Review: Open Windows

Das Plakat von "Open Windows" (Quelle: Wild Bunch Germany, Fantasy Filmfest)

Das Plakat von “Open Windows” (Quelle: Wild Bunch Germany, Fantasy Filmfest)

Inhalt: Nick (Elijah Wood) ist ein fast ganz normaler Kerl, der extrem für die Schauspielerin Jill Goddard (Sasha Grey) schwärmt. Bei jeder Gelegenheit lädt er Fotos von ihr auf seiner eigens eingerichteten Fan-Page hoch. Als er eines Tages bei einem Gewinnspiel ein Abendessen mit Jill gewinnt, wähnt er sich am Ziel seiner Träume. Wenige Stunden vor dem Treffen mit ihr bekommt er dann einen Anruf von einem Mann namens Chord (Neil Maskell), dass sie das Abendessen abgesagt hat.

Zunächst vollkommen unschuldig lässt er sich darauf ein, stattdessen besonders exklusive Fotos seines Idols zu bekommen. Schon bald wird ihm klar, dass der Mann an der anderen Seite der Leitung ein ausgesprochen versierter Hacker ist, der ihn in ein teuflisches Spiel verwickelt. Es gibt für ihn kein Entkommen, wenn er das Leben von Jill retten möchte.

 

Kritik: Der spanische Regisseur Nacho Vigalondo („Timecrimes“) ist mit diesem Hacker-Thriller erstmals im englischsprachigen Bereich zu sehen. Dabei wagt er ein durchaus interessantes Experiment: Der größte Teil des Filmes ist nur über verschiedene Fenster auf dem Laptop der Hauptfigur zu sehen. So eine Art zu drehen ist innovativ, was allein schon für den Mut des Filmemachers spricht. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, aber natürlich ruhiger und einfacher zu verfolgen als vergleichbare Produktionen aus dem Found Footage Bereich. Auch wenn es thematisch gar nicht so daneben ist, diesen Film wie in der Werbekampagne beschrieben als modernen „Das Fenster zum Hof“ zu beschreiben, hat das schon fast blasphemische Züge.

Nach einem durchaus spannenden und interessanten Einstieg bekommt der Film nach und nach vor allem durch das Drehbuch (von Vigalondo selbst) immer mehr Probleme. Teilweise wird die Logik nicht einfach nur strapaziert. Viel mehr gleitet das ganze Geschehen nach und nach mehr ins Hanebüchene ab. So sorgen nicht nur die merkwürdigen französischen Hacker, die Nick unterstützen, für unfreiwillige Komik. „Open Windows“ ist weit davon entfernt, ein wirklich guter Film zu sein, bietet aber auf seine ganze eigene Art einen durchaus hohen Unterhaltungswert.

Zwei Experten für das Merkwürdige in heimischen Gefilden

Mit zahlreichen Kameras bekommt Nick seinen Weg gewiesen (Quelle: Wild Bunch Germany, Fantasy Filmfest)

Mit zahlreichen Kameras bekommt Nick seinen Weg gewiesen (Quelle: Wild Bunch Germany, Fantasy Filmfest)

Nach seiner Big Budget-Karriere in der „Herr der Ringe“-Filmen wurde Elijah Wood nach und nach immer mehr zum Experten für kuriose Independent-Produktionen. Dabei sind das Horror-Remake „Maniac“, die Südstaaten-Satire „Gangster Chronicles“ und die Serie „Wilfred“ nur ein paar Beispiele. Hier darf er sich als freakiger Edel-Fan unter Druck austoben. Vor allem in der finalen Phase des Films werden ihm hier einige bizarre Momente gegönnt.

Als weiblicher Star des Filmes ist die ehemalige Pornodarstellerin Sasha Grey zu sehen, die seit dem Steven Soderbergh-Werk „The Girlfriend Experience“ häufiger im klassischen Schauspielfach zu sehen ist. Für eine Dame, die schon Sex-Szenen mit über einem Dutzend Männern zugleich gedreht hat, ist ein solcher Film wohl gar nicht so experimentell. Tatsächlich hält sie sich als Darstellerin gar nicht schlecht, muss aber auch in der flachen Rolle nicht besonders viel aufbieten. Das ändert aber nichts daran, dass der Film viel zu verquast ist, um den vorhandenen sozialkritischen Ansatz ernsthaft vermitteln zu können.

Eine originelle Optik trifft auf gut gewählte Schauspieler und ein albernes Drehbuch. So ist dieses Werk fast so eigenwillig, wie sich die Kombination Elijah Wood und Sasha Grey anhört. Um so länger der Film dauert, um so weniger passt hier zusammen. Das sorgt für einige urkomische Momente, die vor allem in der sehr wendungsreichen Schlussphase auf die Spitze getrieben werden. Ob das aber bei einem Hacker-Thriller das Ziel ist, darf doch arg bezweifelt werden. Lohnend ist „Open Windows“ trotzdem allein schon wegen des Designs.

Der Film wurde im Rahmen des Fantasy Filmfest in Köln gesichtet und wird im Verleih von Wild Bunch Germany auf DVD und Blu-ray erscheinen.

2 von 5 Punkten


Quelle: Movieclip Trailers, Wild Bunch Germany, YouTube

Open Windows

Originaltitel:Open Windows
Regie:Nacho Vigalondo
Darsteller:Sasha Grey, Elijah Wood, Neil Maskell
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2014
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge:100 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 20.09.2014
Fantasy Filmfest: Open Windows (Kino)

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