Review: Swiss Army Man (Kino)

Das Kino-Plakat von "Swiss Army Man" (© Capelight Pictures)

Das Kino-Plakat von “Swiss Army Man” (© Capelight Pictures)

Inhalt: Unter Menschen war Hank (Paul Dano, „Ewige Jugend“) nie wirklich gut und beliebt. Auf einer einsamen Insel gestrandet, wird aber auch für ihn die Einsamkeit zu viel. Als er sich gerade aufhängen möchte, wird die Leiche eines jungen Mannes (Daniel Radcliffe, „Die Unfassbaren 2 – Now You See Me“) angeschwemmt. Schon die Möglichkeit, mal wieder in ein menschliches Gesicht zu blicken, gibt Hank neue Hoffnung. Die fehlende Fähigkeit zu reden und die andauernd entweichenden Fürze sind da nur begrenzt störend. Er tauft seinen Weggefährten kurzerhand Manny und beginnt eine enge Freundschaft mit ihm. Ein bisschen Zuneigung scheint auch Manny gut zu tun, da er kurz darauf zu sprechen beginnt und sich als ausgesprochen vielseitiges Multifunktionswerkzeug entpuppt. Gemeinsam macht sich das Duo auf eine ungewöhnliche Reise, an deren Ende die Liebe einer schönen Frau (Mary Elizabeth Winstead, „10 Cloverfield Lane“) stehen soll, die sie auf einem Handy-Foto entdeckt haben.

Kritik: Seit dem Jahr 2010 arbeiten die Regisseure und Drehbuchautoren Dan Kwan und Daniel Scheinert unter dem gemeinsamen Pseudonym „daniels“ zusammen. Nach zahlreichen Kurzfilmen sollte diese herrlich unkonventionelle Tragikomödie ihr Leinwand-Debüt werden. Der diesjährige Regie-Preis beim Sundance Festival ist nur ein Anzeichen dafür, dass dieses Duo funktioniert. Dieser komplett durchgeknallte Trip bedient eigentlich zu viele verschiedene Themen, um noch funktionieren zu können. Doch hier gelingt es, Fäkal-Klamauk, skurrilen, schwarzen Humor und beklemmende, menschliche Tragik zu einem homogenen Ganzen zu ergänzen. Schon in der ersten Szene eröffnen die Regisseure mit einem Hank an der Grenze des Todes, nur um ihn kurz darauf auf einem von körperlichen Ausstößen angetriebenen Daniel Radcliffe als Jet-Ski (!!!) über das Meer rasen zu lassen. Gemeinsames singen, tanzen, basteln und verkleiden macht schon bald das leben des Gestrandeten erträglicher und den Film zu einem erstaunlich glaubhaften Ganzen.

Hank und Manny werden zu einem unschlagbaren Duo (© Capelight Pictures)

Hank und Manny werden zu einem unschlagbaren Duo (© Capelight Pictures)

Es verbinden sich Elemente aus der Fantasie der Hauptfigur mit dem ernüchternden Alltag, bis daraus eine faszinierende Mischung von originellem, unfassbar schrägen Quatsch und einer tief traurigen Abhandlung über menschliche Einsamkeit wird. So sonderbar das Geschehen auch ist, gelingt es den daniels immer, es nachvollziehbar erscheinen zu lassen. Von daher fühlt es sich ebenfalls nie gekünstelt an, wenn das Geschehen dann tatsächlich einmal emotional und beklemmend wird. Dieses vielleicht ungewöhnlichste Buddy-Movie aller Zeiten hätte aber niemals so gut funktioniert, wenn die beiden Hauptdarsteller nicht alles in die Waagschale geworfen hätten. Der immer noch sträflich unterschätzte Paul Dano kann wie kaum ein zweiter sympathische, leicht schräge Außenseiter-Typen spielen. In dieser Paraderolle entführt auf eine Reise in die vereinsamte Welt des unfreiwilligen Einsiedlers. Daniel Radcliffe hier auf einen „furzenden Harry Potter“ zu reduzieren, wäre nichts weniger als eine Unverschämtheit. Mit welcher Leichtigkeit er sich auf die (nicht vorhandene) Physis seiner Figur einlässt und dabei noch als menschlicher Charakter funktioniert, ist großes Kino.

Auch wenn dieser bizarre Trip in die menschliche Psyche sicherlich nicht auf die breite Masse ausgelegt ist, bleibt er eine komplett positive Überraschung: Zwischen Albernheiten, Kuriositäten und emotionalem Anspruch bleibt „Swiss Army Man“ immer ein absolut menschlicher Blick auf Freundschaft, Nähe und Zusammenhalt, der gleich auf mehreren Ebenen funktioniert.

4 von 5 Punkten


Quelle: Capelight Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Swiss Army Man

Originaltitel:Swiss Army Man
Regie:Daniel Kwan, Daniel Scheinert
Darsteller:Paul Dano, Daniel Radcliffe, Mary Elizabeth Winstead
Genre: Tragikomödie , Fantasy , Abenteuer
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Capelight Pictures
Länge: 97 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 13.10.2016
Homepage:Swiss Army Man

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 05.09.2016
Review: Swiss Army Man (Kino)

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