“Swimming Pool – Der Tod feiert mit” – Gruseln in allen Bereichen

Das DVD-Cover von "Swimming Pool - Der Tod feiert mit" (Quelle: Senator Film)

Das DVD-Cover von “Swimming Pool – Der Tod feiert mit” (Quelle: Senator Film)

Die Amerikanerin Sarah (Kristen Miller, „Dexter Season 6“), ihr Freund Gregor (Thorsten Grasshoff) und ihre gesamte Clique haben die Abiturprüfungen auf einer Privatschule in Prag hinter sich. Um das gebührend zu feiern, reicht natürlich nicht die Standardparty der Schule. Deswegen bricht Gregor mit Hilfe seines Kumpels Martin (Jason Liggett) ins örtliche Schwimmbad ein, wo sich alle nach Lust und Laune austoben können. Leider gehört auch ein maskierter Killer zur Partygesellschaft, der sich schon bald daran gibt, die Abiturienten mit einer Machete zu bearbeiten. Da der Mörder alle Eingänge versperrt hat gibt es kein entkommen und Sarah ist sich bald sicher, dass der blutrünstige Maskenmann jemand aus der Clique sein muss.

Es kommt hier und da vor, dass es in Deutschland etwas länger dauert, bis uns gewisse Filmtrends erreichen. Das war auch bei dieser deutsch-englisch-tschechischen Co-Produktion des Frankfurter Regisseurs Boris von Sychowski aus dem Jahr 2001 sicher der Fall. Von Sychowski, der es nach diesem Film noch auf zwei Serienepisoden und einen TV-Film in seiner Vita bringen sollte, brachte fünf Jahr nach der Genre-Reanimation durch „Scream“ seine Variation des Slasher-Filmes. Das die Charaktere mehr Parodien auf sich selbst, die Handlung doppelt und dreifach bekannt, die Dialoge grenzdebil und die Schauspieler teils viel zu alt (so durfte Herr Grasshoff im Alter von 32 Jahren seinen Schulabschluss feiern) waren sowie jeder Anflug von Spannung souverän umschifft wurde, versteht sich fast schon von selbst.

Scream, Lack & Leder

Trotzdem ist die Eröffnungssequenz noch eine Erwähnung wert, da sie derart dreist vom Anfang des großen Vorbilds „Scream“ abgekupfert wurde, dass sich der wissende Zuschauer ein Grinsen nicht verkneifen kann. Immerhin ernährt sich die Protagonistin der Szene mit Gemüse statt Popcorn und ihr Freund schafft es gar nicht mehr aus dem Auto, bevor es ihn erwischt. Auch aufs Telefonat oder sonstigen Spannungsaufbau wird ganz verzichtet: Das würde ja Zeit zum metzeln rauben, was der Killer dann auch recht erfolgreich in die Tat umsetzt. Dabei ragt aber vor allem das wahrlich gruselige SM-Kunstleder-Outfit des mysteriösen Killers heraus. Die darauf folgende Sequenz der Schul-Prüfungen kann dann tatsächlich schockieren, wenn man dann in einer erschreckend überforderten Isla Fisher („Die Unfassbaren – Now You See Me“) und in ihrem blassen Freund James McAvoy („Trance“) erkennt. Wer diese Bilder sieht, mag sich nicht vorstellen, dass diese Gesichter zehn Jahre später zum festen Inventar der Kinolandschaft zählen würden. Sie schaffen es locker leicht, mit ihren Co-Stars im blutigen Bademoden-Reigen unterzugehen.

Ansonsten gibt es einige offene Fragen bezüglich der Architektur des Schwimmbades (Warum gibt es nur eine einzige Tür? Warum werden nur Scheiben aus Panzerglas eingesetzt?), herzzerreißende Traumata des Final Girls (Klischee-Alarm!), ein Haufen sexistischer Sprüche und Taten und sehr viel Blutdurst des Kunstlederkillers. Der Einsatz einer Machete in Verbindung mit einer Spaßrutsche ist da im Prinzip das beste, was der Film zu bieten hat. Eine Höhepunkt der unfreiwilligen Komik ist der verlebte und verbissene örtliche Kommissar (Jan Vlasák, „Hostel“), der immer „…verdammte Kids…“ grummelnd durch die Gegend stampft, während die „Kids“ nach und nach das Zeitliche segnen. Es gelingt den Figuren aber immer, sich vor ihrem Ableben so doof anzustellen, dass der Unterhaltungswert nie verloren geht. Nach einiger Zeit wird dann der nicht wirklich überraschende Täter offenbart, der sein nennen wir es Motiv verrät und den Film in neue Tiefen reißt. Nach einem Abschlusskampf mit Traumaüberwindung und (ebenfalls nicht wirklich überraschender) Wendung haben sich alle wieder lieb. Die Toten sind vergessen und Deutschland ist um einen miserablen Genre-Film reicher. „Swimming Pool – Der Tod feiert mit“ hat definitiv nicht dabei geholfen, die Karrieren von James McAvoy und Isla Fisher zu fördern. Es ist aber durchaus beeindruckend, wie viel in einem einzigen Film falsch gemacht werden kann. Und da Schadenfreude immer noch den schönsten Freuden gehört, ist dieser deutsche Ausflug ins Slasher Genre schon fast als Erlebniskino zu bezeichnen. Aber auch nur fast…


Quelle: Universum Film, YouTube

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 04.01.2014
Swimming Pool – Der Tod feiert mit

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