Review: Dream Scenario (Kino)

Das Hauptplakat von "Dream Scenario" (© DCM, 2024)

Das Hauptplakat von “Dream Scenario” (© DCM, 2024)

Inhalt: Biologie-Professor Paul Matthews (Nicolas Cage, „Sympathy For The Devil“) ist wahrlich kein auffälliger Typ. Der biedere Vater von zwei Töchtern mit dem nicht erfüllten Traum, ein eigenes Sachbuch zu veröffentlichen, gilt sogar bei langjährigen Weggefährten als ziemlicher Langweiler. Sein Status ändert sich rasant, als er plötzlich als stiller Beobachter in den Träumen von zahllosen Menschen auftaucht. Plötzlich herrscht ein regelrechter Kult um ihn, was Paul genießt und als Basis für eine Entwicklung seiner Karriere nutzen möchte. Als er dann aber eine Frau (Dylan Gelula) trifft, in deren Träumen er so gar nicht passiv ist, kommt es zum abermaligen Umschwung. Plötzlich wird er bei der Bevölkerung zum Star der gewalttätigsten Albträume – was auch massive Folgen für sein reales Dasein hat.

 

Kritik: Basierend auf einem (durchaus fragwürdigen) Internet-Phänomen drehte der norwegische Filmemacher Kristoffer Borgli, der zuletzt noch mit dem skurrilen „Sick of Myself“ punkten konnte, seinen ersten englischsprachigen Film. Schon jetzt kann gesagt werden, dass „Dream Scenario“ einer der erinnerungswürdigsten Werke dieses Jahres ist. In treffsicheren Bildern, bei denen natürlich vor allem die teils bizarren Traumsequenzen hervorstechen, zeigt Borgli den Aufstieg und Fall eines Biedermannes, wie es wohl sonst nur Goethe höchstselbst könnte. Der Film ist stellenweise urkomisch, sehr sympathisch, pointiert, fantasievoll und menschlich nachvollziehbar. Um so länger es dauert, um so düsterer und bitterer wird das Geschehen – ohne dabei auch nur in einem Moment unausgewogen zu wirken.

 

Paul wird für viele zum "Traummann" (© A24, 2024)

Paul wird für viele zum “Traummann” (© A24, 2024)

Viel mehr entwickelt sich „Dream Scenario“ auch noch zu einer extrem unterhaltsamen, cleveren Abhandlung über das aktuelle Social-Media-Zeitalter, Empörungs- und Cancel-Kultur sowie aufdringliches (vielleicht auch deshalb in der Handlung gedoppeltes) Influencer-Marketing. Dabei erliegt der Film (im Gegensatz zu manchen Oscar-nominierten Werken dieses Jahres) nie der Versuchung, in moralische Schwarz-Weiß-Malerei abzurutschen.

Nachdem Nicolas Cage jahrelang im B- bis C-Movie-Brachland unterwegs war, hat er zuletzt wieder mehrfach bewiesen (z.B. „Massive Talent“, „Renfield“), weshalb er für manche Filmfans immer noch zu den größten Schauspielern Hollywoods zählt. Hier erlebt er den unumstrittenen Höhepunkt seines zweiten Karriere-Frühlings. Mit Wampe, Halbglatze und eher leisen Tönen spielt er einen eher untypischen Part, der dank seiner Präsenz, Intelligenz und Empathie dem ungewöhnlichen Film seine stets menschliche Erdung gibt. Eine bunte Nebenbesetzung um Julianne Nicholson („Monos – Zwischen Himmel und Hölle“), Michael Cera („Molly’s Game“) und Tim Meadows unterstützt ihn dabei nach Kräften.

Getragen von einer der zweifellos besten Darstellerleistungen dieses Jahres wird aus „Dream Scenario“ ein ebenso exzentrisch-fantasievolles wie tragikomisches Filmerlebnis, das nicht nur für Fans des Arthaus-Kinos mindestens einen Blick wert ist.

4,5 von 5 Punkten

Der Film gehört zum Programm der Fantasy Filmfest Nights 2024.


Quelle: DCM, YouTube

Dream Scenario

Originaltitel:Dream Scenario
Regie:Kristoffer Borgli
Darsteller:Nicolas Cage, Julianne Nicholson, Michael Cera
Genre:Komödie, Fantasy, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2023
Verleih:DCM
Länge: 101 Minuten
FSK: tba
Kinostart: 21.03.2024

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von DCM

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.02.2024
Review: Dream Scenario (Kino)

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