Review: Citizenfour (DVD)

Das DVD-Cover von "Citizenfour" (Quelle: Piffl Medien)

Das DVD-Cover von “Citizenfour” (Quelle: Piffl Medien)

Inhalt: Eigentlich wollte sich Filmemacherin Laura Poitras mit den Nachwirkungen des 11.09.2001 im Zusammenhang mit Überwachung beschäftigen, als sie im Januar 2013 eine brisante Mail erhält. Der anonyme Absender mit dem Pseudonym „citizenfour“ behauptet, interessante Informationen zur Arbeit von amerikanischen und britischen Geheimdiensten zu besitzen. Er stellt Beweise für geheime Massenüberwachungen der NSA und weiterer Behörden in Aussicht. Im Juni 2013 fliegt Poitras mit den Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill nach Hongkong, um sich mit dem Informanten zu treffen. „citizenfour“ stellt sich ihnen als Edward Snowden vor und liefert Informationen, die schon bald gewaltige Auswirkungen haben. Immer dabei: Die Kamera von Laura Poitras.

 

Kritik: Schon vor seiner Veröffentlichung wurde „Citizenfour“ zum vielleicht bedeutendsten Film der letzten Jahre. Die Enthüllungen Snowdens gingen um die Welt und sorgten bei vielen für ein Umdenken im Zusammenhang mit den eigenen Daten und dem blinden Vertrauen in die Arbeit der Behörden. Dabei spielten hier von Anfang an der Zufall eine große Rolle in diesem journalistischen Mega-Coup, der bekanntlich auch in Deutschland mit der offengelegten Überwachung von Merkels Handy große Wellen schlug. Laura Poitras wurde seit einigen Jahren aufgrund ihrer kritischen Dokumentationen an Flughäfen etc. festgehalten. Außerdem wurden häufiger ihre Filmmaterialien beschlagnahmt. Da sie sich hier nicht einschüchtern ließ, entwickelte Edward Snowden das Vertrauen, sich an Poitras, Glenn Greenwald und Ewen MacAskill zu wenden, um die Öffentlichkeit über die im Geheimen begangenen Verbrechen zu informieren. Selbst diejenigen, die sich schon intensiver mit der Thematik auseinandergesetzt haben, dürften von der beklemmenden Wucht fasziniert sein, die „Citizenfour“ entfaltet.

Edward Snowden klärt Glenn Greenwald über sein Wissen auf (Quelle: Piffl Medien)

Edward Snowden klärt Glenn Greenwald über sein Wissen auf (Quelle: Piffl Medien)

Gemeinsam mit den Machern erlebt man aus erster Hand, wie hier etwas Geschichtsträchtiges geschieht. Gerade die fast 60 Minuten im Hotel, in denen der ehemalige Systemadministrator der NSA nach und nach die Geheimnisse enthüllt und dabei immer wieder Vorsichtsmaßnahmen für die Sicherheit von ihm, Poitras und den anderen ergreift, sind ein realer Spionagethriller in seiner reinsten Form. Betrug, Lügen, Geheimnisse und Bedrohung sind in der Welt Snowdens an der Tagesordnung. Durch diesen Film wird noch einmal deutlicher, wie unfassbar und extrem die Geschichte ist. Dabei ist seine Person um zu beeindruckender: Er konnte einfach nicht mehr über die Geschehnisse hinwegsehen und opfert willentlich sein bekanntes Leben, um die Menschen aufzurütteln. Der hoch intelligente Mann und seine fast ebenso mutigen Journalisten-Kollegen stemmen sich hier gegen alle Widerstände und machen sich so schon (abgesehen von den Inhalten) zu Vorbildern. Die überraschende Entscheidung der eigentlich nicht besonders liberalen Oscar-Jury, diesen Film als „Beste Dokumentation“ auszuzeichnen, zeigt die unglaubliche Qualität, die hier geboten wird. Auch erzählerisch trifft Poitras mit ihrem Mix aus Interviews, Nachrichten-Ausschnitten, Aufnahmen von Kongress-Sitzungen und der Wiedergabe vom E-Mails genau den richtigen Ton.

Wie viel Privatsphäre haben wir noch? (Quelle: Piffl Medien)

Wie viel Privatsphäre haben wir noch? (Quelle: Piffl Medien)

Egal, wie man zu den Entscheidungen Snowdens steht, gehört „Citizenfour“ zu diesen raren Filmen, die ausnahmslos jeder gesehen haben sollte. Allgemein zeigt diese Dokumentation, wie viel einzelne Personen mit Zivilcourage bewegen können. Außerdem wurden von Edward Snowden hier Tatsachen aufgeklärt, die fast niemanden unberührt lassen. Dazu kommt, dass der Film den vielleicht größten journalistische Genie-Streich des vergangenen Jahrzehnts behandelt. Nach diesem starken, eindringlichen und wichtigen Film dürfte man so einiges in der Welt mit anderen Augen sehen.

Der Film ist ab dem 08.05.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

5 von 5 Punkten

 

Bild: Die Bildqualität ist natürlich etwas schwankend, was bei so einem Zusammenschnitt verschiedener Medien unvermeidlich ist. So sind die eingebundenen Nachrichtenbilder etc. sehr gut, die Aufnahmen bei den Interviews ordentlich, andere Bilder manchmal etwas unausgewogen und die Grafiken hervorragend. Insgesamt eine absolut zufriedenstellende Präsentation.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der englische Dolby Digital 5.1-Ton mit Untertiteln erfüllt ebenfalls die Erwartungen. Auch wenn die Ton-Qualität immer wieder wechselt, sind die Gespräche immer gut zu verstehen und die Abmischung komplett in Ordnung.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Drei entfernte Szenen (10 Minuten), ein Q & A mit Laura Poitras (27 Minuten), ein Interview mit den Produzenten (18 Minuten) und ein paar Trailer sorgen für einen ordentlichen Mehrwert zum Film.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Quelle: Piffl Medien, Leinwandreporter TV, YouTube

Citizenfour

Originaltitel:Citizenfour
Regie:Laura Poitras
Darsteller:Edward Snowden, Glenn Greenwald, William Binney
Genre:Dokumentation
Produktionsland/-jahr:USA, 2014
Verleih:Piffl Medien
Länge:110 Minuten
FSK:ab 0 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.05.2015
Citizenfour (DVD)

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