Review: Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm (DVD)

Das DVD-Cover von "Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm" (Quelle: Senator Film)

Das DVD-Cover von “Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm” (Quelle: Senator Film)

Inhalt: Teddy Schu (Helge Schneider) ist ein leidenschaftlicher Jazzmusiker der von seiner Frau Jacqueline (Susanne Bredehöft) nach Strich und Faden unterdrückt wird. Er ist gezwungen, in zahlreichen Nebenjobs Geld zu beschaffen, worüber er nicht unglücklich ist: So kommt er zumindest aus dem Haus. Nachdem er schon um vier Uhr morgens zum Zeitungsaustragen geht, verdingt er sich tagsüber als Verkäufer in einem Imbiss. Da das auch noch nicht reicht, arbeitet er abends als Gigolo unter dem Pseudonym Rodriguez für die Agentur „Senora Fuck“. Soweit er doch einmal Zeit hat, spielt er mit seinen Kumpels Steinberg (Jimmy Woode) und Howard (Pete York) in einem heruntergekommenen Jazzclub, der kurz vor der Pleite steht. Als dann auch noch der Clubbesitzer verstirbt, brauchen die drei passionierten Musiker eine Alternative. Vielleicht kann der Plattenproduzent Mies van de Kalb (Nico van Rijn) helfen.

 

Kritik: Im Jahr 2004 inszenierte der Kult-Komiker Helge Schneider aus Mülheim an der Ruhr seinen fünften Film. Dabei arbeitete er wieder einmal eng mit Co-Autorin Andrea Schuhmacher zusammen. Herausgekommen ist mal wieder nihilistisch-skurriler Humor, der dem Routinier Schneider über all die Jahre ebenso viele Fans wie Feinde brachte. So schwankt der Film zwischen schrägem Spaß mit gewollten Unzulänglichkeiten und lahmen, albernen Elementen an der Grenze zum schmerzhaft Doofen. Die Dialoge sind gewollt stumpf, was die Fans aber kennen dürften. Gleiches gilt für die teils quälend langen Kameraeinstellungen, die der Komiker richtiggehend zelebriert. So wirkt diese lose aneinandergereihte Gag-Parade auch deutlich länger als 80 Minuten. Dennoch ist der Film auch für Schneider-Außenstehende teilweise wirklich lustig. Wenn der Protagonist im stürmischen Regen versucht, seine Zeitungen an den Mann zu bringen oder Teddy für anspruchsvolle Fischkäufer noch angeln geht, ist „Jazzclub“ wirklich nett.

Helge Total

Teddy verkauft seinen Fisch (Quelle: Senator Film)

Teddy verkauft seinen Fisch (Quelle: Senator Film)

Wer einen Film von dem Macher kennt, hat sie eigentlich alle gesehen. So dürfte keinen mehr diese Mischung aus langatmig, nervtötend und urkomisch wirklich überraschen. Ein wirkliches Konzept gibt es auch hier hinter dem Drehbuch nicht. Dazu ist es logischerweise nahezu unmöglich, die Schauspielerei von Helge Schneider und seinen Co-Stars nach ernsthaften Kriterien zu bewerten. Wie zu erwarten, gibt es bei „Jazzclub“ einige Szenen, in denen minutenlang eigentlich nur die Musik der Jam-Sessions zu hören ist, was wie so vieles hier unter der Kategorie Geschmackssache zu verbuchen ist. Wenn zwei Meter Heftpflaster für zwei Mark verkauft werden (ja, 2004 gab es den Euro schon), für kurze Zeit der Stummfilm samt Klaviermusik zurückgebracht wird und der betrunkene Nachbar immer am Türspäher lauert, ist Helge Schneider voll in seinem Element. Das bizarre Finale bildet dabei ein Highlight.

Insgesamt ist „Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm“ in seiner eigenen Kategorie des Anarcho-Humors doch durchaus brauchbar und recht witzig, auch wenn eigentlich kein einziger Tatbestand eines guten Filmes erfüllt wird. Diejenigen, die Helge Schneider mögen, werden auch hier ihre Freude haben. Für den Rest ist das ganze Geschehen nur in Maßen zu ertragen.

Teddy bekommt von seiner Frau die Leviten gelesen (Quelle: Senator Film)

Teddy bekommt von seiner Frau die Leviten gelesen (Quelle: Senator Film)

Der Film ist ab dem 11.04.2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3 von 5 Punkten

 

Bild: Das Bild ist auf solidem Niveau. Die Aufnahmen sind zwar sehr sauber, von der Schärfe her aber allenfalls solide. Die Farben sind etwas verwaschen und die Darstellung der Details ist auch nicht perfekt. Die Kontraste sind wiederum ordentlich. Insgesamt lässt die Bildqualität den Film noch älter wirken, als er ist.

2,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche Ton liegt in dem ungewöhnlichen Dolby Digital 3.0-Format vor. Die Dialoge sind immer gut verständlich, was die Hauptsache ist. Außerdem klingt die Musik sauber und angenehm, auch wenn hier natürlich keine besonderen Surround-Elemente zu erwarten sind. Das ist aber auch nicht zwingend nötig.

3 von 5 Punkten

Extras: Es gibt eine ganze Menge Bonusmaterialien zum Film auf dieser DVD. Ein „Hinter den Kulissen“ (12 Minuten), eine ganze Sammlung an entfernten Szenen (52 Minuten), einige verpatzte Szenen (4 Minuten), sowie ein Team-Film (13 Minuten) sind unterhaltsam, haben aber leider eine auffällig schlechte Bildqualität. Dazu gibt es noch ein Interview mit Helge Schneider (11 Minuten) sowie Trailer von allen Filmen des Komikers.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: Universum Film, YouTube

Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm

Originaltitel:Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm
Regie:Helge Schneider
Darsteller:Helge Schneider, Jimmy Woode, Pete York
Genre:Komödie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2004
Verleih:Senator Film
Länge:84 Minuten
FSK:ab 6 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Leonine

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.04.2014
Review: Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm (DVD)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir setzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“) ein. Google verwendet Cookies. Wir setzen Google Analytics nur mit aktivierter IP-Anonymisierung ein.  Mehr Informationen zur Verwendung von Google Analytics finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Diese pseudonymisiert erhobenen Daten helfen uns, ein besser auf das Leser-Interesse abgestimmtes Programm anzubieten. Hier klicken um dich auszutragen.
Consent Management Platform von Real Cookie Banner