Review: Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Kino)

Das Kinoplakat von "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" (Quelle: Warner Bros.)

Das Kinoplakat von „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ (Quelle: Warner Bros.)

60 Jahre vor den Ereignissen von „Der Herr der Ringe“ überfällt der Drache Smaug (Stimme: Benedict Cumberbach, „Sherlock“) Erebor, die Stadt der Zwerge. Er bemächtigt sich des gewaltigen Schatzes und verjagt die Zwerge aus der Stadt, die fortan ohne Heimat, angeführt von ihrem tapferen Prinzen Thorin Eichenschild (Richard Armitage, „Captain America – The First Avenger“), über die Straßen irren. Der große Magier Gandalf der Graue (Ian McKellen, „X-Men“) möchte den Zwergen bei der Rückeroberung ihres Zuhauses helfen und sucht Unterstützung bei dem herzensguten, zurückgezogenen Bilbo Beutlin (Martin Freeman, „Der Weihnachtsmuffel“). Der kleingewachsene Hobbit soll sich in Erebor einschleichen. Nach einiger Bedenkzeit schließt sich Bilbo Gandalf und den 13 Zwergen für das größte Abenteuer seines Lebens an. Zwischen Orks, Steingiganten und Trollen bahnt sich die Truppe ihren Weg. Als Bilbo kurzzeitig von der Gruppe getrennt wird, trifft er das verschrobene Wesen Gollum (Andy Serkis), von dem er einen Ring mit übernatürlichen Fähigkeiten entwendet. Noch weiß er nicht, wie groß die Bedeutung dieses Rings für die Zukunft von Mittelerde sein wird.

Obwohl 2012 Filmereignisse wie „The Dark Knight Rises“, „The Avengers 3D“ oder „Prometheus“ im Kino liefen, kann ohne Umschweife behauptet werden, dass „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ der sehnlichst erwartete Film des Jahres war. Jahrelange Vorarbeit, der Einstieg des spanischen Meister-Regisseurs Guillermo del Toro, dessen Wiederausstieg und als Gipfel die Verpflichtung von „Herr der Ringe“-Schöpfer Peter Jackson, der aus J.R.R. Tolkiens relativ kurzem Kinder-Buch „Der kleine Hobbit“ mal eben Planungen für drei Filme erstellte. Neun Jahre nach „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ war nun der erste Teil des Prequels endlich fertig. Ausgestattet mit einem Rekord-Budget von 180 Millionen erwarteten Zuschauer und Produzenten nichts weniger als ein Stück Filmgeschichte von Peter Jackson. Diese gigantischen Erwartungen werden nach einer spektakulären Einführung, wo der Drache Erebor erobert, nur zum Teil erfüllt.

Bilbo, Gandalf und die Zwerge in Bruchtal (Quelle: Warner Bros.)

Bilbo, Gandalf und die Zwerge in Bruchtal (Quelle: Warner Bros.)

Gemächliches Tempo, ein neuer Superstar und HRF

Von der Dramaturgie müssen sich die „Herr der Ringe“-Fans sehr umgewöhnen, da statt der gewohnt düsteren Erzählstruktur ein kindgerechter, schon fast humoriger Ton angeschlagen wird, der auch eher zur Vorlage Tolkiens passt. Wie es auch zu erwarten war, wird die Geschichte besonders in der ersten Hälfte mit nahezu belanglosen Passagen ausgeschmückt, die die Geduld des Zuschauers beanspruchen. In der knackigen zweiten Hälfte kommt dafür mehr als genug Action zum Zug, die für das Warten entlohnt. Die Optik von „Der Hobbit“ ist eine Revolution: HRF (High Frame Rate) heißt das Zauberwort, durch das Jackson mit allen Sehgewohnheiten des Kinobesuchers bricht. 48 statt 24 Bilder in der Sekunde sollten ein realistischeres, plastischeres Seherlebnis bescheren. Tatsächlich ist es zu Anfang schwer, sich an diese (umstrittene) neue Art der Filmwiedergabe zu gewöhnen. Ist das aber erst einmal geschehen, liefert die HRF-Technik gepaart mit dem starken 3D eines der ungewöhnlichsten und spektakulärsten Seherlebnisse der Filmgeschichte. Die atemberaubenden Landschaften Neuseelands werden mit einer nie dagewesenen Tiefenschärfe präsentiert, was das Ganze zu einem optischen Hochgenuss macht.

Gollum mustert seinen Gegenüber (Quelle: Warner Bros.)

Gollum mustert seinen Gegenüber (Quelle: Warner Bros.)

Schauspielerisch hat der Film vor allem in der Hauptrolle mit Martin Freeman einen Darsteller zu bieten, dem hier der Sprung an die Spitze Hollywoods scheinbar mühelos gelingt. Freeman, der den meisten Zuschauer als Dr. Watson der“Sherlock“-Serie bekannt ist, spielt hier nicht nur einen Hobbit: Er wird zum Hobbit. Als liebenswerter Hasenfuß gefällt er auf ganzer Linie. Besonders sein Aufeinandertreffen mit Gollum gehört zu den Highlights des gesamten Filmes, was aber auch an der gewohnt grandiosen Motion Capture-Performance von Andy Serkis liegt. Auch Ian McKellen ruft in seiner Paraderolle Gandalf wieder einmal sein schier unerschöpfliches Potenzial ab. Von den etwas farblos geschriebenen Zwergen kann allenfalls Richard Armitrage einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Während der Passage in Bruchtal können Hugo Weaving, Cate Blanchett und Christopher Lee („Hugo Cabret“) Glanzpunkte setzen. Die Auftritte von Ian Holm und Elijah Wood fallen zu kurz aus, um ernsthaft bewertet zu werden.

Es muss konstatiert werden, dass „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ den immens hohen Erwartungen nicht ganz gerecht werden kann, da sich der erste Teil des Filmes zu sehr in die Länge zieht. Erst im späteren Verlauf erreicht das optisch brillante Fantasy-Abenteuer auch inhaltlich die Qualität von der „Herr der Ringe“. Die meisten Zuschauer warten jetzt schon sehnlich darauf, wie Peter Jackson seine Geschichte in „Der Hobbit: The Desolation of Smaug“ fortsetzen kann (Deutscher Kinostart: 12.12.2013).

4 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros., YouTube

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

Originaltitel:The Hobbit: An Unexpected Journey
Regie:Peter Jackson
Darsteller:Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage
Genre:Fantasy-Abenteuer
Produktionsland/-jahr:USA, Neuseeland 2012
Verleih:Warner Bros.
Länge:169 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:13.12.2012

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.12.2012
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