Review: Das Lehrerzimmer (VOD)

Das Artwork von "Das Lehrerzimmer" (© Alamode Film)

Das Artwork von “Das Lehrerzimmer” (© Alamode Film)

Inhalt: Voller Motivation und Idealismus startet Carla (Leonie Benesch, „Babylon Berlin“) in ihren Beruf als Mathematik- und Sportlehrerin an einem Gymnasium. Aktuell geht aber ein Dieb an der Schule um, an der eigentlich sehr geordnete Verhältnisse herrschen. Das veranlasst andere Lehrer und die Schulleitung, mit recht drastischen Mitteln und einem Generalverdacht gegen die Schüler vorzugehen, was bei Carla auf massiven Widerstand stößt. Als sie auf eigene Faust ermittelt, findet sie schnell – und mit nicht ganz idealen Mitteln – in der Schulsekretärin Frau Kuhn (Eva Löbau, „Tigermilch“) eine Hauptverdächtige. Hinzu kommt, dass Carla die Klassenlehrerin von Kuhns Sohn, dem schlauen, etwas zurückhaltenden Oskar (Leo Stettnisch) ist. Während sich der eine Teil der Klasse gegen die Lehrerin zusammenrottet, fangen andere Schüler an, Oskar für das – angebliche – Fehlverhalten seiner Mutter zu mobben. Carla stößt immer mehr an ihre Grenzen, den Wunsch nach einem respektvollen und fairen Miteinander und die problematische Realität unter einen Hut zu bringen.

 

Kritik: Nicht nur im einheimischen Kino scheint man bei Filmen rund um die Schule dazu geneigt, im möglichst sozial schwachen Hintergrund und mit erhobenem Zeigefinger Themen zu verhandeln, die nur in Großbuchstaben und mit drei zusätzlichen Ausrufezeichen ans Publikum gebracht werden müssen. Schon allein aus diesem Blickwinkel liefern Ilker Çatak und sein Team mit „Das Lehrerzimmer“, der gleichermaßen alltäglicher und tiefsinniger ist, eine filmische Wohltat. Ebenso unprätentiös wie erbarmungslos folgt die Kamera der omnipräsenten Protagonistin, die sich im immer frustrierteren Kollegium, dem immer egozentrischer denkenden Geschwader von Helikopter-Eltern und natürlich einer Klasse voller (gern frecher) Präpubertierender ihren Idealismus bewahren möchte.

Im Lehrerzimmer wird die Berufseinsteigerin immer mehr zur Außenseiterin (© Alamode Film)

Im Lehrerzimmer wird die Berufseinsteigerin immer mehr zur Außenseiterin (© Alamode Film)

Ohne zu urteilen und in eine schwarz-weiße Gedankenwelt zu rutschen, ist „Das Lehrerzimmer“ extrem unmittelbar und lässt Wut und Verzweiflung, die sich immer mehr auftürmen, wirklich greifbar werden. Von der Lehrerschaft gepflegte Vorurteile und Abkürzungen, wahrlich nicht hilfreiche Eltern und überforderte Kinder ergeben hier einen intensiven (und von einem makellos enervierenden Soundtrack untermalten) Cocktail. Dieser wird einer Hauptfigur zum Verhängnis, die die wahre Bedeutung von „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“ verstehen lernt. Çatak schickt Carla in eine Spirale, die in der Kombination von moralischem Wunsch und äußeren Druck zu immer größeren Problemen führt.

„Das Lehrerzimmer“ steht und fällt natürlich mit seiner Hauptdarstellerin Leonie Benesch. Diese hat sich seit ersten Schritten in Michael Hanekes „Das weiße Band“ zu einer vielseitigen und wandelbaren Charaktermimin entwickelt, die hier ein unglaubliches Pensum liefert. Ihre kluge und nuancierte Performance dürfte das entscheidende Puzzleteil für das Funktionieren dieses an Intensität kaum zu überbietenden Dramas gewesen sein. Auch ansonsten ist der Film gespickt mit authentischen und starken Darstellerleistungen, wobei sich da Eva Löbau, Michael Klammer („Wir waren Könige“) und Leo Stettnisch Sondererwähnungen verdienen.

Es ist auch sehr löblich, dass der Film nie der Versuchung erliegt, den Diebstahl an sich zu sehr zu thematisieren und den Fokus auf den daraus entstehenden Verwicklungen zu halten, was in einem exzellenten Schlussakkord gipfelt.

„Das Lehrerzimmer“ ist ein fast schon pragmatischer, dabei aber erfrischend ungewöhnlicher Film. Ohne moralinsaure Vorträge und visuellen Firlefanz ist hier ein wie ein Thriller fesselndes Drama gelungen, das auf allen Ebenen Handwerk auf internationalem Top-Niveau bietet, emotional mitnimmt , nachdenklich stimmt und sich so einen Platz in der deutschen Filmlandschaft nachhaltig verdient.

Der Film ist ab dem 20.10.2023 auf DVD, Blu-ray und bereits ab dem 06.10.2023 digital erhältlich.

4,5 von 5 Punkten

Der Film ist jetzt bei Amazon Prime Video im Programm.


Quelle: Alamode Film, YouTube

Das Lehrerzimmer

Originaltitel:Das Lehrerzimmer
Regie:İlker Çatak
Darsteller:Leonie Benesch, Michael Klammer, Rafael Stachowiak
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2023
Verleih:Alamode Film
Länge:94 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Alamode Film

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 05.03.2024
Review: Das Lehrerzimmer (VOD)

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