Review: Fair Game (Blu-ray)

Joseph und Valerie nehmen es mit dem Weißen Haus auf (Quelle: Himeister)

Die toughe Valerie Plame (Naomi Watts, Anna aus „Tödliche Versprechen“) ist eine liebevolle Ehefrau und Mutter und eine international erfolgreiche CIA-Agentin. Kurz nach den Anschlägen vom 11.09. soll sie herausfinden, wie weit der Irak in seinem Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen ist. Nach monatelangen Recherchen kommt sie zu dem eindeutigen Ergebnis, dass alle Waffen und Anlagen im ersten Golfkrieg zerstört wurden und Saddam Hussein seitdem keine neue Produktion mehr angestrengt hat. Da ein Krieg mit dem Irak von der Bush-Regierung längst fest eingeplant ist, verdreht das Team von Vizepräsident Dick Cheney die Informationen so lange, bis sie als Beweis für ein Atomprogramm des Iraks durchgehen. Valeries Ehemann Joseph Wilson (Sean Penn, Oscar für „Milk“), ein ehemaliger amerikanischer Botschafter, ist dermaßen verärgert über das Verhalten von Cheneys Team, dass er in einem Artikel in der New York Times die Bush-Regierung als Lügner bloßstellt. Um den Image-Schaden in Grenzen zu halten und von Wilsons Artikel abzulenken, enttarnt Cheneys Stabschef Scooter Libby (David Andrews, Thomas aus „Fight Club“) vor der Presse Valerie als CIA-Agentin, was ihre Karriere beendet. Durch den Verlust von Valeries Geheimidentität geraten zahlreiche Menschen in Gefahr. Valerie und Joseph entschließen sich, dem Weißen Haus öffentlich die Stirn zu bieten, was ihr Privatleben auf eine harte Probe stellt.

Im Jahr 2003 sorgte diese Geschichte unter dem Namen „Plamegate“ am Rande des Irak-Kriegs für einen handfesten Skandal in den USA. Die Enttarnung einer Geheimagentin durch die Bush-Regierung bestimmte wochenlang die Medien. In Deutschland wurde der Fall weit weniger bekannt. Dass „Plamegate“ bis heute viele Demokraten beschäftigt bewies Action-Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“) 2010, als er dem kämpferischen Ehepaar ein filmisches Denkmal setzte. Im ersten Teil des Films lebt Liman seine Vorliebe für Agentengeschichten aus: Er führt Valerie als smarte Agentin ein, die in noch so aussichtslosen Situationen immer einen kühlen Kopf behält. Nach diesem Beginn, der eher an „James Bond“ als einen Politthriller erinnert, kommt der Film aber schnell in ein weniger fiktionales und packendes Fahrwasser. Gerade die Szenen, in denen Joseph und Valerie mit Freunden über Terrorismus diskutieren, aber aufgrund von Valeries Cover keine Insiderinformationen preisgeben können, verrät viel über die Schwierigkeiten, die ein Doppelleben als Agent mit sich bringt. Darüber hinaus stellt die Szene klar, wie chancenlos und uniformiert selbst Intellektuelle sind, wenn die Regierung sich dazu entschließt, ihnen die Wahrheit vorzuenthalten. Für diejenigen, die sich bislang weniger mit diesem Fall auseinander gesetzt haben, beginnt eine beispiellose  David/Goliath-Geschichte, die Liman erkennbar zur Abrechnung mit George W. Bush nutzt. So bleibt im Verlauf des Films die familiäre Geschichte etwas im Hintergrund.

Penn und Watts nutzen den Raum, den sie bekommen

Was für eine außergewöhnliche Schauspielerin Naomi Watts ist, wissen alle, die sie in „Mulholland Drive“ (2001), „21 Gramm“ (2003) oder „Tödliche Versprechen“ (2007) gesehen haben. Auch hier zeigt sie sich wieder von ihrer besten Seite und macht sowohl als (etwas stereotyp angelegte) coole Agentin, als auch als langsam verzweifelnder Familienmensch eine gute Figur. Speziell nach Valeries Enttarnung läuft Watts zur Hochform auf und zeigt ihr bekannt facettenreiches Spiel. Sean Penn, der auch privat politisch bekennend linksorientiert ist, geht in seiner Rolle als lauter und provokativer Demokrat voll auf. Der zweifache Oscar-Preisträger erweist sich als Idealbesetzung für die Darstellung des Joseph Wilson. In den Nebenrollen agieren Darsteller wie Sam Shepard („Brothers“) als Valeries Vater, Noah Emmerich („The Walking Dead“) als Valeries Chef und David Andrews als Scooter Libby durchgehend auf hohem Niveau, bleiben aber gegenüber Watts und Penn klar im Hintergrund.

„Fair Game“ ist ein gut inszenierter Politthriller, der allerdings einige Klischees bedient. Für politisch Interessierte erzählt Liman eine spannende und sehenswerte Geschichte, bei der sich der Regisseur voll auf seine beiden Stars verlassen kann.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Der Transfer bewegt sich in oberen Sphären. Klare kräftige Farben und ein detailreiches, scharfes Bild lassen praktisch keine Kritik zu. An ein paar Stellen wirkt das Bild etwas unruhig.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Der englische und deutsche Ton liegt in DTS-HD MA 5.1 vor. Natürlich ist dieser Politthriller kein mit Effekten gespicktes Werk, was der Qualität aber grundsätzlich keinen Abbruch tut. Allerdings stimmt die Tonabmischung nicht in allen Szenen, sodass es manchmal zu Unsauberkeiten in der Tonwiedergabe kommt.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Ein gelungenes Making Of, einige Interviews, eine B-Roll und Trailer bieten Standardware. Das Highlight der Extras ist ein Audiokommentar der echten Valerie Plame und Joseph Wilson.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Bildquelle: Tobis Film, YouTube

Fair Game

Originaltitel:Fair Game
Regie:Doug Liman
Darsteller:Naomi Watts, Sean Penn
Genre:Politthriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2010
Verleih:Tobis Film
Länge:108 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Offizielle Homepage zum Film:"Fair Game" Homepage

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