Film Fest Cologne: Call Me By Your Name (Kino)

Das Hauptplakat zu "Call Me By Your Name" (© Sony Pictures)

Das Hauptplakat zu “Call Me By Your Name” (© Sony Pictures)

Inhalt: Elio (Timothée Chamalet, „Interstellar“) ist 17 Jahre alt und verbringt mit seinen Eltern den Sommer auf einem gigantischen Landsitz in Norditalien. Neben der Möglichkeit, seine musikalische Begabung zu trainieren, hat er nicht viel zu tun. Das ändert sich, als Elios Vater (Michael Stuhlbarg, „Arrival“) – ein angesehener Professor – den Amerikaner Oliver (Armie Hammer, „Free Fire“) auf das Anwesen einlädt. Oliver ist intelligent, charismatisch, gutaussehend und kommt bei fast allen Leuten gut an. Nur Elio ist zunächst genervt von dem etwas besserwisserischen Hausgast. Doch schon bald sind auch seine Bedenken verflogen, als ihm klar wird, dass beide sehr ähnlich denken. Es entwickelt sich zunächst eine enge Freundschaft, die nur der Start von viel mehr ist.

Kritik: Wer nach den aktuellen Zahlen auf großen Kritiker-Plattformen geht, kann sich fast sicher sein, dass das Liebesdrama „Call Me By Your Name“ der beste Film des Jahres ist. Aktuelle Wertungen von 94% auf Metacritic und 96% auf Rotten Tomatoes sprechen eine deutliche Sprache. Ob das Werk wirklich so grandios ist, sei dahingestellt. Dem italienischen Regisseur Luca Guadagnino („A Bigger Splash“) gelingt es vom ersten Moment an, eine besondere Atmosphäre zu kreieren. Er fängt die wunderschönen Landschaften Norditaliens derart treffend ein, dass die meisten Zuschauer wohl die brennende Sonne und den milden Wind im Kino fast spüren dürften. Dabei erzählt er einfühlsam und ohne falsche Scheu die Geschichte über das sexuelle Erwachen eines jungen Mannes. Stimmungs- und humorvoll entwickelt sich ein ungewöhnlicher Film, der aber schon etwas mit seiner langen Spielzeit zu kämpfen hat.

Die Geschichte im liberalen Bildungsbürgertum anzusiedeln, tut dem Ton des Geschehens sicherlich gut, da das (Nicht-)Thema der Homosexualität der Protagonisten auf diese Art nicht künstlich aufgebläht wird. Es entsteht einfach eine angenehm sommerliche Romanze, die mit Charme und Eigenarten der Aufhänger des Geschehens wird. Dennoch sticht eine Szene gewaltig heraus, in der Elio Obst auf verstörende Art zweckentfremdet. In dieser Sequenz wäre weniger wohl mehr gewesen. Ein wenig anstrengend wirken die intellektuellen Diskurse zwischen Oliver und Elios Vater, die ziemlich ausufernd und geschwätzig sind.

Elio lernt Oliver kennen (© Sony Pictures)

Elio lernt Oliver kennen (© Sony Pictures)

Schauspielerisch ist „Call Me By Your Name“ auf Top-Niveau. Timothée Chamalet ist die Entdeckung des Films. Nach einigen Nebenrollen zeigt sich der junge Darsteller als gelangweilt-experimentierfreudiger Elio absolut dazu in der Lage, einen Film zu tragen. Dabei harmoniert er prächtig mit Armie Hammer, der in der Rolle des smart-verführerischen Oliver eine seiner bislang besten Karriere-Leistungen zeigt. Michael Stuhlbarg ist allein schon jedes Mal eine Erscheinung, weil er in jedem Film komplett anders aussieht. In der Rolle des gebildeten und verständnisvollen Vaters zeigt er auch darstellerisch wieder einmal, dass er eine absolute Ausnahmeerscheinung in Hollywood ist. Da er gegen Ende auch noch eine glänzende Sequenz spendiert bekommt, dürfte er sich mit dem Film zu einem ernsthaften Kandidaten für die kommende Preissaison entwickeln.

Die ganzen Vorschusslorbeeren, die „Call Me By Your Name“ mitgebracht hat, kommen schon nicht komplett aus dem Bereich der Fabeln. In tollen Bildern wird eine einfühlsame, nachvollziehbare und humorvolle Liebesgeschichte zwischen zwei Männern erzählt. Obwohl der Film stellenweise zu redselig und nicht wirklich kurzweilig ist, zeigt Luca Guadagnino mehr als überzeugendes Kino, das wohl gerade in der kühlen Jahreszeit bei vielen Zuschauern für Fernweh sorgen wird.

4 von 5 Punkten


Quelle: Sony Pictures, YouTube

Call Me By Your Name

Originaltitel:Call Me By Your Name
Regie:Luca Guadagnino
Darsteller:Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg
Genre:Drama, Liebesfilm
Produktionsland/-jahr:Italien/Frankreich, 2017
Verleih:Sony Pictures
Länge: 132 MinutenFSK: tba
Kinostart: 01.03.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der  Seite des Films

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 10.10.2017
Film Fest Cologne: Call Me By Your Name

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