Review: 7 Psychos (Kino)

7 Psychos Kino-Plakat (Quelle: DCM Filmverleih)

7 Psychos Kino-Plakat (Quelle: DCM Filmverleih)

Bislang lief die Karriere von Drehbuchautor Marty (Colin Farrell, „London Boulevard“) allenfalls schleppend. Zu seiner neuen Drehbuchidee „7 Psychos“ fehlt ihm der Inhalt. Sein bester Kumpel Billy (Sam Rockwell, „Moon“) ist als Schauspieler ähnlich erfolglos wie Marty. Um sich finanziell über Wasser zu halten, entführt er gemeinsam mit seinem Komplizen Hans (Christopher Walken, „Die durch die Hölle gehen“) Hunde, die er dann für eine Belohnung zurückbringt. Als die beiden den Shih Tzu Bonny entführen, bekommt Marty bald mehr Material zum Schreiben, als ihm lieb sein kann: Bonny ist der geliebte Hundedes sadistischen und psychotischen Mafiabosses Charlie (Woody Harrelson, „Rampart“), der die Jagd auf Marty, Hans und Billy eröffnet. Plötzlich geht es um das blanke Überleben. Und dann erscheint auch noch der Sonderling Zachariah (Tom Waits) mit seinem weißen Kaninchen vor Martys Tür.

Im Jahr 2008 hatte der Londoner Martin McDonagh mit dem grotesken Gangsterfilm „Brügge sehen…und sterben?“ in dem zwei Profikiller (Colin Farrell und Brendan Gleeson) in die beschauliche belgische Stadt zwangsversetzt werden, ein brillantes Langfilmdebüt. Colin Farrell gewann für den Film den Golden Globe und McDonagh wurde für den Drehbuch-Oscar nominiert. Da war es natürlich fast unumgänglich, dass das Farrell auch im zweiten McDonagh-Film die Hauptrolle übernehmen wird. Schon in der ersten Szene wird klar, dass „7 Psychos“ nicht weniger abgedreht als sein Vorgänger wird. Zwei abgebrühte Profikiller (Michael Pitt und Michael Stuhlbarg aus „Boardwalk Empire“) tauschen sich unnachahmlich über technische Details ihrer Arbeit aus. Auf einmal endet die Unterhaltung ähnlich blutig wie ihr Inhalt. Dank der Film im Film-Ebene, in der Hauptfigur Marty im Prinzip das Drehbuch zum eigenen Werk schreibt, öffnet sich McDonagh Tür und Tor für ein Feuerwerk von wahnwitzigen Einfällen. Wer dabei bestechende Logik oder eine gradlinige Erzählstruktur erwartet, ist hier fehl am Platz.

Marty, Hans und Billy verstecken sich in der Wüste (Quelle: DCM Filmverleih)

Marty, Hans und Billy verstecken sich in der Wüste (Quelle: DCM Filmverleih)

Serienkiller, Haustiere und ein Bond-Girl

Nach der Einführung mit den beiden Profikillern reiht sich eine kuriose Szene an die nächste. Dabei wechseln sich aktuelle Erlebnisse, Rückblenden und fantasievolle Einfälle ab. Die Geschichte Billys, der von einem wortkargen Quäker mit Rachegelüsten erzählt, beschert Harry Dean Stanton(„Alien“) einen unvergesslichen Gastauftritt. Es wird sowohl mit Waffen als mit Worten brutal scharf geschossen. Der Film hat wohl genügend herrliche One-Liner, um drei Tarantino-Filme zu bestücken und zeigt eine ausufernde Gewalt, die bewusst bizarr gehalten wird. In jedem Moment ist der Film derartig eigenwillig, dass Freunde des schwarzen Humors Jubelsprünge machen werden. So löst „7 Psychos“ ganz beiläufig den ungeklärten Fall des Zodiac-Killers auf seine ganz eigene Art. Zachariah und sein weißes Kaninchen haben da ihren Teil zu beigetragen.

Charlie ist jemand, den man sich nicht zum Feind machen sollte (Quelle: DCM Filmverleih)

Charlie ist jemand, den man sich nicht zum Feind machen sollte (Quelle: DCM Filmverleih)

Auch die Darsteller haben erkennbare Freude an diesem grotesken Spektakel. Colin Farrell karikiert als pazifistischer und ängstlicher Trinker sein Image als harter Kerl. Sam Rockwell zeigt erneut, das er an guten Tagen jeden Kollegen an die Wand spielen kann. Christopher Walken spielt den Überlebenskünstler Hans mit einem feinen Gespür für Humor und erstaunlichem emotionalen Tiefgang. Woody Harrelsons Mafia-Boss Charlie wirkt teilweise wie der überzogene Bösewicht einer Comic-Reihe. Dank seiner schauspielerischen Klasse findet Harrelson eine gute Balance, die ihn davor bewahrt, albern zu wirken. Der heimliche Star des Films ist natürlich Shih Tzu Bonny, der brav blickend Entführungen, Schießereien und mehr miterleben darf. Tom Waits ist als Zachariah mit seinem Kaninchen der wohl schrägste Vogel im Film. Es macht Spaß, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Zejko Ivanek („The Event“) als Assistent von Charlie und Abbie Cornish („W.E.“) als Martys Freundin und Ex-Bond Girl Olga Kurylenko kommen von der Spielzeit etwas zu kurz. Gabourey Sidibe („Precious“) komplettiert mit einem Gastauftritt das illustre Ensemble.

„7 Psychos“ ist ein würdiger Nachfolger von „Brügge sehen…und sterben?“. Mit sensationellem Einfallsreichtum, denkwürdigem Humor und reichlich Action ist Martin McDonagh erneut ein filmisches Glanzstück gelungen, dem der Zuschauer die minimalen vorhandenen Schwächen gerne verzeiht.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: DCM Film, YouTube

7 Psychos

Originaltitel:Seven Psychopaths
Regie: Martin McDonagh
Darsteller:Colin Farrell, Woody Harrelson, Sam Rockwell
Genre:Action, Thriller, Komödie
Produktionsland/-jahr:UK, 2012
Verleih:DCM
Länge:109 Minuten
FSK:noch unbekannt
Homepage:Der Internetauftritt von "7 Psychos"
Kinostart: 06.12.2012
{lang: 'de'}

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *