Review: Stereo (Kino)

Das Plakat von "Stereo" (Quelle: Wild Bunch Germany)

Das Plakat von „Stereo“ (Quelle: Wild Bunch Germany)

Inhalt: Es ist ein optimaler Neuanfang: Auf dem Land hat Erik (Jürgen Vogel) eine Werkstatt für Motorräder eröffnet und lebt dort glücklich mit der neuen Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) und deren Tochter Linda (Helena Schoenfelder) zusammen. Doch dann bemerkt er immer häufiger, dass er von einem Mann verfolgt wird. Irgendwann stellt sich dieser als Henry (Moritz Bleibtreu) vor und bleibt ungefragt bei jeder Gelegenheit an Eriks Seite. Bald wird ihm klar, dass nur er Henry wirklich sehen kann. Als er dann noch von Kriminellen unter Druck gesetzt wird, bricht sein so säuberlich aufgebautes Leben in sich zusammen. Angeblich ist der berüchtigte Gangsterboss Keitel (Georg Friedrich) hinter ihm her. Nun muss er auf Henry vertrauen, wenn er die Situation wieder unter Kontrolle bekommen möchte.

Kritik: Ein deutscher Psychothriller mit Mystery- und Gangsterfilm-Elementen sorgt erst einmal für Skepsis bei den Zuschauern, da es schon sehr lange her ist, das ein derartiger Film nicht gefloppt ist. Dennoch bekam Maximilian Erlenwein, der 2009 mit „Schwerkraft“ ein überraschend starkes Debüt lieferte, die Mittel von ZDF, Arte und einigen Filmstiftungen, um sein eigenes Drehbuch zu verfilmen. Dieses Vertrauen kann er tatsächlich zu großen Teilen zurückbezahlen. Nach einem etwas müden Intro zeigt er einen wendungsreichen und gerade für deutsche Verhältnisse herrlich unkonventionellen Thriller, dem man auch gerne kleine Unzulänglichkeiten verzeiht. So tut es keinen Abbruch, dass der Regisseur merklich „A History of Violence“ und „Fight Club“ als Inspiration zu Rate gezogen hat. Es gelingt ihm geschickt Spannungs- und Humorelemente zu verknüpfen. Dazu gewinnt der Film noch durch einen großartigen Look. Farbgebung und Bilder von The Chau Ngo, der mit Erlenwein schon bei „Schwerkraft“ zusammen gearbeitet hatte, verleiht dem Film die nötige Atmosphäre.

 

Zwei Giganten des deutschen Filmes in ureigener Kombination

Selbst im Familienleben hat Erik keine Ruhe vor Henry (Quelle: Wild Bunch Germany)

Selbst im Familienleben hat Erik keine Ruhe vor Henry (Quelle: Wild Bunch Germany)

Maximilian Erlenwein gelang hier das Kunststück, zwei der größten Schauspieler des Landes erstmals für gemeinsame Hauptrollen vor die Kamera zu holen. Und beide scheinen an dem Film wirklich Spaß zu haben. Jürgen Vogel spielt den taffen Kerl der sich ein einfaches Leben wünscht wunderbar doppeldeutig und zeigt sich außerdem als überraschend patenter Action-Darsteller. Moritz Bleibtreu darf als sarkastischer Plagegeist seinen ganzen Charme einbringen und sorgt so auch in den ruhigeren Momenten für Spaß beim Zuschauer. Den beiden Branchengrößen dabei zuzusehen, wie sie praktisch mit gleicher Mimik und gleichem Bewegungsablauf spielen, ist absolut beeindruckend. Georg Friedrich gibt den herrlich fiesen, schon etwas überzogenen Bösewicht und Vollblut-Sexisten Keitel, der einer der auffälligsten von vielen schrägen Charakteren ist. Petra Schmidt-Schaller, die die „Tatort“-Fans als Ermittlungspartnerin von Wotan Wilke Möhring kennen, ist eine der wenigen „normalen“ Figuren im Film und verleiht dem Ganzen so die nötige Bodenhaftung.

Es ist erfreulich zu sehen, wie Maximilian Erlenwein hier alle Zweifler eines besseren belehrt und einen Psychothriller präsentiert, der sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken braucht. Gerade die fast schon bizarren Momente wie der Ausflug zu einer spirituellen Heilerin geben „Stereo“ seine Klasse. Wer erwartet, dass bei so einer Geschichte jedes Zahnrad ins andere greift, wird natürlich Kritikpunkte finden. Die Freude, die Kombination Bleibtreu/Vogel in Aktion zu erleben, die vielen Einfälle und die durch die Bank weg unterhaltsamen Charaktere sollten den meisten gefallen, auch wenn „Stereo“ kein wirklicher Mainstream-Film ist. Allein letzteres von ein deutschen Produktion behaupten zu können, zeigt aber schon, dass dieses Werk nicht nur für Genre-Fans mehr als einen Blick wert ist.

4 von 5 Punkten

 

Hier geht es zum gemeinsamen Interview mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel

Hier geht es zum Bericht vom roten Teppich der Premiere


Quelle: Wild Bunch Germany, LeinwandreporterTV, YouTube

Stereo

Originaltitel:Stereo
Regie:Maximilian Erlenwein
Darsteller:Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu, Petra Schmidt-Schaller
Genre:Psycho-Thriller
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2014
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge:95 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:15.05.2014

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 15.05.2014
Review: Stereo (Kino)

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