Review: Liebe und andere Turbulenzen (Kino)

Paolo und Greta kuscheln auf einer Parkbank (Quelle: Warner Bros. Pictures Germany)

Paolo und Greta kuscheln auf einer Parkbank (Quelle: Warner Bros. Pictures Germany)

Inhalt: Der gutmütige Busfahrer Paolo (Vincenzo Amato, „Haben Sie das von den Morgans gehört?“) fährt täglich Touristen durch Paris, dass für ihn nicht mehr als ein zweitklassiges Rom darstellt. Neben seiner Arbeit hat er einen großen Erfolg zu feiern: Endlich hat er sich mit seiner großen Liebe, der deutschen Stewardess Greta (Nora Tschirner, „Keinohrhasen“), verlobt. Kaum haben die Heiratsplanungen begonnen, begegnet er der charmanten Französin Cécile (Louise Monot, „OSS 117“), die ihn während einer Tour von ihrem Fahrrad aus anlächelt. Cécile ist alleinerziehende Mutter und arbeitet als Werbemodel, weswegen sie von Termin zu Termin hetzen muss. In den nächsten Tagen kriegt Paolo sie nicht mehr aus ihrem Kopf.

Er ist verzweifelt, da er ja eigentlich nur Augen für seine Greta haben sollte. Sein bester Freund Derek (Paddy Considine, „Yorkshire Killer 1980“), ein notorischer Schürzenjäger, gibt ihm den fatalen Tipp, sich mit der unbekannten Schönheit zu treffen, um seine Träumereien von der Realität einfangen zu lassen. Als Paolo seinen Schwarm das nächste Mal auf ihrem Fahrrad sieht, versucht er sie anzusprechen. Leider gelingt das alles andere als gut, da er Cécile bei dem Versuch mit seinem Bus anfährt. Um sein Gewissen zu beruhigen, kümmert sich Paolo darum, dass es der Familie gut geht: Er bringt die Kinder zur Schule, kocht Essen und schmeißt den Haushalt. Da er seine temperamentvolle Freundin nicht beunruhigen will, tut er all das ohne ihr Wissen. Die zu Beginn kleine Lüge übernimmt schon bald Kontrolle über Paolos Leben.

 

Paolo entdeckt "sein" Mädchen auf dem Fahrrad (Quelle: Warner Bros. Pictures Germany)

Paolo entdeckt “sein” Mädchen auf dem Fahrrad (Quelle: Warner Bros. Pictures Germany)

Kritik: Drehbuchautor Jeremy Leven („Wie ein einziger Tag“) nahm nach „Don Juan de Marco“ mit Faye Dunaway, Marlon Brando und Johnny Depp aus dem Jahr 1994 erst zum zweiten Mal auf dem Regiestuhl Platz. Natürlich verfasste er das Skript gleich wieder selbst. Der amerikanische Wahl-Pariser hatte hier eine internationale Beziehungskomödie im klassischen Stil inszenieren und gleichzeitig frischen Wind ins Genre bringen wollen. Er wurde dabei durch RomCom-affine deutsche Filmförderer unterstützt. Schnell fällt aber auf, dass das Skript rund um den mit zwei Love Interests überforderten Paolo ebenso lahm wie überkonstruiert wirkt. Es gibt zu viele Figuren, die größtenteils weder besonders sympathisch noch besonders originell sind, was sich auch auf die relativ maue Trefferquote bei den Witzen auswirkt. Die krampfhaft auf niedlich getrimmten Kinder sorgen auch nicht für eine Aufwertung der Geschichte.

Ein Hoch auf die englisch-deutsche Ehrenrettung

Derek muss Greta Rede und Antwort stehen (Quelle: Warner Bros. Pictures Germany)

Derek muss Greta Rede und Antwort stehen (Quelle: Warner Bros. Pictures Germany)

Vincenzo Amato wirkt als Busfahrer Paolo viel zu selbstverliebt, als das der Zuschauer Mitgefühl für seine Probleme entwickeln könnte. Vielmehr nervt der infantile Egoist bei einigen ordentlichen Szenen seiner Kollegen. Nora Tschirner kann als kess-charmante Stewardess weit besser gefallen. Sie hat sich inzwischen weiterentwickelt und übernimmt hier eine weitaus erwachsenere Rolle, als die Zuschauer es bislang von ihr gewöhnt waren. Dazu sorgt sie mit ihrer unverwechselbaren Mimik für einige der stärksten Szenen im Film. Die schnuckelige Französin Louise Monot darf einige liebenswerte Ansätze von Slapstick-Comedy zeigen, bleibt ansonsten eher blass. Neben Tschirner sticht am ehesten noch Paddy Considine aus dem Cast heraus. Der Brite zeigt als dreifach geschiedener Möchtegern-Rocker Derek, der mit seinen Ratschlägen Paolo immer weiter ins Verderben führt, seinen landestypisch trockenen Humor. Trotz relativ geringer Spielzeit wird er so zur deutlich lustigsten Figur des Filmes.

Mit Dereks Spruch „Es wird immer ein Mädchen auf einem Fahrrad geben.“ ist in gewisser Weise schon das ganze Problem von „Girl on a Bicycle“ (so der Originaltitel) erzählt: Die geplant kuriose Geschichte ist relativ alltäglich und trotzdem nicht wirklich glaubwürdig. Trotz einiger netter Szenen und den gut aufspielenden Nora Tschirner und Paddy Considine bleibt „Liebe und andere Turbulenzen“ langatmig und nicht besonders lustig.

2 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros. Pictures Germany,YouTube

Liebe und andere Turbulenzen

Originaltitel:Girl on a Bicycle
Regie:Jeremy Leven
Darsteller:Vincenzo Amato, Nora Tschirner, Paddy Considine
Genre:Komödie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2012
Verleih:Warner Bros. Pictures Germany
Länge:101 Minuten
FSK:ab 0 Jahren
Kinostart:07.03.2013
Homepage:Der Internetauftritt von "Liebe und andere Turbulenzen"

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.03.2013
Liebe und andere Turbulenzen (Kino)

2 comments on “Review: Liebe und andere Turbulenzen (Kino)”

  1. Frank Blum Antworten

    Ganz meine Meinung. “Turbulenzen” ist ein völlig überflüssiger Film, du bist fast noch zu diplomatisch.

    • Thomas Antworten

      Hatte was von einem “Sat 1 Film Film” :-D Könnte aber trotzdem ganz gut laufen, da es halt komplett auf Mainstream gebürstet ist (und an die Filme von Leuten erinnert, die keine Presse mehr in ihre “Werke” lassen ;-))

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