Review: The Dissident

Das Hauptplakat von "The Dissident" (© DCM)

Das Hauptplakat von „The Dissident“ (© DCM)

Inhalt: Fast 30 Jahre arbeitete der gut ausgebildete und international anerkannte Journalist Jamal Khashoggi in seinem Heimatland Saudi-Arabien. Grundsätzlich befürwortete er auch die eher westliche Lebensweise, die der rasant im Ansehen aufgestiegene Kronprinz Mohammed bin Salman durchsetzen möchte. Die brutalen Mittel, mit denen bin Salman seine Widersacher mundtot macht, sorgten aber dafür, dass Khashoggi – wie viele seiner Mitbürger – protestierte und die Welt auf geschehenes Unrecht aufmerksam machen wollte. Aus diesem Grund verließ er seine Heimat und arbeitete in den USA als Journalist für die Washington Post. Außerdem unterstützte er junge Aktivisten wie Omar Abdulaziz, die dem Regime die Stirn bieten. Am 18.10.2018 geschah dann das Unvorstellbare: Khashoggi betrat in Istanbul die saudi-arabische Botschaft, um Heirats-Papiere zu beantragen und wurde im Gebäude von einem angeheuerten Killerkommando ermordet. Was folgte, war eine der größten Verschleierungsaktionen, die die internationale Bühne miterlebt hat.

 

Kritik: Erst vor wenigen Wochen war der „Fall Khashoggi“ wieder groß in der Presse. US-Präsident Joe Biden, der im Wahlkampf die billigende Haltung seines Amtsvorgängers gegenüber bin Salman und Saudi-Arabien (berechtigt) kritisiert und seinerseits eine Reaktion angekündigt hatte, schlug auf einmal überraschend milde Töne an. Das unterstreicht noch einmal deutlich, wie zeitgemäß und notwendig „The Dissident“ von Oscar-Preisträger Bryan Fogel ist. In der herausragend recherchierten und strukturierten Dokumentation nutzen die Macher u.a. Interviews mit Freunden und Mitstreitern Khashoggis, Ermittlern der Istanbuler Polizei und Staatsanwaltschaft sowie bislang ungezeigtes Archivmaterial, um die unfassbare Geschichte nachzuzeichnen.

Khashoggi träumte von einer gemeinsamen Zukunft mit seiner Verlobten Hatice (© DCM/ Hanway Films)

Khashoggi träumte von einer gemeinsamen Zukunft mit seiner Verlobten Hatice (© DCM/ Hanway Films)

Dabei beschränkt sich „The Dissident“ nicht nur auf die tragischen und verstörenden Ereignisse des 18.10.2018, aus denen der Film komplett nachvollziehbare Schlüsse zieht und durchaus anklagende Worte gegen die westlichen Kooperationspartner Saudi-Arabiens richtet. Dazu gibt Fogels Dokumentation einen Kontext aus Unterdrückung, Überwachung und zielgerichtetem Einsatz sozialer Medien, der wohl jedem Zuschauer einen Schauer über den Rücken jagen dürfte. Ein besonderer Coup ist den Machern mit der Einbindung des nach Kanada emigrierten Omar Abdulaziz gelungen. Der junge Widerstandskämpfer, den eine Freundschaft mit Khashoggi verbunden hat und der hauptsächlich durch Aktionen bei – dem in Saudi-Arabien sehr präsenten und wirkungsvollen – Twitter für die Sache eingetreten ist, zeichnet ein perfides (und mit Beweisen untermaltes) Bild, wie es aus einem Paranoia-Thriller der 70er-Jahre stammen könnte.

Selbst wenn Schnitt und musikalische Untermalung schon ein bisschen zu sehr an eine Hollywood-Genre-Produktion erinnern, setzt „The Dissident“ ein komplexes Puzzle fesselnd und informativ zu einem erschreckenden Gesamtbild zusammen. Bryan Fogel und seinem Team ist eine auf meisterhafte Art aufrüttelnde Dokumentation gelungen (wie man es vielleicht letztmalig bei einem „Citizenfour“ erlebt hatte), die den bekannten Fall im Detail beleuchtet sowie einordnet und so ein zwingend empfehlenswertes Stück Ausnahme-Kino liefert.

Der Film ist ab dem 16.04.2021 digital erhältlich. Ein Kinostart bei Wiederöffnung der Lichtspielhäuser ist geplant.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: DCM, YouTube

The Dissident

Originaltitel:The Dissident
Regie:Bryan Fogel
Beteiligte:Omar Abdulaziz, Yasin Aktay, John O. Brennan
Genre:Dokumentation
Produktionsland/-jahr:USA, 2020
Verleih:DCM
Länge:118 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von DCM

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 13.04.2021
Review: The Dissident

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