Review: Unterwegs mit Jacqueline (Kino)

Das Kino-Plakat von "Unterwegs mit Jacqueline" (© Alamode Film)

Das Kino-Plakat von “Unterwegs mit Jacqueline” (© Alamode Film)

Inhalt: Der Bauer Fatah (Fatsah Bouyahmed) wohnt in einem kleinen Dorf in Algerien. Er ist das glückliche Oberhaupt einer kleinen Familie und pflegt ein ganz besonderes Hobby: Seine Kuh Jacqueline. Seit Jahren träumt er davon, in Frankreich an der Landwirtschaftsmesse teilzunehmen und dort seine größte Errungenschaft vorzuführen. Nach vielen vergeblichen Versuchen bekommt er tatsächlich eine Einladung. Da die Mittel knapp sind, muss Fatah extrem ideenreich sein, um nach Paris zu kommen. In Marseille gelandet, geht die Odyssee erst wirklich los. Sein nicht gerade motivierter Schwager Hassan (Jamel Debbouze) sträubt sich, ihm zu helfen, weswegen Fatah zu Fuß den Weg beginnt. Auf einer Tour voller Stolpersteine, unfreiwilliger Besäufnisse und Verhaftungen avanciert der algerische Bauer zum Medien-Star. Dabei stürzen ein paar Fehltritte seine Ehe in eine ernsthafte Krise. Doch mit der Hilfe des gutmütigen Grafen Philippe (Lambert Wilson) scheint es so, als ob Fatah und Jacqueline eine Chance haben, nach Paris zu kommen. Der Trip wird zum Kampf gegen die Uhr.

Kritik: Der Charme französischer Komödien ist ein gern genommenes Beispiel, wenn es darum geht, der deutschen Branche aufzuzeigen, wo es deutliches Verbesserungspotential gibt. Da sind gigantische Hits wie „Ziemlich beste Freunde“ und „Willkommen bei den Sch’tis“ natürlich zu Recht genannt. In diesen Diskussionen wird aber gerne vergessen, dass es auch eine Menge Verschnitt rund um solch tolle Werke gibt. Dieses Feelgood-Roadmovie von Mohammed Hamidi gehört leider nicht in die Kategorie, an die man sich gerne erinnert. Sicherlich bekommen die Zuschauer hier einen handwerklich soliden und auch sympathischen Film zu sehen. Doch obwohl sich die lange Reise mit einer Kuh an der Seite des Protagonisten unkonventionell anhört, gibt der Film dem Zuschauer andauernd das Gefühl, das Geschehene schon einmal gesehen zu haben. Der naive Protagonist lässt sich fast beiläufig abfüllen und bringt sich in Schwierigkeiten? Vorhanden. Ein unbedarftes Nacktbad, das für Peinlichkeiten sorgt? Natürlich gibt es das bei dem Film. Ziemlich blödes Timing, das sogar für gesetzliche Komplikationen sorgt? Aber selbstverständlich verzichten die Macher auch nicht auf diesen Baustein.

Fatsah und Jacqueline auf dem Weg nach Paris (© Alamode Film)

Fatsah und Jacqueline auf dem Weg nach Paris (© Alamode Film)

Auf diese Art entwickelt sich der Film hin zu einem Klischee-überladenen und arg überzuckerten Finale. Wirklich heraus stechende Momente oder wirkliche Lacher werden auf dieser Reise vergeblich gesucht. Normalerweise werden solche Culture Clash-Geschichten gerne einmal mit der ein oder anderen Botschaft aufgehübscht. Wenn diese wie hier aber nicht mehr als „glaub an deine Träume“ ist, bleibt das Geschehen insgesamt etwas flach. Darstellerisch ist das Gezeigte die erwartet passable Kost. Fatsah Bouyahmed gibt den drolligen Sympathieträger, der auf seinen schrägen Trip geht, zufriedenstellend. Viel mehr gibt es auch nicht über Charaktermime Lambert Wilson zu sagen, was angesichts seiner vorhandenen Qualitäten schon fast Vergeudung ist.

Eigentlich macht „Unterwegs mit Jacqueline“ auf den ersten Blick kaum etwas falsch. Ordentlich in Szene gesetzt, mit einem durchgängigen, sauberen Erzählton und einem klaren roten Faden enttäuscht die Komödie handwerklich nicht. Es fehlen einfach die eigenen Elemente und Alleinstellungsmerkmale, um dem Film eine klare Handschrift zu verleihen. Was von diesem gut gelaunten Roadmovie bleibt, ist eine einfallslose Aneinanderreihung von Klischees und Genre-Konventionen, die Fatahs lange Reise wahrlich nicht zu einem freudigen Ereignis machen.

2 von 5 Punkten


Quelle: Alamode Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Unterwegs mit Jacqueline

Originaltitel:La Vache
Regie:Mohamed Hamidi
Darsteller: Fatsah Bouyahmed, Lambert Wilson, Jamel Debbouze
Genre:Komödie
Produktionsland/-jahr:Frankreich, 2016
Verleih:Alamode Film
Länge: 97 MinutenFSK: ab 0 Jahren
Kinostart: 14.07.2016

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 12.07.2016
Review: Unterwegs mit Jacqueline (Kino)

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