Review: Paterson (Kino)

Das Kino-Plakat von "Paterson" (© Weltkino)

Das Kino-Plakat von „Paterson“ (© Weltkino)

Inhalt: Paterson (Adam Driver, „Star Wars – Das Erwachen der Macht“) ist ein netter, unauffälliger Kerl, der mit seiner Heimatstadt – Paterson, New Jersey – den Namen teilt. Tagsüber fährt er Bus, aber seine große Leidenschaft gehört dem Schreiben von Gedichten. Er lebt mit seiner Langzeit-Freundin Laura (Golshifteh Farahani, „Exodus: Götter und Könige“) zusammen, die er abgöttisch liebt und bei all ihren neuen Karriereplänen, von der Muffin-Bäckerin bis zum Country-Star, bedingungslos unterstützt. Ansonsten genießt er die Ordnung und entspannt sich mit Spaziergängen mit seinem Hund, die er immer mit einem Bier in seiner Stammkneipe abrundet. Doch jetzt will ihn Laura davon überzeugen, seine Gedichte zu veröffentlichen. Schnell kommt es zum Chaos in dem so säuberlich geplanten Tagesablauf.

Kritik: Seit mittlerweile über 30 Jahren bringt Jim Jarmusch in regelmäßigen Abständen seine Werke ins Kino. Egal ob es Geniestreiche oder sehr eigenwilligen Kunstprojekte sind: Ziemlich einzigartig sind fast alle Filme des Regisseurs. So wurden Filme wie „Down by Law“ und „Dead Man“ zu jungen Klassikern. Nach dem zuletzt etwas durchwachsenen „Only Lovers Left Alive“ taucht Jarmusch jetzt in die Welt der Poesie ein. Minimalistisch, aber auf seine Art originell und zauberhaft schön wird die Geschichte erzählt. Bei den stellenweise sehr ruhigen Tönen ist es zwar unvermeidlich, dass sich die 117 Minuten Spielzeit nicht gerade kurz anfühlen. Für dieses Versäumnis werden die Zuschauer aber locker entschädigt. Die Kombination von charmanter Comedy, Melancholie und der Gedichts-Struktur, die konsequent auf die Handlung umgesetzt wird, ist mal wieder mit wenig zu vergleichen.

Paterson und Laura genießen die gemeinsame Zeit (© Mary Cybulski/Weltkino)

Paterson und Laura genießen die gemeinsame Zeit (© Mary Cybulski/Weltkino)

Vor diesem Werk dürfte wohl kaum einer auf dem Zettel gehabt haben, wie sinnlich einfache Streichhölzer sein können. Dazu ist der Film stellenweise urkomisch. Dabei bleibt der Humor natürlich ziemlich subtil und verlässt sich voll auf die Kraft seiner tollen Bilder und der zahlreichen Leitmotive. Die immer wieder aufkommenden Zwillingspaarungen oder die sonderbaren Kreisformen, die Künstlerin Laura in der gemeinsamen Wohnung verteilt, sorgen immer wieder für ein Grinsen. Auch der leidgeprüfte Arbeitskollege von Paterson, dem man nie einfach nur so die Floskel „Alles klar?“ zuwerfen sollte, ist ein sehr gelungener Running Gag. Nachdem Hauptdarsteller Adam Driver zu Beginn seiner Karriere noch sehr auf Hipster-Rollen abonniert war, zeigt er sich immer öfter als richtig starker Schauspieler. Als ruhiger, nachdenklicher Paterson, der seine Emotionen in den Gedichten verarbeitet und daneben einfach ein richtig sympathischer Kerl ist, zeigt Driver eine intelligente und berührende Darbietung. Golshifteh Farahani dürfte die große Entdeckung in diesem Film sein. Ihre Figur ist aufgekratzt, liebenswert und dabei zutiefst menschlich. Dabei harmonieren beide Darsteller toll miteinander und funktionieren als aufrichtiges Paar. Es gibt noch eine ganze Reihe kleiner Rollen und Cameo-Auftritten, die den Weg von Paterson kreuzen. So gibt Rap-Star Method Man seine Interpretation von Poesie zum besten und die „Moonrise Kingdom“-Kinder Jared Gilman und Kara Hayward philosophieren im Bus des Protagonisten über die Vorzüge von Anarchie.

„Paterson“ ist eine angenehme Abwechslung zum modernen Mainstream-Kino. Sicherlich fordert Jim Jarmusch für seinen neuen Film ein gewisses Maß an Geduld ein. Dafür belohnt er den Zuschauer mit einem inhaltlich wie visuell ungewöhnlichen Film der in seiner ruhigen Art fast eine hypnotische Wirkung hinterlässt.

4 von 5 Punkten


Quelle: Weltkino, Leinwandreporter TV, YouTube

Paterson

Originaltitel:Paterson
Regie:Jim Jarmusch
Darsteller:Adam Driver, Golshifteh Farahani, Method Man
Genre:Komödie, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Weltkino
Länge: 117 MinutenFSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 17.11.2016

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 30.10.2016
Review: Paterson (Kino)

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