Review: Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel (Kino)

Das Plakat von "Kohlhaas oder die Verhältnismäßgkeit der Mittel" (Quelle: Missingfilms)

Das Plakat von “Kohlhaas oder die Verhältnismäßgkeit der Mittel” (Quelle: Missingfilms)

Inhalt: In der bayrischen Provinz will der Jungregisseur Lehmann (Robert Gwisdek, „Das Wochenende“) „Michael Kohlhaas“ von Heinrich Kleist als Historienepos verewigen. Doch am ersten Tag springen die Produzenten ab, weswegen der Film von jetzt auf gleich ohne Finanzierung dasteht. Zerknirscht bringt Lehmann seinen Schauspielern die neue Situation bei, woraufhin ein großer Teil der Besetzung aussteigt. Die anderen erklären sich dazu bereit, alleine mit ihrer Darstellungskraft der nun mittellosen Vision des Regisseurs zu folgen. Unterstützung bekommt das Filmteam in dem kleinen Dorf Speckbrodi, dessen Bürgermeister Heinrich (Michael Fuith, „Michael“) ein passionierter Laiendarsteller ist. Mit einem Ochsen als Pferd, imaginären Schwertern und selbst gestrickten Kettenhemden beginnt der Dreh, bei dem sich selbst die einheimischen Gastdarsteller über fehlende Professionalität beschweren. Obwohl das Projekt tagtäglich vor dem Scheitern steht, lässt sich Lehmann nicht von seinem unerschütterlichen Optimismus abbringen, was ihm auf Dauer genauso viele Bewunderer wie Feinde einbringt.

 

Kritik: Eher aus der Not geboren, entstand dieser Film. Nahezu ohne Förderung brauchte HFF-Student Aron Lehmann einen Spielfilm, um seinen Abschluss machen zu können. Aus dieser Not hat er nicht nur eine Tugend, sondern einen der feinsinnig-witzigsten deutschen Filme der vergangenen Jahre gemacht. Ohne Angst vor falschen Peinlichkeiten erzählt er eine Geschichte von Träumen und Ambitionen, die aber im Hinblick auf die deutsche Filmlandschaft nicht einer gewissen Tragik entbehrt. Aber in erster Linie ist das herrlich absurde Treiben in „Kohlhaas“ einfach nur unglaublich komisch. Mit entspannter Hand inszeniert Lehmann diese augenzwinkerde Geschichte, die von Humor und Figuren her an britische Produktionen erinnert.

Kleines Budget, großer Spaß

Der Kohlhaas und sein falsches Pferd (Quelle: Missingfilms)

Der Kohlhaas und sein falsches Pferd (Quelle: Missingfilms)

Auch in Wahrheit gab es kein Geld, um die Schauspieler zu bezahlen. Mit einem kreativen und pointierten Drehbuch konnte trotzdem gleich eine ganze Reihe an bekannten Schauspielern verpflichtet werden. Robert Gwisdek, der Sohn von Michael Gwisdek und Corinna Harfouch, glänzt hier als ambitionierter Regisseur, der sich einfach durch keinen Rückschlag abschrecken lassen möchte. Während des gesamten Films sprüht Gwisdek nur so vor Spielwitz. Jan Messutat macht als cholerischer Kohlhaas-Darsteller, der auf einem Ochsen durch die Gegend reitet, ebenfalls sehr viel Spaß. Thorsten Merten („Stilles Land“) gefällt als gutherziger Herse, der mit dem Verlauf der Produktion immer verzweifelter wird. Rosalie Thomass scheint ein gutes Gefühl für hervorragende, etwas abseitige Komödienstoffe zu haben. Nach „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ ist sie bereits zu zweiten Mal dieses Jahr in einer diesbezüglich auffälligen Produktion zu sehen. Sie spielt die stets gut gelaunte Darstellerin von Lisbeth, die mit Engels-gleichem Auftreten das ganze Chaos um sie herum unbeschadet zu ertragen scheint. Michael Fuith sorgt als herrlich provinzieller Bürgermeister für einige der besten Lacher im Film.

Noch erwartet die Besetzung die (erste) Hiobsbotschaft (Quelle: Missingfilms)

Noch erwartet die Besetzung die (erste) Hiobsbotschaft (Quelle: Missingfilms)

„Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ ist ein kleiner, aber sehr feiner Film, der Zeug zur Kultproduktion hat. Regisseur Arno Lehmann macht hier mit dieser wunderbar anderen Komödie auf sich aufmerksam, die zu der hohen Gagdichte und den tollen Szenen (beispielsweise wenn die ganze Truppe mit unsichtbaren Schwertern gegen Baumgegner kämpft) auch einige ernsthafte Töne anschlägt. Dabei erfährt der Zuschauer einiges über die Produktion von Filmen, ohne das Lehmann das nicht ganz so Medien-affine Publikum überanspruchen würde. Es ist zu hoffen, dass diese Komödie in einer Zeit, wo fast nur noch anspruchsarme Romantikkomödien für deutsch produzierte Lacher sorgen sollen, die verdiente Anerkennung vom Publikum bekommt. Wir dürfen jetzt schon gespannt sein, was uns Aron Lehmann als Nachfolger präsentiert. Einfach wird es dieser Film nach so einem überzeugenden Erstling nicht haben.

4 von 5 Punkten


Quelle: Missing Films, YouTube

Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel

Originaltitel:Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel
Regie:Arno Lehmann
Darsteller:Robert Gwisdek, Thorsten Merten Roslaie Thomass
Genre:Tragikomödie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2011
Verleih:Missingfilms
Länge:90 Minuten
FSK:ab 0 Jahren
Kinostart:08.08.2013
Homepage:Der Internetauftritt-Auftritt von "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel"

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.08.2013
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