Review: Fikkefuchs (Kino)

Das Plakat von "Fikkefuchs" (© Alamode Film)

Das Plakat von „Fikkefuchs“ (© Alamode Film)

Inhalt: Früher war Rocky (Jan Henrik Stahlberg) ein wahrer Frauenheld. Auch wenn es mittlerweile nicht mehr so rund läuft, hat der 49-Jährige noch nicht vor, sich vom schönen Geschlecht abzuwenden. Eines Tages steht auf einmal Thorben (Franz Rogowski, „Tiger Girl“) vor seiner Tür und behauptet, sein Sohn zu sein. Da Thorben so überhaupt keinen Schlag bei Frauen hat, möchte er vom Meister lernen. Nachdem er den hartnäckigen Hausgast nicht so schnell los wird, entschließt sich Rocky, sein Wissen weiterzugeben. Doch leider funktioniert die Erkundung des Nachtlebens so gar nicht wie geplant. Auch wenn Thorben etwas enttäuscht ist, entsteht bald eine echte Männerfreundschaft. Jetzt soll eine Dating-Lehrerin helfen, dass das Gespann auch in der Horizontale mal wieder zum Zug kommt.

Kritik: Schon vorab sorgte der Film für Aufsehen. Weil das Plakat von „Fikkefuchs“ zu provokant war, musste es an einigen Orten entfernt werden. Dazu dürften die meisten Kinogänger wohl schon beim Titel des Filmes aufgehorcht haben. Das passt natürlich sehr gut ins Bild von Regisseur und Autor Jan Henrik Stahlberg, der gern und regelmäßig mit seinen Filmen aneckt. Ohne Einmischung von Filmstiftungen und wirklichen Sponsoren hat er hier eine Tragikomödie entwickelt, in der er sich um keinerlei Tabus sorgt. Die alte Thematik mit Männern, Frauen und dem Sex geht er dabei auf eine Art an, wie sie wohl selten im Mainstream-Kino zu sehen war. Ob es um Scheiße in der Badewanne, Kotze im Gesicht, Hardcore-Szenen aus Porno-Zwischenschnitten, extrem frauenfeindlichen Hip Hop oder Nahaufnahmen vom weiblichen Schambereich geht: Grenzen des guten Geschmacks hat sich der „Fikkefuchs“ nicht gesetzt.

Rocky und Thorben bewundern echte Kunst (© Alamode Film)

Rocky und Thorben bewundern echte Kunst (© Alamode Film)

Das führt zu einem Film, der unangenehm bis abstoßend wirkt, deswegen aber nicht schlecht ist. Auch wenn die beiden Protagonisten sexistische Armleuchter sind, die sich für Geschenke an die Frauenwelt halten, sind sie doch menschlich. So entsteht ein Film, der stellenweise wirklich witzig, dann aber auch wieder tragisch ist. Wenn Thorben frisch in Berlin angekommen ist und das Holocaust-Mahnmal für einen „Lustgarten“ hält, durchläuft der Film alles, was von urkomisch bis schmerzhaft auf der Skala zu finden ist. Hinzu kommt, dass der aktuelle Hollywood-Skandal dem ganzen noch unbeabsichtigten Zeitgeist verleiht. Die beiden Hauptdarsteller liefern absolut kompromisslose Auftritte. Ob es um die Fähigkeit, sich selbst zu veralbern, eklige bis schamlose Sachen zu machen, oder einfach nur um Nacktheit geht, kennen Jan Henrik Stahlberg als Pseudo-Philiosoph und -Casanova und Franz Rogowski als treudoofer Thorben keine Einschränkungen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Stahlberg selbst einen allgemein beliebten Film gar nicht will. „Fikkefuchs“ provoziert und schießt dabei oft über das Ziel hinaus. Das Gezeigte ist oft widerlich, verstörend und kaum erträglich. Dennoch bleibt ein handwerklich gut gemachter, interessanter, durchaus cleverer und über alle Maßen unkonventioneller Film, den aber wohl niemand mehr als ein Mal über sich ergehen lassen wird.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Alamode Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Fikkefuchs

Originaltitel:Fikkefuchs
Regie:Jan Henrik Stahlberg
Darsteller:Jan Henrik Stahlberg, Franz Rogowski, Thomas Bading
Genre:Satire, Drama
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2017
Verleih:Alamode Film
Länge: 100 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart:16.11.2017

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Films

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.11.2017
Review: Fikkefuchs (Kino)

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