Cold Blood

Das Plakat von "Cold Blood" (Quelle:StudioCanal)

Das Plakat von “Cold Blood” (Quelle:StudioCanal)

Nachdem die Geschwister Addison (Eric Bana, „Troja“) und Liza (Olivia Wilde, „Wie ausgewechselt“) ein Casino überfallen haben, müssen sie vor der Polizei flüchten. Auf dem Weg außer Landes haben die beiden einen Unfall, bei dem ein Polizist und ihr Fahrer sterben. Daraufhin setzen Liza und Addison ihren Weg nach Kanada getrennt fort: Der gewalttätige Addison hinterlässt auf seinem Weg eine Spur des Blutes; Liza hat das Glück, als Anhalterin vom ehemaligen Boxer und Häftling Jay (Charlie Hunnam, „The Ledge – Am Abgrund“) mitgenommen zu werden, der auf dem Weg zu seinen Eltern (Sissy Spacek und Kris Kristofferson) ist, die in der Nähe der Grenze wohnen. Währenddessen kommt die talentierte Polizistin Hannah (Kate Mara, „Shooter“) dem kriminellen Geschwisterpaar immer näher. Sie wird aber immer wieder durch ihren Vater, den ermittelnden Sheriff Becker (Treat Williams, „Es war einmal in Amerika“) zurückgeworfen, da der Vorzeigemacho sie nur für Büroarbeit einsetzen möchte. An Thanksgiving kommt es dann zu einem Zusammentreffen der Beteiligten im Haus von Jays Eltern.

Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky ist den meisten deutschen Filmfans seit dem Ärztehorror „Anatomie“ mit Franka Potente und Benno Führmann aus dem Jahr 2000 bekannt. 2008 folgte Ruzowitzkys internationaler Durchbruch, als sein NS-Drama „Die Fälscher“ den Oscar als „Bester ausländischer Film“ gewinnen konnte. Daher war es auch nur eine Frage der Zeit, bis Ruzowitzky den Sprung nach Hollywood wagt, der ihm mit diesem Gangster-Episodenfilm durchaus gelungen ist. Gleich zu Beginn wird mit dem Unfall in der schneebedeckten, atmosphärischen Landschaft ein düsterer Grundton für den Film gelegt, der nur bei der arg blumig erzählten Liebesgeschichte von Liza und Jay nicht beibehalten wird. Leider kommt „Cold Blood“ nicht ohne Klischees aus: So muss das Südstaatengeschwisterpaar Addison und Liza ein leicht inzestuöses Verhältnis haben. Darüber hinaus ist es in der Originalfassung störend, dass die New Yorkerin Olivia Wilde und der Australier Eric Bana doch hörbar nicht aus dem Süden der USA stammen. Dieses Problem wird aber bei der deutschen Synchronfassung wohl keine Rolle mehr spielen.

Jay greift die durchgefrorene Liza auf (Quelle:StudioCanal)

Jay greift die durchgefrorene Liza auf (Quelle:StudioCanal)

Der etwas andere Thanksgiving-Film

Trotz dieser kleineren Unzulänglichkeiten werden dem Zuschauer zahlreiche gut gelungenen Szenen geboten, die in einem grandiosen Finale beim Thanksgiving-Dinner ihren Höhepunkt finden. Dort schafft es dann auch Eric Bana, der zuvor als einsamer Cowboy etwas deplatziert gewirkt hatte, als aufgedrehter Soziopath zu gefallen. Olivia Wilde, die zuletzt einzig als Eyecandy in stumpfen Popcorn-Filmen wie „Cowboys und Aliens“ und „Tron:Legacy“ zu sehen war, zeigt sich hier von einer deutlich besseren Seite. Als psychisch etwas labile Femme Fatale darf sie einen gebrochenen Charakter spielen, dem sie aber voll und ganz gewachsen ist. Der Brite Charlie Hunnam hat sich nicht zuletzt durch seine Rolle als Biker Jax in der Serie „Sons of Anarchy“ für etwas wilde Figuren mit gutem Kern nachhaltig empfohlen. Auch der Boxer Jay, der wegen Betruges im Gefängnis saß, passt wieder absolut in diese Kategorie. Daher ist es also kein Wunder, dass auch Hunnam hier überzeugen kann. Kate Mara bleibt hingegen, wie ihr gesamter Handlungsstrang, etwas blass.

Stefan Rutzowitzky erklärt Eric Bana seine Vorstellungen (Quelle:StudioCanal)

Stefan Rutzowitzky erklärt Eric Bana seine Vorstellungen (Quelle:StudioCanal)

Wesentlich stärker agieren die Hollywood-Veteranen Kris Kristofferson und Sissy Spacek. Trotz recht geringer Spielzeit kann Spacek der Mutter June eine unglaubliche Güte und Wärme verleihen und Kristofferson glänzt als gealterter und frustrierter Chet, der Probleme hat, mit seinem Sohn zu kommunizieren. Treat Williams komplettiert in wenigen Szenen den sehr prominenten Cast.

Mit „Cold Blood“ oder „Deadfall“, wie er im Original heißt, ist Stefan Ruzowitzky sein Hollywood-Debüt gelungen. Der kühle Episodenfilm, bei dem es im Kern um familiäre Probleme geht, hätte sogar das Potenzial gehabt, ein sehr guter Thriller zu werden, was aufgrund kleiner Fehler nicht gänzlich gelungen ist. Was bleibt ist immer noch spannende Unterhaltung mit überzeugenden Schauspielern.

3,5 von 5 Punkten


Quelle:Kinowelt, StudioCanal, YouTube

Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade

Originaltitel:Deadfall
Regie:Stefan Ruzowitzky
Darsteller: Eric Bana, Olivia Wilde, Kris Kristofferson, Charlie Hunnam
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2012
Verleih:StudioCanal
Länge:95 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart: 22.11.2012

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