Review: We Steal Secrets – Die Wikileaks-Geschichte (Kino)

Das Plakat von "We Steal Secrets" (Quelle: Universal Pictures)

Das Plakat von „We Steal Secrets“ (Quelle: Universal Pictures)

Inhalt: Es gibt wohl kaum eine Gruppierung, die in den vergangenen fünf Jahren die Menschen so polarisiert hat, wie die Hacker-Vereinigung Wikileaks, die sich auf das Veröffentlichen von Regierungsgeheimnissen spezialisiert hat. Besonders der Australier Julian Assange, der sich als Anführer von Wikileaks regelmäßig in der Öffentlichkeit präsentierte, wurde in dieser Zeit zum Weltstar. Für die einen sind Assange und Co. Freiheitskämpfer vom Schlage eines Robin Hood, die alles für das freie Denken und einsehbare Handlungen der Regierung tun. Für die anderen (wie Washington) sind die Mitglieder von Wikileaks Terroristen und Verräter, die die Sicherheit von Ländern gefährden.

 

Kritik: Der Oscar-gekrönte Dokumentarfilmer Alex Gibney (2008 für „Taxi to the Dark Side“) hat nun einen 130 Minuten langen Film über den Werdegang der Organisation gemacht. Er startet bereits im Jahr 1989, wo Hacker vor dem Start einer Nasa-Mission deren Computer mit tausenden Würmern überfluteten und für Panik sorgten. Einer der Verantwortlichen war damals Julian Assange, der schon in seiner Jugend dafür arbeitete, die Regierung bloßzustellen. Etwa 20 Jahre später fand er seine produktive Möglichkeit in Wikileaks, die er unter anderem mit dem Deutschen Daniel Domscheidt-Berg gründete, der bis zum Herbst 2010 als Sprecher der Gruppe tätig war.

Viel Bekanntes und zu viel Sex wird vertieft

Assange wurde für Massen zum Idol (Quelle: Universal Pictures)

Assange wurde für Massen zum Idol (Quelle: Universal Pictures)

Gibney erzählt die größtenteils bekannten Geschichten. Die durch Wikileaks erfolgreich aufgedeckten Probleme werden noch einmal besprochen (isländischer Bankencrash, Völkermord in Kenia, Giftmüllverschmutzung der Meere) und von Mitgliedern der Gruppe und anderen Experten wie Ex-CIA-Chef Michael Hayden und einigen Journalisten kommentiert. Währenddessen wird auch schon sehr ausführlich auf Bradley Manning eingegangen, den Soldaten, der unzählige Dokumente aus dem Irakkrieg zur Veröffentlichung weitergeleitet hatte. Unter diesen Dokumenten war unter anderem das „Colleteral Murder“-Video, welches weltweit für Aufsehen sorgte. Hierbei wird sehr viel Wert auf den labilen Zustand des sexuell unsicheren Manning gelegt, der sich irgendwann dem Hacker Adrian Lamo anvertraute. Dazu wird vor allem die sexuelle Orientierung Mannings unnötig ausgewalzt. Lamo, der für einige Interviewpassagen zur Verfügung stand, war es auch, der Manning am Ende an die Behörden verraten hatte. Außerdem werden die Chats zwischen den beiden auf der Leinwand gezeigt.

Die bis dahin neutrale Haltung von Alex Gibney geht verloren, als er beginnt, Assange und Manning spekulativ eine direkte Zusammenarbeit anzudichten. Scheinbar war der Regisseur verärgert darüber, dass Assange ihm ein Interview verweigert und Kontrollrechte über den Film gefordert hat. Das Verhalten von Julian Assange, welches im späteren Verlauf von Wikileaks teils von Paranoia und Selbstherrlichkeit mitbestimmt wurde, kritisiert der Filmemacher hier harsch.

Bradley Manning auf einer Party (Quelle: Universal Pictures)

Bradley Manning auf einer Party (Quelle: Universal Pictures)

Als Auslöser nimmt der Film den Sexskandal um zwei angebliche Vergewaltigungen in Schweden, die hier wieder in aller Breite erläutert werden. Dabei bekommt eine der Damen die Chance, sich ohne Wiederworte zu präsentieren. Stattdessen hätte sich der Zuschauer zur folgenden Zeit mit Assanges Verschwinden in London, der Trennung von Domscheidt-Berg und dem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft mehr Hintergründe gewünscht. Doch selbst Interviewpartner Domscheidt-Berg scheint hier sehr kurz angebunden. In der Schlussphase wird noch etwas zum Spendenverbot an Wikileaks durch die Kreditkartenunternehmen und dem Gegenschlag durch „Anonymus“ erzählt, bevor die Dokumentation ihrem Ende zugeht.

Alex Gibneys „We Steal Secrets – Die Wikileaks-Geschichte“ bleibt insgesamt etwas hinter den Erwartungen zurück, da nur wenige neue Informationen geliefert werden. Vielmehr ist die Dokumentation eine gute Faktensammlung, bei der es etwas ärgerlich ist, wenn der Regisseur seine neutrale Haltung zeitweise aufgibt. Wer (noch einmal) einen Überblick über die Geschehnisse bekommen will, wird hier aber bestens bedient. Wir dürfen gespannt sein, was der Spielfilm „The Fifth Estate“ mit Benedict Cumberbatch („Star Trek Into Darkness“) als Julian Assange für neue Erkenntnisse liefert.

3 von 5 Punkten


Quelle:Joblomovienetwork, YouTube

We Steal Secrets – Die Wikileaks-Geschichte

Originaltitel:We Steal Secrets – The Story of Wikileaks
Regie:Alex Gibney
Darsteller:Julian Assange, Adrian Lamo, Bradley Manning
Genre:Dokumentation
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:Universal Pictures Germany
Länge:130 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:11.07.2013
Facebook-Page:Der Facebook-Auftritt von "We Steal Secrets"

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