Review: Albert Nobbs (Blu-ray)

Das Cover von "Albert Nobbs" (Quelle: Pandastorm Pictures)

Das Cover von „Albert Nobbs“ (Quelle: Pandastorm Pictures)

Irland im 19. Jahrhundert: Der Butler Albert Nobbs (Glenn Close) ist die gute Seele des Hotel Morrison’s und sorgt immer für das Wohlbefinden der Gäste. Was keiner ahnt: Der schüchterne, kleine Mann ist in Wirklichkeit eine Frau und verschleiert seine wahre Identität, um arbeiten zu können. Die Maskerade gerät in Gefahr, als der Maler Hubert Page (Janet McTeer, „Hannah Arendt“) in Alberts Zimmer einquartiert wird. Durch Hubert lernt Albert einiges über sich selbst und traut sich, die junge und hübsche Kollegin Helen (Mia Wasikowska, „Stoker“) auszubitten. Mitten in dem Beziehungschaos arbeitet Albert daran, den Traum von einem eigenen Geschäft zu verwirklichen.

Bereits im Jahr 2011 inszenierte der in Kolumbien geborene Rodrigo Garcia („In Treatment“) dieses tragikomische britische Drama um eine Figur, die Glenn Close schon einmal während ihrer Theaterlaufbahn in den frühen 80er-Jahren gespielt hatte. Herausgekommen ist ein großartig ausgestattetes Porträt, dass trotz kleiner Durchhänger absolut überzeugt und vor allem durch seinen leicht skurrilen Charme besticht. Der Film „Albert Nobbs“ ist wie die Titelfigur ruhig und zurückhaltend, was die emotionalen Momente um so herzlicher werden lässt. Garcia lässt seine stocksteife Hauptfigur in den Gängen des Luxushotels und auf den Straßen versinken und arbeitet mit sehr m,ilden, sanften Schnitten. So bekommt der Zuschauer die Möglichkeit, in das viktorianische Ambiente und die damaligen Moralvorstellungen einzutauchen. Dabei setzt Garcia nicht auf strahlende Helden: Fast alle seine Figuren sind verletzlich und unsicher, was sie noch menschlicher und interessanter macht.

Die Glenn Close-Gala mit starken Unterstützern

Albert ist die Zuverlässigkeit in Person (Quelle: Pandastorm Pictures)

Albert ist die Zuverlässigkeit in Person (Quelle: Pandastorm Pictures)

Egal wie steif Albert läuft, wie kurz die Haare und wie bleich das Gesicht ist: Die Ausstrahlung einer Glenn Close ist unverkennbar. Dabei spielt sie so gut wie selten zuvor. Diese distanzierte, weltfremde Person, die sich aus Angst davor aufzufliegen, komplett zurückzieht, verkörpert sie bis in das kleinste Wimpernzucken perfekt, was ihr eine verdiente Oscar-Nominierung einbrachte. Für den Nebendarsteller-Preis konnte sich Janet McTeer durch ihre ähnlich virtuose Darstellung vom weltoffenen, selbstbewussten Hubert sichern. Mia Wasikowska hinterlässt als junger, etwas naiver Schwarm Alberts einen ebenfalls sehr starken Eindruck. Dagegen fallen die männlichen Figuren etwas ab, was aber keineswegs an den Schauspielern liegt. Hier wurden mit Aaron Johnson („Kick-Ass 2“) als Tagelöhner und Verführer und Brendan Gleeson („The Guard – Ein Ire sieht schwarz“) als trinkendem Hausarzt weitere Top-Leute in größeren Rollen verpflichtet. Jonathan Rhys-Meyers („Chroniken der Unterwelt – City of Bones“) ist außerdem als dekadenter Stammgast des Hotels zu sehen.

„Albert Nobbs“ ist bei weitem keine durchschnittliche Kinounterhaltung. Wer sich auf die ruhige Erzählweise einlässt, wird mit einem feinsinnigen, originellen und berührenden Film mit einer großartigen Glenn Close belohnt.

Der Film ist ab dem 17.10.2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

 

Helen erobert die Herzen im Sturm  (Quelle: Pandastorm Pictures)

Helen erobert die Herzen im Sturm (Quelle: Pandastorm Pictures)

Bild: Der ungewöhnliche Film wird mit einem mehr als gelungenen Bildtransfer präsentiert. Die Schärfe ist auf höchstem Level und die Detaildarstellung könnte kaum besser sein. Auch die Kontraste sind fast makellos und immer auf die Lichtverhältnisse abgestimmt. Die Farben sind voll, lebendig, abwechslungsreich und größtenteils ungefiltert. Ein kräftiger Schwarzwert überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Die deutsche und die englische Tonspur in DTS-HD MA 5.1 sind verlustfrei transferiert worden, auch wenn der ruhige Film natürlich keine großen Effekte oder ähnliches bietet. Die natürlich klingenden Dialoge sind immer gut verständlich. Hintergrundgeräusche auf der Straße und im Hotel sowie der tolle Score werden räumlich abgemischt präsentiert. Das ist alles, was dieser Film benötigt.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Einige Deleted Scenes (8 Minuten), eine ganze Reihe von interessanten Interviews (43 Minuten) und ein paar Trailer ergänzen die Blu-ray ordentlich. Vor allem das Gespräch mit der enthusiastischen Hauptdarstellerin ist sehenswert.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: VIPMagazin, YouTube

Albert Nobbs

Originaltitel:Albert Nobbs
Regie:Rodrigo Garcia
Darsteller:Glenn Close, Mia Wasikowska, Janet McTeer, Aaron Johnson
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2011
Verleih:Pandastorm Pictures
Länge:113 Minuten
FSK:ab 6 Jahren
Offizielle Homepage zum Film:Der Internetauftritt von "Albert Nobbs"

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