Review: Mindscape (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Mindscape" (Quelle: StudioCanal)

Das Blu-ray-Cover von „Mindscape“ (Quelle: StudioCanal)

Es gibt nur wenige Spezialisten, die das „Mindscapeing“ beherrschen, bei dem sie mit in die Erinnerung eines Patienten und auch Verdächtigen eines Verbrechens eintauchen. John Washington (Mark Strong, „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“) gehört zu diesen Fachkundigen, hat aber seit dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren nicht mehr praktiziert. Damit er langsam wieder in den Job herein findet, verschafft ihm sein Boss Sebastian (Brian Cox, „Blood – You can’t bury the Truth“) einen scheinbar einfachen Auftrag: Anna (Taissa Farmiga, „The Bling Ring“), die 16 Jahre alte Tochter reicher Eltern, weigert sich zu essen. John soll in ein paar Sitzungen herausfinden, weshalb die junge Frau im Hungerstreik ist. Schon bald wird sein Interesse an dem höchst intelligenten, etwas eigenbrötlerischen Mädchen größer, da er einige verstörende Entdeckungen macht. Will der Stiefvater Anna los werden? Ist sie aufgrund eines schlimmen Ereignisses traumatisiert? Oder ist die junge Frau eine waschechte Soziopathin? John verliert immer mehr die Kontrolle über diesen doch nicht so leichten Fall.

Nach einigen Kurzfilmen und Jobs als Second Unit Director durfte der spanische Regisseur Jorge Dorado erstmals in vorderster Front einen Spielfilm inszenieren. Unterstützung erhielt er von seinem ungleich bekannteren Landsmann Jaume Collet-Serra („Non-Stop“), der hier als Produzent tätig war. Herausgekommen ist ein stimmungsvoller, spannender, aber auch ziemlich konventioneller Psychothriller. Zu Beginn kommt „Mindscape“ schnell in Fahrt, führt seine Protagonisten überzeugend ein und spielt clever mit dem Phänomen der Gedankenreise. Dort verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie von Anna. Gerade aber die Therapiesitzungen, die nach und nach mehr Auswirkungen auf John haben, sorgen auch für den ein oder anderen wirren Moment in der Handlung, bei dem der Film nicht nur aufgrund seiner Prämisse unübersichtlich wird. Dadurch wird der Zuschauer ein wenig aus dem Geschehen geworfen. Dass die Geschichte gerade bei der Figurenzeichnung das ein oder andere Klischee bemüht (der Therapeut mit Schicksalsschlag; das reiche, kluge, aber einsame Mädchen), tut dem Geschehen dagegen kaum einen Abbruch.

Katz- und Mausspiel auf Augenhöhe

John reist mit Anna durch ihre Erinnerungen (Quelle: StudioCanal)

John reist mit Anna durch ihre Erinnerungen (Quelle: StudioCanal)

Von Anfang an weiß weder Zuschauer noch John, auf welcher Seite Anna steht. Mit das beste an „Mindscape“ ist das rein intellektuelle Duell zwischen dem sonderbaren Teenager und dem Therapeut, der mehr herausfinden möchte. Dabei kann sich Regisseur Dorado auf zwei gute Schauspieler verlassen. Der Engländer Mark Strong ist in den vergangenen Jahren eine Bank für etwas abseitige, finstere und traumatisierte Figuren. Deswegen funktioniert er auch als vom Schicksal gebeutelter Spezialist, der eine Faszination für seine Patientin entwickelt, jederzeit bestens. Mindestens gleichwertig ist aber die junge Taissa Farmiga. Die deutlich jüngere Schwester von Vera Farmiga hatte schon bei ihren Auftritten in „American Horror Story“ starke Eindrücke hinterlassen. Als smarte, kühle und interessante Anna trägt sie einen großen Teil dazu bei, dass die nicht visionäre Story immer unterhaltsam bleibt. Kino-Routinier Brian Cox spielt seinen mäßig anspruchsvollen Part souverän herunter.

Für seinen ersten Film hat sich Jorge Dorado ein sehr solides Projekt gesichert. Auch wenn ein paar erzählerische Fehler passieren und sich „Mindscape“ nicht unbedingt vor Originalität überschlägt, gibt es ein durchaus sehenswertes Psychoduell zwischen den gut aufgelegten Taissa Farmiga und Mark Strong, was den Film zu ordentlicher Thriller-Kost macht.

Was ist auf Annas alter Schule geschehen?  (Quelle: StudioCanal)

Was ist auf Annas alter Schule geschehen? (Quelle: StudioCanal)

Der Film ist ab dem 20.11.2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3 von 5 Punkten

 

Bild: Das Bild der Blu-ray sieht ziemlich gut aus. Eine überzeugende Schärfe und eine gute Detaildarstellung werden unterstützt von knackigen Kontrasten und einem fast optimalen Schwarzwert. Die Farben sind bewusst ziemlich kühl und wirken dabeirecht natürlich. Bei den Einleitungen zu den „Mindscapes“ wurde das Bild zur Abgrenzung etwas blasser und milchiger gestaltet, was dem Film aber eher gut tut als schadet. Auffällige Fehler sind in dem ruhigen Bild nicht vorhanden.

4 von 5 Punkten

Ton: Die englische und die deutsche DTS-HD MA 5.1-Tonspur sind im Großen und Ganzen auch überdurchschnittlich. Die Dialoge sind immer gut verständlich und klingen sauber. Der Score des Films ist zwar zu reißerisch, spricht aber die Boxen sauber und dynamisch an und produziert auch ein paar nette Bässe. Gerade bei den Albtraum-artigen Sequenzen wird eine sehr räumliche Geräuschkulisse kreiert. Für die großen Effekte ist „Mindscape“ dann aber eher nicht zuständig.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Ein Interview mit Taissa Farmiga und Mark Strong (11 Minuten), ein sehr überzeugendes Making of (22 Minuten), sowie ein paar geschnittene Szenen (17 Minuten) und Trailer komplettieren die Blu-ray.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: StudioCanal, Leinwandreporter TV, YouTube

Mindscape

Originaltitel:Anna
Regie:Jorge Dorado
Darsteller:Mark Strong, Taissa Farmiga, Brian Cox
Genre:Krimi
Produktionsland/-jahr:USA / Spanien / Frankreich, 2013
Verleih:StudioCanal
Länge:99 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 21.11.2014
Review: Mindscape (Blu-ray)

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