Review: Jackie Brown (Blu-ray)

Die "TarantinoXX"-Blu-ray-Box zum Dienstjubiläum des Regie-Großmeisters (Quelle: StudioCanal)

Die “TarantinoXX”-Blu-ray-Box zum Dienstjubiläum des Regie-Großmeisters (Quelle: StudioCanal)

Inhalt: Jackie Brown (Pam Grier „No Tomorrow”), eine 44 Jahre alte Stewardess, hat den Traum vom besseren Leben eigentlich schon aufgegeben. Sie fliegt für eine billige Airline und verdient sich als Drogenkurier ein bisschen Geld nebenher. Ihr Auftraggeber ist der Waffenschieber Ordell (Samuel L. Jackson „Pulp Fiction“). Er ist dick im Geschäft und unterhält mit seinem Geld ein paar hörige Frauen. Außerdem sorgt er dafür, dass seine Dealer stets ihre Arbeit leisten.

Als Ordell seinem Freund Louis (Robert de Niro „Casino“) und der stets leicht bekleideten Melanie (Bridget Fonda „Der einfache Plan”) von ein paar großen Deals erzählt, durch die er 500 000 Dollar in Mexico bunkern konnte, bekommt er einen Anruf von Beaumont (Chris Tucker „Rush Hour”). Beaumont ist einer von Ordells Helfern und wurde wegen Trunkenheit am Steuer von der Polizei festgenommen. Ordell hinterlegt bei dem Kautionsvermittler Max (Robert Forster „The Descendants“) 10 000 Dollar, damit Beaumont wieder auf freien Fuß kommt. Aber nur, um ihn dann in seinem Kofferraum zu erschießen.

Kritik: Währenddessen wird Jackie Brown am Flughafen von den beiden FBI Agenten Mark Dargus (Michael Bowen) und Ray Nicolette (Michael Keaton) festgenommen. Die Detectives interessieren sich aber weniger für die Stewardess, als für ihren Boss Ordell. Als Jackie beharrlich schweigt, wird sie wegen Drogenbesitzes ins Gefängnis gebracht. In ihrer Tasche wurde ein Tütchen Kokain gefunden, das als Geschenk für Melanie gedacht war. Special Agent Nicolettes möchte unbedingt an Ordell herankommen und handelt einen Deal mit Jackie aus, um dem Dealer auf die Schliche zu kommen. Doch die bodenständige Frau wittert ihre Chance auf das große Geld und hat ihren ganz eigenen Plan: Sie will das Geld aus Mexico von Ordell erpressen.

Die hübsche Stewardess Jackie Brown ist der Mittelpunkt des Films. (Bildquelle: StudioCanal)

Die hübsche Stewardess Jackie Brown ist der Mittelpunkt des Films. (Bildquelle: StudioCanal)

Tarantino zeigt sich von einer neuen Seite

Hier adaptiert Tarantino Elmore Leonards Bestseller “Rum Punch”. Jackie Brown ist äußerlich ein Krimi, lebt aber weniger von seiner Handlung, als von den starken Charakteren. Die Protagonisten stehen alle in einer duellierende Beziehung zueinander. Da gibt es Ordell, der über Frauen, seine Freunde und seine Angestellten dominiert und die Polizisten, die sich für den großen Coup auch mit einer Kleinkriminellen einlassen. Denen gegenüber steht Jackie Brown, die kluge und willensstarke Frau. Sie arbeiten alle an dem gleichen Auftrag, aber jeder mit einem anderen Ziel.
Wie immer in Tarantinos Filmen, fließt auch in „Jackie Brown“ Blut. Doch im Gegensatz zu seinen anderen Filmen, werden die Morde distanziert und ohne qualvolle Details präsentiert.

Bei dem Mord an Beaumont beispielsweise sieht man nur zwei blitzende Schüsse im Dunkeln. In diesem Thriller von Quentin Tarantino („Reservoir Dogs”) stehen sehr viel mehr die Charaktere und ihre Eigenschaften, als das Blutvergießen im Vordergrund, wobei Jackie Brown der besondere Mittelpunkt des Films ist. Sie wird ausführlich eingeführt und schnell wird deutlich, dass sie die Figuren in dem Katz und Maus Spiel setzt. Sie ist klüger als alle anderen und noch dazu hat sie den Vorteil, dass ihr genau das niemand zutraut.

