Review: Der Dieb der Worte (Kino)

Das Teaser-Plakat von"Der Dieb der Worte" (Quelle: Wild Bunch Germany)

Das Teaser-Plakat von“Der Dieb der Worte“ (Quelle: Wild Bunch Germany)

Inhalt: Der Schriftsteller Clay Hammond (Dennis Quaid, „The Day After Tomorrow“) stellt auf einer Lesung sein neuestes Werk „The Words“ (so der Originaltitel) vor:

Es handelt von dem jungen Autor Rory Jansen (Bradley Cooper, „Silver Linings“), der trotz Talent, Fleiß und Ehrgeiz keinen Abnehmer für seinen anspruchsvollen Roman findet. So muss er immer wieder seinen Vater (J.K. Simmons, „Juno“) anpumpen, um die Miete für sich und seine Freundin Dora (Zoe Saldana, „Sterben will gelernt sein“) aufzubringen. Auf ihrer Hochzeitsreise in Paris schenkt Dora ihm eine schicke Aktentasche. In einem Geheimfach der Tasche findet Rory einige Zeit später ein nicht veröffentlichtes Manuskript über Paris in den 1940er-Jahren, welches er begeistert verschlingt. Als Dora das geschriebene Material findet und es für Rorys Geschichte hält, spielt er in seiner Verzweiflung mit: Er vermarktet das Buch als sein eigenes und landet einen Bestseller. Erst als ein alter Mann (Jeremy Irons, „The Mission“) ihn anspricht und überraschend viele Hintergründe über sein Werk weiß, wird er sich seiner Tat bewusst.

Während der Lesung von „The Words“ lernt Clay die hübsche und intelligente Daniella (Olivia Wilde, „Cold Blood“) kennen, die eine bislang unbekannte Seite in ihm weckt.

 

Rory und Dora sind glücklich miteinander (Quelle: Wild Bunch Germany)

Rory und Dora sind glücklich miteinander (Quelle: Wild Bunch Germany)

Kritik: Die Jugend-Freunde Brian Klugman und Lee Sternthal begannen schon im Jahr 2000 mit dem Grundriss dieser Geschichte auf mehreren Ebenen. Über die Jahre arbeiteten sie immer weiter an dem Projekt bis sie schließlich in Michael Benaroya einen Finanzier und Produzenten fanden. Der überließ dem Duo zudem den Regie-Stuhl. Trotz der verwobenen Erzählstruktur findet sich der Zuschauer zunächst gut in „Der Dieb der Worte“ zurecht: Die Charaktere sind menschlich, zugänglich und glaubhaft, die Situation aus dem Leben gegriffen und logisch kaum etwas zu bemängeln.

Zu viel des Guten

Spätestens wenn dann aber der von Irons verkörperte Mann seine Geschichte erzählt (sprich: Ein Autor, der ein Werk über einen Autor erzählt, in dem der Autor von einem anderen Autor eine Geschichte erzählt bekommt), wirkt das Drehbuch etwas überfrachtet. Die Rückblende, die inhaltlich nur wenig Relevanz für die sonstige Handlung hat, wäre kürzer besser gewesen. Wer an dieser Stelle nicht den Faden verliert, wird weiterhin von den vorhandenen moralischen Problemen (Versagensängste/geistiges Eigentum) Rorys in Beschlag genommen. Der fliegende Wechsel zwischen zwei Ebenen funktioniert dabei problemlos.

Clay ist von der schönen Daniella begeistert (Quelle: Wild Bunch Germany)

Clay ist von der schönen Daniella begeistert (Quelle: Wild Bunch Germany)

Schauspielerisch können die Jung-Regisseure aus dem Vollen schöpfen: Bradley Cooper ist spätestens seit seiner Oscar-Nominierung einer der gefragtesten Charakter-Mimen seiner Generation. Als ambitionierter Autor, der in seiner Not zum Dieb wird, geht Cooper so sehr in seiner Rolle auf, dass der Zuschauer Rorys künstlerischen und menschlichen Fehltritt sofort verzeihen möchte. Dabei kombiniert er Spielfreude und gebotene Ernsthaftigkeit zu einem starken Charakter. Die bislang oft auf ihr Aussehen reduzierte Zoe Saldana strahlt als Dora Güte und Energie aus. Sie ist der Fels in der Brandung, den Rory benötigt. Wenn ihre Beziehung kriselt darf Saldana auch einmal ihr sehenswertes emotionales Repertoire zeigen.

Dennis Quaid als alternder-Star-Autor und Olivia Wilde als smarte Studentin bekommen leider zu wenig Spielzeit, um ihren Charakteren wirklich Profil verleihen zu können. Speziell die durchaus begabte Olivia Wilde scheint eben jenes optische Highlight spielen zu müssen, von dem Zoe Saldana hier etwas Abstand gewinnt. Jeremy Irons darf hier als geheimnisvoller, alter Herr sein ganzes Charisma ausspielen und Cooper/Rory gehörig den Kopf zurecht rücken.

Auch wenn sich Brian Klugman und Lee Sternthal an einigen Stellen deutlich verrennen, ist ihnen ein überzeugendes Debüt gelungen. „Der Dieb der Worte“ kombiniert gekonnt Drama, Charakter-Studie und Thriller-Elemente und wird dabei von den bekannten Darstellern (allen voran erneut Bradley Cooper) getragen. Wären die Regisseure nach der „Manchmal ist weniger mehr“-Devise gegangen, hätte ihr erstes Projekt statt gut auch hervorragend werden können.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: CBS Film, YouTube

Der Dieb der Worte

Originaltitel:The Words
Regie:Brian Klugman, Lee Sternthal
Darsteller:Bradley Cooper, Dennis Quaid, Olivia Wilde
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2012
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge:97 Minuten
FSK:ab 6 Jahren
Kinostart:23.05.2013
Homepage:Der Internet-Auftritt von "The Words"

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 23.05.2013
Der Dieb der Worte (Kino)

2 comments on “Review: Der Dieb der Worte (Kino)”

  1. Yvonne Antworten

    Auch wenn der Plot sehr verschachtelt ist, hat mich die Geschichte angesprochen. Vor allem der Haupt-Erzählstrang um Rory und seinen alles bestimmenden Wunsch, Schriftsteller zu werden, fand ich sehr gelungen.

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