Review: Only God Forgives (Kino)

Das Plakat von "Only God Forgives" (Quelle: Tiberius Film)

Das Plakat von „Only God Forgives“ (Quelle: Tiberius Film)

Vor 10 Jahren hatte Julian (Ryan Gosling, „The Place Beyond the Pines “) jemanden umgebracht und musste daraufhin in Bangkok untertauchen. Gemeinsam mit seinem Bruder Billy (Tom Burke, „Cleanskin – Bis zum Anschlag“) betreibt er ein Box-Club, der aber nur Umschlagplatz für die Drogengeschäfte ihrer dominanten und gefühlskalten Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas, „Der englische Patient“) ist. Eines Tages vergewaltigt und tötet Billy eine 16-jährige Prostituierte. Im Zuge des Abends wird Billy selbst vom Vater der Toten erschlagen. Daraufhin reist Crystal aus den USA an, um von Julian Rache für den toten Bruder einzufordern, die dieser zunächst verweigert. Als dann aber Chang (Vithaya Pansringarm, „Hangover 2“), ein ehemaliger Polizist mit dem Hang zur Selbstjustiz auftaucht, um in der Unterwelt aufzuräumen, wird Julian hellhörig. Der „Angel of Vengeance“, der mit für Billys Tod verantwortlich war und Julian geraten immer weiter in eine Spirale der Gewalt, die auf eine blutige Konfrontation hinausläuft.

Im Jahr 2011 hatte Nicholas Winding Refn mit dem meisterhaften „Drive“ Fans auf der ganzen Welt begeistert und in Cannes den Regie-Preis abgeräumt. Der heiß erwartete Nachfolger wird die Mainstream-Zuschauer wohl enttäuschen, da dieses brillant bebilderte, extrem brutale Arthouse-Werk nur einige ästhetische Gesichtspunkte mit „Drive“ teilt. Das fiebrig-atmosphärische Bangkok bildet eine tolle Grundlage für den hypnotischen Bildersog, den Refn hier entwickelt. Eine gradlinige Story ist hier ebenso wenig vorhanden wie deutlich festgelegte Charaktere. Es gibt kein Gut und Böse sondern nur Menschen, die in den brutalen Straßen überleben wollen. Hierbei bleibt nicht Platz, um über moralische Grundsätze nachzudenken. Wenn Crystal erfährt, dass Billy ein junges Mädchen vergewaltigt und ermordet hat, tut sie das nur mit einem „I’m sure, he had his reasons“ ab.

Träume, Blut und Ödipus

Julian im Restaurant (Quelle: Tiberius Film)

Julian im Restaurant (Quelle: Tiberius Film)

Es entwickelt sich ein Film, der ebenso beeindruckend, wie zutiefst abstoßend ist.Dabei schert sich Refn weder um Erwartungen, noch um Konventionen. Es entstehen intensive Traumwelten, die der Zuschauer ansonsten vielleicht aus „Enter the Void“ oder einigen David Lynch-Filmen kennt. Immer wieder kommt es zu heftigen Gewaltexplosionen, die wohl ihren Höhepunkt haben als Chang einen Drogendealer (Byron Gibson) mit allerhand spitzen Gegenständen malträtiert. Ähnlich verstörend ist das Mutter-Sohn-Verhältnis in „Only God Forgives“. Die herrische Crystal kontrolliert ihren Sohn nach Belieben, führt ihn vor und demütigt ihn, was er nicht anders kennt. Manche Gespräche gleiten ins Inzestuöse ab (beispielsweise wenn Crystal über die Penisse ihrer beiden Söhne philosophiert) und einige Bilder sind in diesem Zusammenhang schon mehr als zweideutig zu verstehen.

Der Rächer und sein Schwert (Quelle: Tiberius Film)

Der Rächer und sein Schwert (Quelle: Tiberius Film)

Ansonsten fließt das Blut in Strömen und es wird teilweise minutenlang kein Wort gesprochen. Es ist alles sehr künstlerisch gehalten in diesem in diesem perfekt durchkomponierten Schaulaufen des Bizarren. Ryan Gosling ist wahrscheinlich der einzige Schauspieler, der diesen stillen, aber trotzdem charismatischen Hauptcharakter so spielen kann. Im Gegensatz zu seiner Figur aus „Drive“ ist Julian aber ein weicher Typ, der sich nicht wirklich selbst verteidigen kann. Kristin Scott Thomas ist so böse und hart, wie man sie wahrscheinlich noch nie erlebt hat. Ihr rabiates Auftreten sorgt mit für den bedrückenden Ton des Filmes. Vithaya Pansringarm spielt mit dem Rächer einen klassischen und typischen Charakter des populären asiatischen Kinos und gefällt dabei ausnahmslos.

„Only God Forgives“ hat schon in Cannes die Massen gespaltet und das wird auch beim Kinopublikum nicht anders sein. Nicholas Winding Refn kehrt zu seinen Arthouse-Wurzeln („Bronson“) zurück und bietet eine unglaubliche Bilderflut, die von einem starken Score zusammengehalten wird. Die Abwesenheit einer klaren Geschichte stört den Unterhaltungswert aber schon deutlich. So wird der Zuschauer für 90 Minuten Zeuge eines Kunstprojektes, welches ihn zwischen Euphorie und Ekel gefangen hält und nachdenklich zurücklässt.

3,5 von 5 Punkten


Quelle Sunfilm, YouTube

Only God Forgives

Originaltitel:Only God Forgives
Regie:Nicholas Winding Refn
Darsteller:Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Yayaying Rhatha Phongam |
Genre:Thriller, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:Tiberius Film
Länge:90 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:18.07.2013
Facebook-Page:Der Facebook-Auftritt von "Only God Forgives"

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