenn Cosmé das erste Mal mit den Gesangskünsten von Florence konfrontiert wird und seine Verwunderung zwischen all den Lobpreisungen für ihr „außergewöhnliches Talent“ sichtbar immer mehr anwächst, ist das einer der skurrilsten Momente dieses bisherigen Filmjahres.

Florence genießt das Bad in der Menge (© Constantin Film)

Florence genießt das Bad in der Menge (© Constantin Film)

Ab da an entwickelt sich ein Werk, das auf beste Art merkwürdig ist. Neben einem Skript ohne Durchhänger und einer fantastischen Ausstattung ist „Florence Foster Jenkins“ aber vor allem großes Schauspielkino. Gerade Meryl Streep zeigt wieder einmal, dass sie so gar nicht „overrated“ ist. Auf ihre unnachahmliche Art schafft sie aus der exzentrischen Florence ohne jede Eitelkeit eine Figur, die durchgängig schräg, amüsant und irgendwo bemitleidenswert ist, aber nie der Lächerlichkeit preisgegeben wird und ihre Würde behalten darf. Die 20. Oscar-Nominierung war nur folgerichtig. Auch Hugh Grant liefert eine der besten Leistungen der vergangenen Jahre. Als selbstbewusster Schauspieler, der trotz seiner Affäre seine Frau über alles liebt und all ihre spleenigen Einfälle bedingungslos unterstützt, ist er die perfekte Ergänzung zu Streep. Die wohl erstaunlichste Leistung ist aber von Simon Helberg zu bewundern. Er taucht als scheuer Pianist in die Welt von Florence Foster Jenkins ein und ist so der engste Weggefährte für den Zuschauer. Mit grandioser Mimik und passendem Zeilenvortrag beweist er sich hier als wirklicher Schauspieler und lässt es so extrem wahrscheinlich erscheinen, dass man ihn auch nach dem Ende von „The Big Bang Theory“ recht regelmäßig sehen wird. Die tolle Rebecca Ferguson reiht sich hier als verständnisvolle Geliebte ein und überlässt ihren Kollegen die wirklich herausragenden Szenen.

Routinier Stephen Frears zeigt mit „Florence Foster Jenkins“, dass seine Rente auch mit 75 noch weit entfernt ist. Einfühlsam, clever und unglaublich lustig entwickelt sich die Geschichte um eine dermaßen ungewöhnliche Persönlichkeit, die sich durch nichts von ihren Wünschen abhalten ließ. Getragen von drei stark agierenden Schauspielern bleibt ein Film, der sich das verliehene Prädikat „Besonders wertvoll“ auf allen Ebenen verdient.

Manchmal ist der Genuss von Alkohol unumgänglich (© Constantin Film)

Manchmal ist der Genuss von Alkohol unumgänglich (© Constantin Film)

Der Film ist ab dem 01.06.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Auch wenn die Optik nicht direkt einen Schönheitspreis gewinnt, ist sie doch gelungen. Schärfe und Detaildarstellung sind zumeist wirklich gut, lassen aber in den Halbtotalen ein wenig nach. Die Farben sind manchmal etwas blass und rutschen hier und da in eine cremefarbene Richtung, wirken aber zumeist natürlich. Kontraste und Schwarzwert zeigen keine erwähnenswerten Schwächen. Dazu ist das saubere und sehr ruhige Bild fast durchgängig frei von Rauschen.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD 5.1-Ton sind bei diesem akustischen „Hochgenuss“ ein wenig zu frontlastig ausgefallen, bleiben aber verlustlos. Gerade bei den musikalischen Ergüssen der Titelheldin hätten die äußeren Boxen etwas mehr mit einbezogen werden können. Räumliche Aktivität gibt es hauptsächlich bei der Hintergrundatmosphäre, so zum Beispiel wenn das Publikum der selbsternannten Sängerin in eine Mischung von Bestürzung und purem Amüsement ausbricht. Die Dialoge sind klar priorisiert und bleiben zu jeder Zeit gut verständlich.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Vier kleine Featurettes (17 Minuten), ein Mini-Making of (5 Minuten), eine Reihe an Interviews mit Cast und Crew (50 Minuten), ein paar entfernte Szenen (6 Minuten) und einige Trailer ergänzen die Blu-ray.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: Constantin Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Florence Foster Jenkins

Originaltitel:Florence Foster Jenkins
Regie:Stephen Frears
Darsteller:Meryl Streep, Hugh Grant, Simon Helberg, Rebecca Ferguson
Genre:Komödie, Drama, Biographie
Produktionsland/-jahr:UK/Frankreich, 2016
Verleih:Constantin Film
Länge:110 Minuten
FSK:ab 0 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Constantin Film

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 31.05.2017

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