Review: Piercing (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Piercing" (© Busch Media Group)

Das Blu-ray-Cover von „Piercing“ (© Busch Media Group)

Inhalt: Reed (Christopher Abbott, „It Comes at Night“) möchte morden – und das gleich! Trotz einer glücklichen Ehe mit Mona (Laia Costa) und einem stabilen Alltag wird dieser Drang immer größer. Als er sich kaum noch davon abhalten kann, das eigene Baby umzubringen, muss eine Lösung her. Der Plan ist schnell gefasst: Er täuscht seiner Frau eine Dienstreise vor, nimmt sich ein Hotelzimmer und bestellt sich das Callgirl Jackie (Mia Wasikowska, „Die Macht des Bösen – The Man With The Iron Heart“). Diese soll dann im Verlauf des Abends gefesselt, betäubt und in der Badewanne zerstückelt werden. Jackie hat aber verständliche Probleme mit der Abendplanung – für beide der Beginn einer langen Nacht.

 

Kritik: Im Jahr 2016 machte der junge New Yorker Regisseur Nicolas Pesce mit dem ausgesprochen stilbewussten, rätselhaften und schlicht merkwürdigen „The Eyes Of My Mother“ auf sich aufmerksam. Es war klar, dass ein Nachfolger zu dem verstörenden Horror-Drama nur eine Frage der Zeit war. Schon 2017 drehte er dann mit „Piercing“ seinen zweiten Langfilm. Statt sich auf neue Wege zu begeben taucht er auch hier in ein skurrile Welt ein, in der Mord und Gewalt die Gedanken beherrschen. Abermals sind Look und Atmosphäre die Elemente, mit denen Pesce punkten kann. Die nicht ganz ernsthaft erzählten, ziemlich rabiaten Fantasien von Reed wurden in vergleichbaren Werken schon radikaler und origineller vermittelt.

Noch ahnt Jackie nicht, was Reed plant (© Busch Media Group)

Noch ahnt Jackie nicht, was Reed plant (© Busch Media Group)

Zwischen Fetisch-Sex, zweckentfremdeten Psychopharmaka, ausgelebten Brutalitäten und hochstilisierter Optik begibt sich „Piercing“ auf die Spuren von 80er-Exploitation-Thrillern, lässt dabei aber teilweise Biss und Fokus vermissen. Zeitweise lässt sich erahnen, wie viel mehr in diesem aufrichtig gestörten Katz-und-Mausspiel gesteckt hätte, das trotz einer schlanken Spieldauer von 81 Minuten (ähnlich wie bei „The Eyes of my Mother“) recht viel Zeit auf unwichtige Randnotizen vergeudet.

Die guten Hauptdarsteller verpassen dem Film eine nennenswerte inhaltliche Ebene. Christopher Abbott ist als „Avarage Joe“-Typ mit traurigem Hundeblick, dem seine finsteren Pläne um die Ohren fliegen, wirklich ordentlich. Mia Wasikowska, deren Callgirl Jackie auf ihre Art ähnlich gestört wie der mörderische Kunde ist, weist hier nach, dass sie trotz stagnierender Karriere immer noch eine gute Schauspielerin ist. „Victoria“-Hauptdarstellerin Laia Costa ist in einer kleinen Nebenrolle zu sehen.

So bleibt „Piercing“ (und gleichzeitig sein Regisseur Nicolas Pesce) in einer Kategorie, die weder Fisch noch Fleisch ist. Immer wieder sind wirklich gute Ansätze – vor allem visueller Natur – zu sehen, die durch darauf folgende Nichtigkeiten wieder in Vergessenheit geraten. Schlussendlich sorgt hier die eigenwillige Chemie von Abbott und Wasikowska dafür, dass die positiven Aspekte knapp überwiegen.

Jackie entpuppt sich als durchaus wehrhaft (© Busch Media Group)

Jackie entpuppt sich als durchaus wehrhaft (© Busch Media Group)

Der Film ist ab dem 28.06.2019 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3 von 5 Punkten

 

Bild: Der extrem auf Style angelegte Film wird von satten Gelb-, Rot- und Blautönen dominiert. Trotz mancher Überbetonung wirkt die Palette insgesamt natürlich. Schärfe und Detaildarstellung sind nicht makellos, aber sicherlich zufriedenstellend. Kontraste und Schwarzwert wurden – wenig überraschend – sehr kräftig eingestellt, was aber gut zum Gesamtbild passt. Abgesehen von einem leichten, aber zumeist präsenten Rauschen ist die Bildwiedergabe recht ruhig.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton können insgesamt überzeugen. Die Dialoge sind in beiden Varianten gut priorisiert und verständlich, wobei die englische Spur diesbezüglich etwas voller und natürlicher klingt. Die äußeren Boxen kommen hauptsächlich bei den eigenwilligen Zwischensequenzen (Stichwort Drogentrip) zum Einsatz. Davon abgesehen sorgen noch ein paar Hintergrundgeräusche und der Score für ein wenig räumliche Aktivität. Natürlich spielt sich dennoch der Großteil der ziemlich unspektakulären Vertonung des kammerspielartigen Szenarios auf den zentralen Boxen ab.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Ein paar Trailer bleiben das einzige Bonusmaterial.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: One Media, YouTube

Piercing

Originaltitel:Piercing
Regie:Nicolas Pesce
Darsteller:Mia Wasikowska, Christopher Abbott, Laia Costa
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Busch Media Group
Länge:81 Minuten
FSK:ab 18 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Busch Media Group

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 28.06.2019
Review: Piercing (Blu-ray)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir setzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“) ein. Google verwendet Cookies. Wir setzen Google Analytics nur mit aktivierter IP-Anonymisierung ein.  Mehr Informationen zur Verwendung von Google Analytics finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Diese pseudonymisiert erhobenen Daten helfen uns, ein besser auf das Leser-Interesse abgestimmtes Programm anzubieten. Hier klicken um dich auszutragen.
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner