Review: Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra (Kino)

Das Hauptplakat von "Il Traditore" (© Pandora Film)

Das Hauptplakat von „Il Traditore“ (© Pandora Film)

Inhalt: Anfang der 1980er Jahre Jahre tobt in Palermo ein Streit zwischen den beiden größten Mafia-Familien. Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino, „Rush – Alles für den Sieg“), unter seinen Leuten als „Boss der zwei Welten“ bekannt, zieht den Rückzug nach Brasilien an. Währenddessen stapeln sich in dem brutalen Bandenkrieg in der Heimat die Leichen. Als Buscetta einen privaten Verlust hinnehmen muss und unvorsichtig wird, gerät er in die Fänge der Polizei. Dort entscheidet er sich, mit Chefermittler Giovanni Falcone (Fausto Russo Alesi) zu arbeiten, um seine echte Familie vor der gewählten zu schützen. Er wendet sich von der Cosa Nostra ab und liefert genug Material, um Hunderte von Mitgliedern anzuklagen. Als „Verräter“ muss er sich all seinen jahrelangen Weggefährten vor Gericht stellen.

 

Kritik: Tommaso Buscetta war einer der entscheidenden Kronzeugen seiner Zeit, um die Strukturen der Mafia zu brechen und das organisierte Verbrechen – und in dessen Zuge wohl auch ganz Italien – nachhaltig zu verändern. Die italienische Regie-Ikone Marco Bellocchio hat in diesem Spätwerk den eingefleischten Mafiosi, der sich gegen die eigenen Leute stellte, genauer unter die Lupe genommen. In epischen 153 Minuten taucht „Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“ in die späten Jahre seines Titelhelden ein. Dabei hätte dem Film vor allem in der ersten Stunde eine deutliche Straffung gut zu Gesicht gestanden. Obwohl sauber inszeniert, hat der Weg Buscettas vom Mafiosi alter Schule zum Informanten der Staatsanwaltschaft hauptsächlich angestaubte Genre-Klischees und eher verzichtbare Sequenzen zu bieten.

Vor Gericht sorgt Buscetta für eine Revolution (© Pandora Film)

Vor Gericht sorgt Buscetta für eine Revolution (© Pandora Film)

Ist diese lange Einführung überstanden, nimmt der Film deutlich an Fahrt auf. Die dialoglastige und keinesfalls kurze Phase vor Gericht ist das Herzstück der Geschichte. In schon fast skurril anmutenden Sequenzen, bei denen sich Massen von eingesperrten Verbrechern mit Händen und Füßen gegen die Autorität des Staats und die Aussagen Buscettas wehren, muss man sich selbst daran erinnern, dass hier ein wahrer Fall verfilmt wurde. Auch außerhalb des Verhandlungssaals wirkt „Il Traditore“ deutlich atmosphärischer und unterhaltsamer, als es in der Anfangsstunde der Fall gewesen ist.

Ein Hauptgrund, weshalb der größtenteils konventionelle und mit ein paar Längen versehene Film nie uninteressant wird, ist der exzellente Hauptdarsteller Pierfrancesco Favino, der aus dem berühmten Gangster mit Ehrenkodex einen ausgesprochen vielseitigen Charakter macht. Von den durchweg soliden Nebendarstellern sticht Fausto Russo Alesi in der Rolle des klugen und idealistischen Dr. Falcone heraus.

Zu einer Zeit, in der Geschichten um das organisierte Verbrechen – speziell im Serienformat – omnipräsent sind, fehlen in diesem grundsoliden, überlangen Film etwas die Alleinstellungsmerkmale. Dennoch reichen ein toller Hauptdarsteller, der starke Mittelteil und die insgesamt souveräne Inszenierung Bellocchios, um aus „Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“ einen sehenswerten Film zu machen.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Pandora Film, YouTube

Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Originaltitel:Il Traditore
Regie:Marco Bellocchio
Schauspieler:Pierfrancesco Favino, Maria Fernanda Cândido, Fabrizio Ferracane
Genre:Biografie, Drama
Produktionsland/-jahr:Italien, 2019
Verleih:Pandora Film
Länge:153 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:13.08.2020

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Pandora Film

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 12.08.2020
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