Review: Pain & Gain (Kino)

Das Teaserplakat von "Pain & Gain" (Quelle: Paramount Pictures)

Das Teaserplakat von „Pain & Gain“ (Quelle: Paramount Pictures)

Inhalt: In der Mitte der 1990er-Jahre übernimmt Daniel Lugo (Mark Wahlberg) einen Job als Personal Trainer in einem noblen Fitnessclub in Miami. Er träumt davon, wie seine Kunden in Wohlstand zu schwimmen. Um seinem Leben neuen Schliff zu geben, meldet er sich im Seminar des Motivations-Gurus Johnny Wu (Ken Jeong, „Hangover 2“) an, in dem er lernt, dass sich jeder im Leben entscheiden muss, ein „Doer“ oder ein „Donter“ zu sein.

Natürlich will er jetzt als „Doer“ alles anders machen, weswegen er mit seinen Bodybuilder-Kollegen Paul Doyle (Dwayne Johnson, „Fast & Furious 6“) und Adrian Doorbal (Anthony Mackie, „Gangster Squad“) kurzerhand seinen Klienten Victor Kershaw (Tony Shalhoub) entführt. Nach brutalen Foltermethoden des Trios überschreibt Kershaw ihnen notgedrungen sein Geld. Der daraufhin gefasste Plan, die Geisel per fingiertem Autoanfall ins Jenseits zu befördern, geht gründlich schief, da ihr Opfer überlebt und nun auf Vergeltung aus ist. Während sich die drei Bodybuilder am Wohlstand laben, engagiert Kershaw den Ex-Cop Dubois (Ed Harris, „Ein riskanter Plan“), der die Ermittlungen aufnimmt und so auch mitbekommt, wie Lugo, Doyle und Doorbal schon einen zweiten Coup planen.

 

Kritik: Gerade erst wurde „Transformers 4“ bestätigt, da kommt Michael Bay mit einem Film in die Kinos, den er selbst als „klein und intim“ ankündigte. Tatsächlich wirkt die Satire schon etwas kleiner als seine sonstigen Bombast-Action-Streifen. Wer jetzt aber eine Art Bay-Independent-Film erwartet, irrt sich. Auch „Pain & Gain“ ist auf Hochglanz poliertes Testosteron-Kino. Die kuriose, teils unglaubliche Geschichte basiert auf einem wahren Fall, der hier natürlich etwas aufgehübscht wurde. Der Film ist am besten, wenn er sich auf die Stärken dieser Story verlässt. Wenn Stripperinnen für „CIA-Geheimmissionen“ rekrutiert werden, Entführungsversuche den Bach runter gehen und Fingerabdrücke von abgehackten Händen auf dem Grill zerstört werden, kommen alle Freunde des schwarzen Humors auf ihre Kosten. Die drei herrlich trotteligen Protagonisten sorgen durchgängig für Spaß.

Der falsche Regisseur am richtigen Film

Drei Bodybuilder auf Abwegen (Quelle: Paramount Pictures)

Drei Bodybuilder auf Abwegen (Quelle: Paramount Pictures)

Die Coen-Brüder hätten hier wahrscheinlich mit einer subtilen Satire ihr nächstes Meisterwerk feiern können. Leider passen Michael Bay und Subtilität ungefähr so gut, wie ein Baseballschläger zur Bearbeitung einer antiken Marmor-Skulptur. Der stylische Look passt noch recht gut zur absurden Verwirklichung von Lugos unvorstellbar egoistischem amerikanischem Traum. Der übertriebene Einsatz von Zeitlupen ist vollkommen unnötig.

Dabei hat man als Zuschauer immer das Gefühl, das „Pain & Gain“ sich nicht wirklich traut, Witze über den Patriotismus zu machen. Irgendwo kann Bay nicht anders, als die Vorzüge seiner Heimat zu betonen. Aufgrund überraschend hoher Brutalität, die teilweise etwas verniedlicht erscheint, könnte der Film an einer Jugendfreigabe scheitern. Was aber wirklich nervt, sind die Zoten auf Stammtischniveau: hier werden Dicke, Frauen und Homosexuelle gedemütigt und alberne Sex- und Fäkalwitzchen gerissen. Weshalb dieser Humor in „Pain & Gain“ zu finden ist, erscheint rätselhaft, da die Ausgangsstory von tiefst schwarzem Witz trieft und mehr als unterhaltsam genug gewesen wäre.

Paul versucht an Geld zu kommen (Quelle: Paramount Pictures)

Paul versucht an Geld zu kommen (Quelle: Paramount Pictures)

Die prominente Besetzung macht Spaß. Mark Wahlberg spielt seinen komplett Ich-bezogenen, tumben Daniel Lugo mit wunderbar trockenem Humor und kann dabei an Vorstellungen wie in „Ted“ anknüpfen. Anthony Mackie darf als impotenter Sprücheklopfer mit den besten Einzeilern des Films aufwarten. Das wirkliche Highlight ist aber Dwayne „The Rock“ Johnson, der sich so wandelbar wie selten zuvor in seiner Karriere zeigt. Als kokainsüchtiger Jesus-Freak mit psychotischen Episoden überrascht er von Szene zu Szene mit neuen Facetten. Tony „Monk“ Shalhoub darf sich hier in einer recht ungewohnten Rolle als unsympathischer Fiesling zeigen, die er aber ebenso souverän wie seine normalen Charaktere ausfüllt. Ed Harris ist hingegen als Privatdetektiv in einer Standardrolle zu finden, die er natürlich gewohnt gut spielt.

Starke Geschichte, schwarzer Humor und gute Schauspieler sollten „Pain & Gain“ eigentlich zu einem netten, alternativen Filmerlebnis machen. Da Michael Bay sich aber nicht an seine Zusagen hält, ist diese Satire auf Hochglanz poliertes Mainstream-Kino, das trotz ordentlicher Gagtrefferquote mit teils kindischen, teils herablassenden Witzen einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: Paramount Pictures, YouTube

Pain & Gain

Originaltitel:Pain & Gain
Regie:Michael Bay
Darsteller:Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Anthony Mackie
Genre:Action-Satire
Produktionsland/-jahr:USA, 2012
Verleih:Paramount Pictures
Länge:129 Minuten
FSK:ab 18 Jahren
Kinostart:22.08.2013
Homepage:Der Internetauftritt-Auftritt von "Pain & Gain"

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 22.08.2013
Review: Pain & Gain (Kino)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir setzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“) ein. Google verwendet Cookies. Wir setzen Google Analytics nur mit aktivierter IP-Anonymisierung ein.  Mehr Informationen zur Verwendung von Google Analytics finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Diese pseudonymisiert erhobenen Daten helfen uns, ein besser auf das Leser-Interesse abgestimmtes Programm anzubieten. Hier klicken um dich auszutragen.
Consent Management mit Real Cookie Banner