Review: Der Babadook

Das Plakat von "The Babadook" (Quelle: Capelight Pictures)

Das Plakat von „Der Babadook“ (Quelle: Capelight Pictures)

Auf dem Weg ins Krankenhaus zur Geburt des Kindes, stirbt der Ehemann von Amelia (Essie Davis) bei einem Autounfall. Sieben Jahre später ist Amelia als alleinerziehende Mutter des aufgedrehten Sam (Noah Wiseman) ziemlich überfordert. Da Sam panische Angst vor Monstern hat, bringt er seine Mutter Nacht für Nacht um den Schlaf. Als sie ihm dann eines Tages aus dem Buch „Mr. Babadook“ vorliest, wird die Situation noch schlimmer. Es scheint so, als ob die beiden durch das Öffnen des Buches tatsächlich den Babadook beschworen hätten. Danach häufen sich unerklärliche Ereignisse und Sam beginnt, sich immer merkwürdiger zu verhalten. Auch Amelia muss bald einsehen, dass es in ihrem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht.

Im vergangenen Jahr übernahm die australische Schauspielerin Jennifer Kent erstmals Regie bei einem Langfilm. Außerdem verfasste sie für dieses Horror-Drama auch selbst das Drehbuch. Herausgekommen ist ein Ergebnis, das sich trotz kleiner Schwächen absolut sehen lassen kann. In der ersten Hälfte des Filmes konzentriert sich die Geschichte voll auf die Dynamik zwischen der nervlich angespannten Amelia und ihrem mindestens anstrengenden Sohn. Nach Ansicht dieses Teils der Geschichte dürften sich viele männliche Zuschauer wohl ernsthafte Gedanken über eine Vasektomie machen. Danach beginnt auf leisen Sohlen der eher klassische Horror-Teil von „The Babadook“, der nie aggressiv und nur selten gewalttätig, dafür aber ausgesprochen atmosphärisch und gruselig daher kommt. Hier entpuppt sich die „Monster unter dem Bett“-Prämisse auch dank der ausführlichen Einleitung als ziemlich stark. Dazu kommt, dass der Film recht humorvoll ist, ohne dabei zu sehr in den komödiantischen Bereich abzurutschen.

You can’t get rid of the Babadook“

Amelia hat Angst um ihren Sohn (Quelle: Wild Bunch Germany, Fantasy Filmfest)

Amelia hat Angst um ihren Sohn (Quelle: Capelight Pictures)

So heißt es in dem ausgesprochen verstörenden Kinderbuch, aus dem Amelia vorliest. Tatsächlich macht genau das den Film lange Zeit so gut. In einem Stil, der oft an Grusel der 70er-Jahre erinnert, wird eine spannende und auch menschliche Geschichte erzählt, die für den Zuschauer dank des mysteriösen Gegenspielers einige Interpretationsmöglichkeiten lässt. Mit gut gefilmten Aufnahmen, die vor allem am Anfang mit den extremen Close Ups und einem starken Ton-Schnitt beweist das Team rund um Jennifer Kent gutes Gespür und handwerkliches Talent. Leider gelingt der Regisseurin nicht der passende Absprung aus dem Film. Nachdem sich in einer Szene das Finale fast händeringend angeboten hat, kommen danach noch weitere Sequenzen, die dann eher überflüssig erscheinen und teilweise so gar nicht zum bis dahin Präsentierten passen möchten. Absolut überzeugend sind dagegen die beiden Hauptdarsteller, die den Film praktisch alleine tragen. Essie Davis, die einige Zuschauer noch aus den „Matrix“-Fortsetzungen kennen, hinterlässt hier als vom Schicksal gebeutelte, nervlich an ihre Grenzen stoßende Mutter einen ganz starken Eindruck. So gelingt es ihr trotz der charakterlichen Schwächen ihrer Figur ganz klar der Sympathieträger des Filmes zu sein. Das liegt auch daran, dass der sichtlich begabte Jung-Schauspieler Noah Wiseman als sonderbares Kind Sam derart konsequent die Nervensäge gibt, dass man schon aus diesem Grund jederzeit mit der Mutter leidet.

Amelia und Sam beim Abendbrot (Quelle: Capelight Pictures)

Amelia und Sam beim Abendbrot (Quelle: Capelight Pictures)

Insgesamt dürfen sich die Zuschauer mit „Der Babadook“ auf einen intelligenten, emotionalen und spannenden Genre-Beitrag freuen. Es wird interessant zu beobachten, ob Jennifer Kent das Niveau ihres Erstlings halten oder sogar ausbauen kann, da sie sich im Finale des Filmes viel von der vorher geleisteten Arbeit fast kaputt macht. Dennoch überwiegen bei diesem Horror-Drama ganz klar die positiven Aspekte.

Der Film wurde auf dem Fantasy Filmfest in Köln gesichtet und wird ab dem 07.05.2015 in den deutschen Kinos zu sehen sein.

3,5 von 5 Punkten

Quelle: Capelight Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

The Babadook

Originaltitel:The Babadook
Regie:Jennifer Kent
Darsteller:Noah Wiseman,Essie Davis, Daniel Henshall, Tiffany Lyndall-Knight
Genre:Horror-Drama
Produktionsland/-jahr:Australien, 2013
Verleih:Capelight Pictures
Länge:94 Minuten
FSK:noch unbekannt

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.05.2015
Review: Der Babadook (Kino)

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