Review: To the Wonder (Kino)

Das Kinoplakat von "To the Wonder" (Quelle: StudioCanal)

Das Kinoplakat von „To the Wonder“ (Quelle: StudioCanal)

Inhalt: Der Amerikaner Neil (Ben Affleck, „Dogma“) und die Französin Marina (Olga Kurylenko, „Oblivion“) haben sich Hals über Kopf ineinander verliebt. Während eines gemeinsamen Urlaubs auf der Insel Mont Saint Michel sind sich beide sicher, den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Marina zieht gemeinsam mit ihrer Tochter von Paris nach Oklahoma, um mit Neil zusammen zu sein. Schon bald bekommt die perfekte Beziehung erste Risse: Marina hat Heimweh und der viel beschäftigte Neil gibt ihr nicht die benötigte Unterstützung. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Vater Quintana (Javier Bardem, „Skyfall“), der selbst in einer tiefen Glaubenskrise steckt und ihr den Glauben an die „große Liebe“ nicht wiedergeben kann. So zieht sie zurück nach Frankreich und Neil beginnt eine Beziehung mit Jugendfreundin Jane (Rachel McAdams, „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“). Jedoch kann er Marina nicht vergessen und auch sie merkt zurück in der Heimat, wie viel ihr die Liebe zu diesem einen Mann bedeutet.

 

Kritik: An dem bereits drei Mal für den Oscar nominierten Filmemacher Terrence Malick (1999 für Regie und Drehbuch bei „Der schmale Grat“, 2012 für seine Regie bei „The Tree of Life“) scheiden sich die Geister: Während zahlreiche Zuschauer mit seiner künstlerischen, teilweise etwas gestelzten Art der Inszenierung nichts anfangen können, sind andere von der tollen Bilderflut und den Metaebenen in seinen Werken begeistert. So ähnlich verhält es sich auch bei Malicks neuem Werk „To the Wonder“, welches er der Liebe an sich widmet. Die virtuose Kamera-Arbeit von Emmanuel Lubezki, der mit Terrence Malick schon „The Tree of Life“ gedreht hatte, fängt auf unnachahmliche Art die Stimmung von Ort und Personen perfekt ein. Sehr kräftige Farben verleihen dem ganzen Gezeigten eine Wirkung, als ob es aus einem Traum stammt. Die sehr nahen und emotionalen Aufnahmen der Schauspieler geben dem Film speziell am Anfang eine unglaubliche Sinnlichkeit.

Das Traumpaar in einem nachdenklichen Moment (Quelle: StudioCanal)

Das Traumpaar in einem nachdenklichen Moment (Quelle: StudioCanal)

Zu viele Themen verderben den Film“

So ungefähr dürfte die Variation des bekannten „Köche“-Sprichworts in Bezug auf „To the Wonder“ aussehen. Malick, der auch das Drehbuch verfasst hat, beschränkt sich nicht auf die Liebesgeschichte, sondern bringt über Neils Beruf noch das Thema Umwelt und über Vater Quintana noch Religion ins Spiel. Daran wäre nichts auszusetzen, wenn er alle Unterpunkte konsequent verfolgen würde. Da er aber diese Themen nur anschneidet, dann wieder fallen lässt, nur um sie später zusammenhanglos noch einmal in die Handlung zu werfen, nehmen sie dem Liebesdrama merklich an Kraft. Auch die Romanze von Neil und Marina, die in den ersten 45 Minuten wirklich faszinieren konnte, lässt sich im späteren Verlauf nicht mehr gut überblicken, da die Handlungen der Hauptfiguren nur noch begrenzt nachvollziehbar sind. In den ermüdenden letzten Szenen wird eigentlich nur noch zwischen (immer noch toll gefilmten) Streitigkeiten und sehr körperlichen Versöhnungen hin und her gewechselt.

Vater Quintana hat seinen Glauben an Gott verloren (Quelle: StudioCanal)

Vater Quintana hat seinen Glauben an Gott verloren (Quelle: StudioCanal)

Die Schauspielleistungen haben wenig mit dem schwankenden Drehbuch gemein. Ben Affleck schafft es, als engagierter Vorstädter Neil tatsächlich einmal sympathisch und geerdet zu erscheinen. Es sieht wohl so aus, als ob ihn die Erfolge als Regisseur (Stichwort „Argo“) jetzt auch noch zu einem besseren Schauspieler machen. Die bereits in „Oblivion“ abzusehende Entwicklung von Olga Kurylenko wird hier in der Rolle der verträumten, oft traurigen Marina noch offensichtlicher. Kurylenko trägt die Geschichte scheinbar mühelos, gibt den oft zu künstlerischen Momenten immer eine menschliche Ebene und personifiziert die oben angesprochene Sinnlichkeit. Javier Bardem spielt seinen Part als desillusionierter Pfarrer solide, ohne wirklich gefordert zu werden. Es ist aber nicht sein Verschulden, dass die gesamte Storyline um Vater Quintana verzichtbar erscheint. Rachel McAdams zeigt in relativ wenigen Minuten, die sie als Freundin für Neil herhalten darf, ihr durchaus vorhandenes Talent. Sie kreiert einen liebenswerten Charakter, mit dem der Zuschauer mitfühlt.

„Aufstieg und Fall einer großen Liebe“ könnte der Untertitel von „To the Wonder“ lauten, der inhaltlich häufig an Derek Cianfrances „Blue Valentine“ erinnert. Allerdings hätte Malicks Film auch etwas von der Geradlinigkeit und Bodenständigkeit des deutlich besseren Vergleichswerks gut getan. So bleibt ein optisch geniales Werk, das inhaltlich maximal mittelmäßig ist und zeitweise für Verwirrung und Langeweile sorgt.

3 von 5 Punkten


Quelle: StudioCanal, YouTube

To the Wonder

Originaltitel:To the Wonder
Regie:Terrence Malick
Darsteller:Olga Kurylenko, Ben Affleck, Javier Bardem
Genre:Liebesdrama
Produktionsland/-jahr:USA, 2012
Verleih:StudioCanal
Länge:112 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:30.05.2013
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