Ordell prahlt bei Louis und Melanie mit seinen großen Geschäften. (Bildquelle: StudioCanal)

Ordell prahlt bei Louis und Melanie mit seinen großen Geschäften. (Bildquelle: StudioCanal)

An manchen Stellen könnte der Zuschauer fast meinen, dass Tarantino „Jackie Brown“ allein für Pam Grier produziert hätte. Viele Nahaufnahmen der hübschen, schwarzen Frau machen dem Zuschauer immer wieder bewusst, wer den Film und die Handlung eigentlich dominiert. Pam Grier spielt ihre Jackie genauso energisch, klug und umwerfend wie es ihr Charakter verlangt. Sie liefert über die ganze Länge des Films hinweg eine großartige Leistung hab, sodass dem Zuschauer schnell klar wird, warum Quentin Tarantino sie so stark in den Mittelpunkt stellt. Auchder zuvor von der großen Hollywood-Bühne verschwundene Robert Forster ist so gut wie niemals zuvor. Als alternder Kautions-Agent vermittelt er die Verlorenheit eines Mannes, der etwas in seinem Leben verpasst hat. Das Glänzen in seinen Augen vermittelt dabei den Drang, es noch einmal beweisen zu wollen, durch das er ein hohes Identifikations-Potenzial bietet. Seine tolle Leistung wurde mit einer Oscar-Nominierung honoriert.

Aber auch die restliche Besetzung des Films ist gekonnt ausgewählt. Gerade Samuel L. Jackson macht jeden Tarantino Film noch ein Stück besser, als er es ohnehin schon ist. Robert de Niro ist in seiner Rolle des simpel gestrickten Louis eher ungewohnt besetzt, meistert die Aufgabe aber grandios und gehört zweifellos zu den Highlights des Filmes. Auch die unterschätzte Bridget Fonda kann als verkifftes Surfer-Girl Melanie beeindrucken.

Jackie Brown ist ein Film, der nicht nur gegen Regeln seiner Zeit, sondern vor allem auch gegen den Stil anderer Filme von Tarantino arbeitet. Der Film, der sich fast einzig und allein um Pam Grier dreht, ist actionarm, verzichtet auf komplizierte Handlungsstränge und setzt dafür voll und ganz auf seine Charaktere. Die Szene im Kaufhaus wird sehr lang gezogen und aus drei Perspektiven gezeigt. Sie ist der Höhepunkt, aber auch der langsamste Punkt des Films. Allerdings darf diese Zurückhaltung nicht mit Langeweile verwechselt werden.

Die detaillierte Einführung der Charaktere macht es dem Zuschauer leichter die Perspektive der Protagonisten zu erkennen. In den feinen Details des Films offenbart sich erst seine wahre Stärke. Besonders die grandiosen Dialoge, mit einigen Zitaten aus der Popkultur und viel schwarzem Humor machen den Film zu einem Gangsterkrimi der anderen Art. Die raffinierten Einfälle Tarantinos, der Soul-Soundtrack und die nachhaltige Atmosphäre des Films machen „Jackie Brown“ zu einem Kult-Klassiker, der auch 15 Jahre nach seinem Kinodebüt noch zu empfehlen ist.

Die “Tarantino XX”-Box ist ab dem 10.01.2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich

4,5 von 5 Punkten

 

Die Version in der Box ist inhaltsgleich mit der Special Edition der "Jackie Brown"-Blu-ray (Bildquelle: StudioCanal)

Die Version in der Box ist inhaltsgleich mit der Special Edition der “Jackie Brown”-Blu-ray (Bildquelle: StudioCanal)

Bild: „Jackie Brown“ wurde in 1.85:1 codiert. Das Bild wurde für die Blu-Ray nicht nachgeschärft, um den 70er Jahre Stil beizubehalten. Das passt hervorragend zum Stil des Films, sorgt aber natürlich für ein paar Schwächen in der Bildübertragung. Die Farbgebung wurde ein wenig in Richtung erdigerer Farbtönen gezogen. Die Kontrastwerte schwanken zwischen gut und sehr gut. Der Schwarzwert ist in Ordnung.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der Ton ist sowohl in Deutsch, als auch in Englisch in HD 5.1 verfügbar. Der Klang des guten Soundtracks kommt sehr gut zum Tragen und auch die Dialoge sind deutlich zu verstehen. Alle Boxen werden ausgenutzt und gerade die Schussszenen bringen den Surround gut zum Einsatz.

4 von 5 Punkten

Extras: Die Blu-ray enthält eine große Menge an Extras. Eine 45-minütige Analyse-Talk-Runde “Breaking Down Jackie Brown”, eine Ansammlung interessanter Featurettes unter “Jackie Brown: Wie es ablief”, ein 55 Minuten Interview mit Quentin Tarantino, das komplette “Chicks with Guns”-Video aus dem Film, einige geschnittene und alternative Szenen, eine Filmkritik von Siskel und Ebert “At the Movies”, einige MTV-Interviews, Teaser, Trailer und haufenweise Fotogalerien, eine mit einem Trivia-Track unterlegte Version des Filmes und eine Kapitelauswahl für den Soundtrack geben mehr als genug Zusatzinformationen.

5 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Quelle:filmreporter.de, StudioCanal, YouTube

Jackie Brown

Originaltitel:Jackie Brown
Regie:Quentin Tarantino
Darsteller:Pam Grier, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Forster
Genre:Krimi, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 1997
Verleih:StudioCanal
Länge:154 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

 

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.01.2013
Review: Jackie Brown (Blu-ray)

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