Review: Madame Bovary (Kino)

Das Kino-Plakat von "Madame Bovary" (© Warner Bros Pictures)

Das Kino-Plakat von “Madame Bovary” (© Warner Bros Pictures)

Inhalt: Seit ihrer Kindheit träumte Emma (Mia Wasikowska, „Crimson Peak“) von der großen weiten Welt. Durch die Heirat mit dem sympathischen Arzt Charles Bovary (Henry Lloyd-Hughes) sieht sie sich am Ziel ihrer Träume. Nach anfänglicher Begeisterung setzt bald Ernüchterung ein, da Charles nicht gerade ein Abenteurer und die neue Heimat ziemlich provinziell ist. Etwas Entspannung findet sie nur bei exzessiven Einkäufen bei dem örtlichen Stoffhändler Lheureux (Rhys Ifans, „Elementary“) und durch die Besuche des Jura-Studenten Léon (Ezra Miller), dem Sohn des örtlichen Apothekers Homais (Paul Giamatti, „San Andreas“). Schon bald fühlt sie sich zu Léon hingezogen, aber auch der charmante Marquis (Logan Marshall-Green) macht ihr recht offensiv den Hof. Doch es dauert nicht lange, bis ihr Wunsch, mehr als ein bodenständiges, solides Leben zu führen, ein hohen Tribut einfordert.

Kritik: Im Jahr 1857 veröffentlichte Gustave Flaubert seinen Roman rund um die Gepflogenheiten in der ländlichen Gesellschaft. Zuvor musste er wegen der damals provokanten Themen (Ehebruch) lange um eine Erlaubnis für sein Buch kämpfen. Inzwischen ist die Geschichte längst ein Klassiker und wurde bereits mehrfach verfilmt. Am bekanntesten dürfte wohl die 1991er-Fassung mit Isabelle Huppert sein. Erst im vergangenen Jahr erschien die augenzwinkernde, modernisierte Interpretation „Gemma Bovery“ mit Gemma Arterton. Diese Version von Sophie Barthes hält sich wieder deutlich klarer an das Original. Die Ausstattung und die Kostüme geben optisch genug her, um das Geschehen glaubhaft in 19. Jahrhundert zu versetzen. Der Ansatz von Barthes ist allerdings wenig originell. Mit angemessen gemächlichem Tempo erzählt sie noch einmal die Geschichte der unglücklichen Frau, die sich und ihrem Umfeld durch ihre Handlungen massiv schadet. Natürlich bietet die tragische Erzählung Flauberts auch heute noch genug Wucht, um als Film zu funktionieren. Allerdings bleibt der Film hier etwas zu oberflächlich, um wirklich tiefer in die Thematik einzutauchen. Große inszenatorische Überraschungen oder gewagte Momente bleiben komplett aus.

Mit materiellen Wünschen möchte Emma ihre Leere im Leben auffüllen (© Warner Bros Pictures)

Mit materiellen Wünschen möchte Emma ihre Leere im Leben auffüllen (© Warner Bros Pictures)

Die Hauptrolle mit Mia Wasikowska zu besetzen, war die erwartet gute Idee. Schon optisch passt die Australierin optimal. Auch darstellerisch ist Wasikowska gewohnt gut. Sowohl die unterdrückten Sehnsüchte, als auch die unschöneren Züge der Figur wie ihre Selbstgerechtigkeit und ihr manipulatives Verhalten liefert sie makellos. Henry Lloyd-Hughes zeigt als langweilig-netter Ehemann einen soliden Part. Logan Marshall-Green und Ezra Miller bleiben als Verehrer von Emma recht blass. Deutlich mehr kommt da von Rhys Ifans, der in dem schmierigen Verkäufer Lheureux voll aufgeht. Der gute Paul Giamatti wird in seiner Nebenrolle nicht wirklich gefordert.

Die Neuauflage von „Madame Bovary“ ist wohl vor allem für ein Publikum reizvoll, dem die Geschichte neu ist. Der Literatur-Klassiker bekommt hier einen unspektakulären, aber immer ordentlichen und schön bebilderten Neuanstrich. Das provinzielle Gefängnis, aus dem die Protagonistin so bedingungslos ausbrechen will, wird gut eingefangen. Es liegt aber vor allem an der überzeugenden Mia Wasikowska, dass diese Adaption am Ende recht interessant ausgefallen ist.

3 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Madame Bovary

Originaltitel:Madame Bovary
Regie:Sophie Barthes
Darsteller:Ezra Miller, Mia Wasikowska, Paul Giamatti
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:UK/Belgien, 2014
Verleih:Warner Bros Pictures
Länge:118 Minuten
FSK:ab 6 Jahren
Homepage:Madame Bovary

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 15.12.2015
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