Review: Warrior (Blu-ray)

Blu-Ray Cover von "Warrior" (Quelle: Universum Film)

Blu-Ray Cover von “Warrior” (Quelle: Universum Film)

Die Männer der Familie Conlon haben sich komplett auseinandergelebt. Außer dem Familiennamen teilen der alkoholkranke Vater Paddy (Nick Nolte, „Luck“) und seine beiden Söhne, Kriegsveteran Tommy (Tom Hardy, Bane in „The Dark Knight Rises“) und Physiklehrer Brendan (Joel Edgerton, Sam aus „The Thing“) nur eines: die Vergangenheit in Mixed Martial Arts-Kämpfen. Nach 14 Jahren Abwesenheit steht Tommy eines Tages vor Paddys Tür und bittet seinen verhassten Vater, ihn zu trainieren, da er wieder in den Ring steigen möchte. Brendan, der glücklich mit Tess (Jennifer Morrison, Zoey aus „How I met your mother“) verheiratet ist und mit ihr zwei Töchter hat, steht wegen der Finanzkrise vor den Scherben seiner Existenz. Vor lauter Verzweiflung lässt er sich darauf ein, für etwas Geld an Parkplatzkämpfen teilzunehmen, wodurch er von der Schule suspendiert wird.

In seiner Not wendet er sich an seinen alten Freund und Star-Trainer Frank Cambana (Frank Grillo, Nick Savrinn aus „Prison Break“), mit dessen Hilfe er wieder an bessere Kämpfe kommen möchte. Durch Zufälle schaffen sowohl Tommy als auch Brendan die Nominierung für „Sparta“, das mit 5 Millionen Dollar Preisgeld höchstdotierte Mixed Martial Arts-Turnier der Geschichte. In Atlantic City treffen die Brüder auf die stärksten Männer der Welt und müssen sich außerdem mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen.

Gavin O‘Connor („Das Gesetz der Ehre“) verfilmte 2011 nach langer Vorarbeit sein eigenes Drehbuch und beschritt dabei neue Wege. Mixed Martial Arts, eine der härtesten und brutalsten Sportarten der Welt, hatte bis dahin nur in eher tumbem Action-Kino den Weg auf die Leinwand gefunden. O‘Connor nahm den Kampfsport als Basis für ein hochemotionales Familiendrama, dass den Vergleich mit Filmen wie „Rocky“ oder zuletzt „The Fighter“ nicht scheuen muss. Der Handlungsverlauf ist zwar zu jeder Zeit vorhersehbar, wird aber von fantastisch entwickelten und glaubwürdigen Charakteren getragen. So hat der Zuschauer über eine Stunde Zeit, die Familienmitglieder kennenzulernen, ehe Tommy und Brendan das erste Mal aufeinandertreffen. Ein weiterer Pluspunkt ist die enorme Physis, die „Warrior“ beinhaltet. So wurden echt Martial Arts-Profis als Gegner für Tommy und Brendan engagiert, die den toll gefilmten Kampfszenen das gewisse Etwas verleihen.

Tommy und Paddy bei der Kampfvorbereitung (Quelle: Universum Film)

Tommy und Paddy bei der Kampfvorbereitung (Quelle: Universum Film)

Nick Nolte feiert das Comeback des Jahres

Einen großen Anteil an der Qualität dieses Films haben die durchweg ideal besetzten Darsteller. Der bis dahin recht unbekannte Australier Joel Edgerton erweist sich als enorm vielseitiger Schauspieler. Er überzeugt sowohl als liebender Ehemann, Vater und engagierter Lehrer, sowie als rabiater Kampfsportler. Da er aus seiner Jugend noch Karateerfahrung besaß, scheinen ihm die anspruchsvollen Kampfszenen keinerlei Mühe zu bereiten. Ebenso stark agiert Englands neuer Hollywood-Superstar Tom Hardy, der sein animalisch anmutendes Äußeres mit einer verletzlichen Sensibilität kombiniert. Um seinem Auftreten noch mehr Wucht zu verleihen, legte Hardy 13 Kilo Muskelmasse zu, welche ihm wohl auch bei der Wahl zu Batman-Bösewicht Bane geholfen haben.

