Review: Pieta (DVD)

Das DVD-Cover von „Pieta“ (Quelle: MFA+ Filmdistribution)

Das DVD-Cover von „Pieta“ (Quelle: MFA+ Filmdistribution)

Inhalt: Als rücksichtsloser und gewalttätiger Schuldeneintreiber sorgt Lee Kang-do (Lee Jeong-jin) bei seinem Arbeitgeber, einem Kredithai, für volle Kassen. Schuldner, denen die Zinslast über den Kopf wächst, verstümmelt er, um die Prämie der Unfallversicherung abzuräumen. Plötzlich jedoch taucht eine Frau (Cho Min-soo) auf, die behauptet, seine Mutter zu sein. Nach anfänglicher wütender Ablehnung und Gewalt nimmt er die fremde Mi-sun an, die ihn fortan rührend umsorgt. Kang-do beginnt sich zu verändern und gibt seinen Job als Schuldeneintreiber auf. Auf dem Höhepunkt des neu gewonnenen Familienglücks verschwindet Mi-sun ohne jede Spur, Kang-do vermutet die Rache eines seiner Opfer. Auf seiner hasserfüllten Suche tritt dann ein schreckliches Geheimnis zu Tage.

 

Kritik: Der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk erreichte mit seinen Filmen, neben Filmemachern wie Park Chan-wook („Oldboy“, „I’m a cyborg but that’s OK“) und Kim Ji-woon („The Good, the Bad, the Weird“, „Last Stand“), schnell internationale Bekanntheit. So wurde beispielsweise sein drittes Werk „Birdcage Inn“ im Jahr 1999 in den Wettbewerb der Berlinale aufgenommen, während „Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling“, der in einer Art Melodie des Lebens die Geschichte eines buddhistischen Mönchs und seines Schülers erzählt, unter anderem einen Chlotrudis Award als „Bester Film“ erhielt.

Für das urbane Märchen „Bin-jip – leere Häuser“ erhielt der 1960 geborene Kim Ki-duk den Silbernen Löwen für die „Beste Regie“ bei den Filmfestspielen in Venedig. Den Goldenen Löwen bescherte ihm 2012 „Pieta“, dessen italienischer Titel unter anderem mit „Barmherzigkeit“ oder „Frömmigkeit“ übersetzt werden kann und in der bildenden Kunst das bekannte Motiv der Mutter Maria darstellt, die trauernd den gekreuzigten Jesus auf ihrem Schoß hält.

Kang-do und Mi-sun genießen einen gemeinsamen Tag. (Quelle: MFA+ Filmdistribution)

Kang-do und Mi-sun genießen einen gemeinsamen Tag. (Quelle: MFA+ Filmdistribution)

Zwischen Kälte und Wärme, Nähe und Trennung

Die Geschichte um die Beziehung von Kang-do und Mi-sun zeigt einen verstörenden Wandel von Gefühlen. Zu Beginn spürt der abgehärtete Kang-do nichts – kein verzweifeltes Flehen seiner Opfer oder deren Angehöriger kann ihn erweichen. Lee Jeong-jin inszeniert seinen skrupellosen Charakter so perfekt, dass es den Zuschauer wenig wundert, dass er die Frau, die ihn verfolgt und sich als seine Mutter ausgibt, schlägt und sogar vergewaltigt.

Den Hass auf sie, die ihn nach der Geburt im Stich gelassen hat, kann der verrohte Schuldeneintreiber kaum anders äußern. Nachdem die fremde Frau jedoch auch nach der Vergewaltigung nicht nachgibt und am nächsten Morgen mit gütigem Lächeln und einem gemachten Frühstück auf Kang-do wartet, beginnt er, ihr zu vertrauen. Hier zeigt sich das Spieltalent Lee Jeong-jins und Cho Min-soos, die ihre Charaktere an einem gemeinsam verbrachten Ausflugstag vor Glück strahlen lassen, nur um kurz darauf mit dem Verschwinden Mi-suns ganz andere, divergierende Facetten zu zeigen.

Auch die Nebendarsteller, vor allem die Opfer des Schuldeneintreibers wie Woo Ki-hong und Kwon Yool, beeindrucken in ihren Rollen. Interessant und durchaus typisch für viele südkoreanische und japanische Dramen ist die nahezu völlige Abwesenheit von musikalischer Untermalung, die vor allem den gewalthaltigen Szenen eine starke Authentizität verleiht. Ebenfalls sehr authentisch wirkt der Spielort: Kim wählte für seinen als Kapitalismuskritik entworfenen Film „Pieta“ den verfallenden Seouler Stadtteil Cheonggyecheon, einen ehemals traditionsreichen Industriestandort, der jedoch durch die Ausbreitung moderner Hochhäuser mittlerweile bedroht ist.

„Pieta“ zeigt sich als würdiger Vertreter des modernen asiatischen Rachekinos: Hier mangelt es weder an Gewalt noch an Intensität. Neben dem spannenden Verlauf wartet Kim Ki-duks achtzehntes Werk zudem vor allem mit einer interessanten Geschichte einschließlich raffiniertem Ende auf. Als etwas problematisch erweist sich jedoch die Distanz zu den Figuren, die das Schicksal der Hauptfiguren für den Zuschauer teilweise nah am Rand der Gleichgültigkeit schwanken lässt. Die emotionale Nähe zu den Nebenfiguren – beispielsweise zu dem säumigen Schuldner, der sich für die finanzielle Zukunft seines noch ungeborenen Kindes auch noch seine zweite Hand zertrümmern lassen will – ist hierfür wiederum umso größer und unterstreicht die teuflische Macht des Kapitalismus. Insgesamt zeigt sich „Pieta“ als sehr sehenswert. Wer sich jedoch erst an asiatische Rachefilme herantastet, sucht besser an anderer Stelle: Als Einstieg in den regionalen Genrefilm sei beispielsweise die ebenso beeindruckende Rachetrilogie von Park Chan-wook („Sympathy for Mr. Vengeance“, Oldboy“, Lady Vengeance“) empfohlen.

Kang-do macht während seiner Arbeit vor nichts Halt. (Quelle: MFA+ Filmdistribution)

Kang-do macht während seiner Arbeit vor nichts Halt. (Quelle: MFA+ Filmdistribution)

„Pieta“ ist ab dem 23.04.2013 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

 

Bild: Das DVD-Material zeigt ein sehr gutes Bild mit erstaunlicher Schärfe. Nur das leichte Kantenflimmern in wenigen Szenen trübt den guten Eindruck.

4 von 5 Punkten

Ton: Der Ton wird in gut abgemischtem DD 5.1 mit deutscher oder koreanischer Tonspur (mit deutschen Untertiteln) präsentiert.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Eine magere Trailershow mit vier Clips ist das einzige Extra. Wer mehr über den Regisseur Kim Ki-duk erfahren möchte, sollte sich die Blu-ray-Special Edition zulegen, die in der umfangreichen Dokumentation „Arirang“ von dessen Leben und Schaffen erzählt.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: MFA Film, YouTube

Pieta

Originaltitel:Pieta
Regie:Ki-duk Kim
Darsteller:Min-soo Jo, Eunjin Kang, Jae-rok Kim
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:Südkorea, 2012
Verleih:MFA Film
Länge:104 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

 

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