Review: The Circle (Kino)

Das Hauptplakat von "The Circle" (© Universum Film)

Das Hauptplakat von “The Circle” (© Universum Film)

Inhalt: Mae Holland (Emma Watson, „Regression“) ist Mitte Zwanzig und arbeitet als Telefonistin, als ihre beste Freundin Annie (Karen Gillan, „In a Valley of Violence“) ihr ein Bewerbungsgespräch beim „Circle“ organisiert. Tatsächlich schafft sie es, eine Anstellung bei dem visionären Internetunternehmen zu bekommen, das daran arbeitet, möglichst alle Bereiche des Alltags über ihren Service laufen zu lassen. Schnell ist Mae von den technischen Möglichkeiten und dem familiären Arbeitsklima sehr angetan. Auch von dem wortgewandten Firmenchef Eamon Bailey (Tom Hanks, „Sully“) ist sie von Anfang an begeistert. Trotz der Warnungen ihres guten Freunds Mercer (Ellar Coltrane) lässt sie sich schon bald für ein Pilotprojekt einspannen, für das sie das Programm des Circles zu ihrem Lebensmittelpunkt machen muss. Vor Ort sorgt der geheimnisvolle Ty (John Boyega, „Star Wars – Das Erwachen der Macht“) dafür, dass sie auch die dunklen Seiten ihrer Arbeitsstelle kennenlernt. Zwischen der Begeisterung, die Technik der Zukunft mitgestalten zu dürfen, mischen sich bald die ersten Zweifel.

Kritik: Mit seinem Roman „The Circle“ landete Autor Dave Eggers im Jahr 2014 einen großen Hit. Obwohl das Buch an manchen Stellen doch deutlich die subtilen Töne vermissen lies, erzählte es eine bitterböse Geschichte über den immer weiter ausartenden Umgang mit den sozialen Medien und die Möglichkeiten des Machtmissbrauchs, die damit einhergehen. Drei Jahre später wurde die Geschichte – wie von den meisten erwartet – jetzt verfilmt. Mit James Ponsoldt, der auch gemeinsam mit Eggers das Drehbuch verfasste, wurde ein Regisseur gewählt, der bislang mit Indie-Hits wie „The Spectacular Now“ auf sich aufmerksam machte. Leider gelingt es nur sehr bedingt, die zornige Wucht des Romans auf die Leinwand zu befördern. Das mag zum Teil damit zu tun haben, dass der technische Fortschritt zur Geschichte massiv aufgeholt hat. So gehören Live-Streams von Facebook-Nutzern mittlerweile schon zum Alltag. Doch auch die Wahl des Regisseurs steht dem Film ein wenig im Weg, da Ponsoldt zwar (meistens) ein Gespür für Inhalte hat, der visuelle Aspekt ihm aber doch ein wenig abgeht. Einziges Highlight dürften hier wohl das Firmengelände sein, das nicht ganz zufällig das Apple-Zentrum in Santa Clara Valley erinnert.

Annie zeigt Mae das Leben beim "Circle" (© Universum Film)

Annie zeigt Mae das Leben beim “Circle” (© Universum Film)

Hinzu kommt, dass der Film in seinen 110 Minuten gar nicht den Raum hat, die erzählerische Dichte von „The Circle“ komplett abzudecken. So werden Figuren wie Ty, der im Roman für ein gewisses Maß an Kontrastierung der Probleme sorgt, hier zu Randerscheinungen. Dennoch gelingt es gut, die Atmosphäre des arg familiären Facebook trifft Google-Unternehmens zu etablieren, die sektenartige Züge annimmt. Wenn die neuen Mitarbeiter schon bei der Ankunft alles über die Protagonistin wissen, oder ein neues Instrument zur Verbrechensbekämpfung vorgestellt wird, zeigt der Film dann einmal, was für ein Potenzial in ihm gesteckt hätte. Ansonsten wirkt das Geschehen bis hin zu seinem eigenartigen Finale doch eher harmlos. Dabei wurde mit Emma Watson eine ziemlich gut Besetzung für die naive Mae gefunden, die sich vor lauter Überwältigung immer weiter in die Höhle des Löwen befördert. Tom Hanks hat als charismatischer Firmenchef Eamon Bailey recht wenig Spielzeit, schafft es aber, die Sogwirkung des Circles ins einer Person zu vereinigen. Als Co-Chef bleibt für Patton Oswalt nur die Rolle des Stichwortgebers. Mit mindestens einem weinenden Auge muss man Bill Paxton („Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“) und Glenne Headley („Don Jon“) sehen, die beide in diesem Jahr verstorben sind und als Eltern von Mae ihre Abschiedsvorstellung geben. Mit Karen Gillan, John Boyega und Ellar Coltane sind weitere äußerst namhafte Darsteller im Film zu sehen, die aber kaum etwas zu tun haben.

Vom „1984“ des Social Media-Zeitalters wurde im Zusammenhang mit dem Buch oft gesprochen. In der Geschichte steckt bissige Sozialkritik, die den Stoff für einen alarmierenden Thriller bietet. Tatsächlich fasst sich der Film schon in einer frühen Szene selbst zusammen, als Mae im Bewerbungsgespräch auf die Frage „Was ist deine größte Angst?“ die Antwort liefert: „Ungenutztes Potenzial.“. „The Circle“ ist in Ansätzen sehr vieles, schafft es aber (speziell in seiner Leinwand-Adaption) nicht, die Bestandteile zu einem wirklich eindrucksvollen Erlebnis zu verbinden. Am Ende sind es nur ein paar Momente, die aus diesem grundsoliden Film wirklich im Gedächtnis bleiben.

3 von 5 Punkten


Quelle: Universum Film, Leinwandreporter TV, YouTube

The Circle

Originaltitel:The Circle
Regie:James Ponsoldt
Darsteller: Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega, Karen Gillan, Bill Paxton, Ellar Coltrane
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Universum Film
Länge: 110 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 07.09.2017
Homepage: The Circle

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 31.08.2017
Review: The Circle (Kino)

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