 

Tess sorgt sich, weil ihr Mann wieder kämpfen will (Quelle: Universum FIlm)

Tess sorgt sich, weil ihr Mann wieder kämpfen will (Quelle: Universum FIlm)

Weltstar Nick Nolte gelingt hier in der Rolle des überforderten und alkoholkranken Paddy eine atemberaubende Rückkehr in die Herzen der Kritiker. Sein Spiel ist mitreißend und bewundernswert. Bei einem weniger starken Schauspieler hätte die Figur wohl etwas klischeehaft gewirkt. Nick Nolte wurde 2012 vollkommen zu Recht für den Oscar als „Bester Nebendarsteller“ nominiert, musste aber Christopher Plummer („Beginners“) den Vortritt lassen. Jennifer Morrison, die hauptsächlich aus Comedy-Serien wie „Dr. House“ und „How I met your mother“ bekannt ist, liefert die wohl überzeugendste Vorstellung ihrer Karriere. Als Brendans Ehefrau Tess strahlt sie Warmherzigkeit und Präsenz aus und bietet Brendan einen starken Rückhalt. Frank Grillo, selbst ein begeisterter Kampfsportler wirkt in dem Film, als ob er noch nie etwas anderes getan hätte, als Kämpfer zu trainieren. Gavin O‘Connor selbst ist als Event-Promoter J.J. Riley auch in ein paar Szenen zu sehen.

In Deutschland schaffte es „Warrior“ nicht zu einer Kinoauswertung. Der kommerziell mäßige Erfolg in den USA und ein Desinteresse an dieser Randsportart führten zu der Fehleinschätzung. Einer der besten Filme des vergangenen Jahres wurde daher bei uns direkt auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht. Denn, obwohl das Ende des Films schon nach fünf Minuten klar ist: „Warrior“ bietet eine Kombination von großem Action- und Gefühlskino.

4,5 von 5 Punkten

 

 

Tommy auf dem Weg zum Training (Quelle: Universum FIlm)

Tommy auf dem Weg zum Training (Quelle: Universum FIlm)

Bild: Die Schärfe ist grundsätzlich gut gelungen. Nur in ein paar Szenen ist das Bild etwas zu weich gezeichnet. Die kalten Blau- und Brauntöne geben dem Film einen düsteren Grundton. Ein Stilmittel des Regisseurs ist zugleich die größte Schwäche des Bilds: Das teilweise grobe Filmkorn, dass den rauen und düsteren Look der Geschichte untermauern sollte, wirkt sich teilweise störend aus.

3 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und englische DTS-HD MA 5.1-Ton bietet jederzeit perfekte Dialogwiedergabe. Der Soundtrack und die Kampfszenen mit tobendem Publikum sprechen die Boxen sehr dynamisch an. Weitere spektakuläre Effekte enthält der Film nicht.

4 von 5 Punkten

Extras: Ein „Enhanced Film Mode“, der ein Picture-in-Picture Feature ist, das mit dem Film abgespielt werden kann und fast alle Beteiligten zu Wort kommen lässt, macht Spaß und bietet zahlreiche Zusatzinformationen. Das 30-minütige Making of bietet einen hervorragenden Einblick, welche Anstrengungen von Darstellern und Crew nötig waren, um den Film zu realisieren. Das 20-Minuten-Featurette „Philosophie des Kampfes“ dürfte vor allem für Kampfsport- Enthusiasten ein Highlight darstellen. Ein Featurette zu Ehren des kurz vor Drehbeginn verstorbenen MMA-Förderers Charles Mask jr., ein Beitrag „Anatomie des finalen Kampfes“, wo der Zuschauer die Storyboards zu sehen bekommt, eine entfernte Szene, ein Gag-Reel und Trailer komplettieren die schier unendlich vorhandenen und hochwertigen Bonusmaterialien.

5 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten

Quelle: Universum Film, YouTube

Warrior

Originaltitel:Warrior
Regie:Gavin O'Connor
Darsteller:Joel Edgerton, Tom Hardy, Nick Nolte, Jennifer Morrison
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2011
Verleih:Universum Film
Länge:139Minuten
FSK:ab 16 Jahren

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